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Geschichtsträchtiger Affelner Boden

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Von: Peter von der Beck

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Dietmar Brinkmann schaut auf den möglicherweise geschichtsträchtigen Bauplatz in der Affelner Dorfmitte.
Dietmar Brinkmann schaut auf den möglicherweise geschichtsträchtigen Bauplatz in der Affelner Dorfmitte. © Peter von der Beck

Auf einem Gelände des Affelner Dorfplatzes haben Archäologen der Außenstelle Olpe dort, wo ein Mehrfamilienhaus entstehen soll, bei ersten vorsichtigen Sondierungen durch Bauunternehmer Brinkmann eine Bruchsteinmauer entdeckt.

Neuenrade – Die Baustelle stand nun länger still, bis Brinkmann mit Freilegungsarbeiten begonnen hat – allerdings ohne Beisein der Archäologen und zu deren Ärger.

Archäologen haben geschichtsträchtige Areale im Blick

Dass Archäologen bei Bauvorhaben auf den Plan treten ist kein Zufall, wie Professor Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe, bestätigt. Die Archäologen bekämen in der Regel vieles mit. Bei planerisch größeren Vorhaben würden sie automatisch involviert – als Träger öffentlicher Belange. Auf kleinere Bauvorhaben werden sie zusätzlich aufmerksam, indem sie Zugang zu entsprechenden behördlichen Datenbanken haben, die sie regelmäßig scannen. Eine Fachfrau gibt es daher auch beim LWL in Olpe, welche die Baugenehmigungsverfahren „regelmäßig screent“.

Mäuerchen, Pflaster, Plumpsklos und Abfallgruben

Bei möglicherweise fundträchtigen Arealen schreiten sie dann ein. Aufmerksam werden sie zum Beispiel bei Bauvorhaben, die in der Nähe von Kirchen oder historischem Grund und Boden stattfinden. Und wenn die Bagger anrücken, dann wollen die Archäologen mit dabei sein und gegebenenfalls Fundorte sichern. Gefunden werden können Überbleibsel wie Mäuerchen, Pflaster, Fundamente, hauswirtschaftliche Anlagen wie Plumpsklos, Kanäle oder Wasserleitungen, Brunnen, Abfallgruben und noch viel mehr. So sind sie auch auf die Kellerwand unter dem Bürgermeister-Schmerbeck-Platz gestoßen und natürlich auch auf das Brinkmannsche Bauvorhaben im Affelner Dorfzentrum aufmerksam geworden. Brinkmann will dort ein Mehrfamilienhaus bauen.

Herausragende Funde möglich

Und als im März erstmalig der Bagger anrückte im Beisein der Archäologen, kam beim ersten Sondierungsgraben eine Bruchsteinmauer zum Vorschein. Häufig stellt sich das als Überrest aus dem 18. oder 19. Jahrhundert heraus, die schnell dokumentiert und dann freigegeben werden. Doch es gibt auch herausragende Funde wie jene in Attendorn – wo der älteste Hausgrundriss des Sauerlandes entdeckt wurde.

Mit Ausschachtungsarbeiten begonnen

In der Dorfmitte Affelns rührte sich bei dem Brinkmannschen Bauvorhaben nach der ersten Sondierung wohl erst einmal gar nichts. Der Bauunternehmer hatte auch andere Projekte. Nun hat Brinkmann doch mit einer Art von Ausschachtungsarbeiten begonnen. Zutage kamen dabei Betonböden, Ziegelmauern, Lehmboden und mehr. „Wir sollten schon mal freilegen,“ sagt Brinkmann und behauptet, dass so die vorgeschriebene Marschroute gewesen sei. So habe er eben losgelegt. Seiner Ansicht nach handelt es sich dabei nicht um altes Gemäuer. Er verweist auf betonierte Flächen im Boden des Areals.

Alter Bauernhof Pingel?

Mit wenig Mühe kann man einen Grundriss erkennen und mehrere Räume. Der Bauunternehmer verweist auf Erzählungen von Dorfbewohnern, dass hier einst der Bauernhof Pingel gestanden habe, den man mit einem Bergepanzer vor Jahrzehnten abgerissen habe. Kartenmaterial und alte Bilder will Brinkmann nun noch besorgen.

„Das war so nicht abgesprochen“

Archäologe Michael Baales scheint indes verärgert. „Das war so nicht abgesprochen,“ sagt er zum weiteren Vorgehen Brinkmanns. Denn: Wenn dann weitergemacht werde, wolle man natürlich dabei sein. „Dann wird so etwas dokumentiert und archiviert und wir haben ein weiteres Puzzlestück.“ Das geschehe in der Regel schnell. Professor Michael Baales und seine Kollegen sind auch die Fachleute, welche beurteilen können, ob es sich um ein historisch wertvolles Artefakt handelt oder eben nicht. Wichtig zur Beurteilung und Einordnung sind auch eventuelle Beifunde und damit der Fundzusammenhang. Deshalb wird die Fundstelle auch mit Sonden abgesucht, um Münzen oder andere metallische Hinterlassenschaften zu finden. Normalerweise wird so „ein erstes kleines Fenster aufgemacht.“ Danach gehe es dann gegebenenfalls weiter.

Wenn allerdings der Bagger dort war, wurde den Archäologen die Chance genommen, eine Fundstelle zu beurteilen. Der Fundzusammenhang ist zerstört.

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