Bis zu 25 000 Euro möglich

Illegale Baumfällungen: Wohl 5000 Euro Strafe plus Ersatzpflanzungen

Die stellvertretende sachkundige Bürgerin Janine Lohmann protestiert mit einem Plakat gegen die Fällung von teilweise geschützten Bäumen wie Linden und Buchen.
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Die stellvertretende sachkundige Bürgerin Janine Lohmann protestiert mit einem Plakat gegen die Fällung von teilweise geschützten Bäumen wie Linden und Buchen.

Mehrere Tausend Euro Bußgeld plus jede Menge Ersatzpflanzungen auf Neuenrader Stadtgebiet innerhalb der nächsten Vegetationsperiode – das ist zumindest das ordnungsrechtliche Ergebnis der Ende Februar/Anfang März erfolgten illegalen Fällaktion auf dem Gelände „Hinter der Stadt“.

Neuenrade Just dort, wo auch die Schießanlage der Neuenrader Schützengesellschaft ist, wurde quasi ein ganzes Wäldchen, darunter Buchen und Linden, abgeholzt. Das hatte nicht nur bei örtlichen Baumschützern für massiven Ärger gesorgt, sondern hatte für den Auftraggeber ein entsprechendes Nachspiel.

Denn: Neuenrade hat eine Baumschutzsatzung in der dezidiert geregelt ist, welche Baumarten aus welchem Grund und bei welchem Stammumfang gefällt werden dürfen. Der weit überwiegende Teil der Neuenrader hält sich an die Regeln und beantragt eine Fällung, die Stadtverwaltung entscheidet, gegebenenfalls ist auch der Bauausschuss damit befasst. Nachrichtlich wird auch jede Fällung und Genehmigungsbegründung veröffentlicht.

Wird ein Baum gefällt, so gibt es immer nachvollziehbare Begründungen und entsprechende Genehmigungen. In der Regel bedroht der Baum mit seinem Wurzelwerk Gebäude, gefährdet wegen unzureichender Standfestigkeit andere. Eine Ausnahme von der Schutzsatzung ist auch, wenn eine „nach den baurechtlichen Vorschriften zulässige Nutzung sonst nicht oder nur unter wesentlichen Beschränkungen verwirklicht werden kann.“ Auf jeden Fall ist ein Antrag nötig.

Das Wäldchen wurde jedenfalls komplett abgeholzt und bei der Stadtverwaltung lag noch nicht einmal ein Antrag auf Fällung vor. Im jüngsten Bauausschuss verkündete Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) dann die Entscheidung der Verwaltung und dokumentierte den zeitlichen Vorgang.

„Am 4. März habe ich an den Grundstücksbesitzer einen Anhörungsbogen zum Verstoß gegen die Baumschutzsatzung verschickt. Dann kam die Stellungnahme des Beteiligten mit dem Tenor, dass man sich der Satzung nicht bewusst gewesen sei.“ Am 26. März habe er dann den Bußgeldbescheid erlassen.

Eine Summe nannte Wiesemann nicht. Die habe sich am Bußgeldbescheid gegen das Evangelische Kreiskirchenamt orientiert, welches 2016 am alten evangelischen Friedhof Bäume gefällt hatte und andere zu stark hatte beschneiden lassen. Es gab damals sogar eine Ortsbesichtigung durch den Ausschuss. 5000 Euro hatten die Mitglieder des Gremiums als Bußgeldsumme festgesetzt. Es kann auch teurer werden: Bis zu 25 000 Euro könnten theoretisch laut Satzung fällig werden.

Für das Gelände Hinter der Stadt hatte die Stadtverwaltung sogar einen Gutachter beauftragt, der anhand der Stümpfe Rückschlüsse auf Art und Baumumfänge geschlossen hatte. „30 geschützte Bäume“ hatte der Fachmann registriert. Das zieht noch eine entsprechende Auflage zur Nachpflanzungen nach sich, erläuterte der Bürgermeister. Diese Pflanzung kann meist auf öffentlichem Grund und Boden erfolgen, wie Kita- oder auch Schulgelände.

Gegen die Abholzung des Wäldchens hatte vor allem Janine Lohmann schon kurz nach der Fällung mit einem Plakat demonstriert. „Baum ab? Nein Danke – Erst stirbt der Baum, dann stirbt der Mensch“ war dort zu lesen. Lohmann ist parteilose stellvertretende sachkundige Bürgerin im Nachhaltigkeitsausschuss und Mitglied der Grünen-Ratsfraktion. Zudem ist sie Pfadfinderin und hat etwas für Bäume übrig. „Jeder Baum, der einigermaßen gesund ist, sollte erhalten werden“, ist ihre Maxime.

Dass auf dem Gelände eine Bebauung vorgesehen ist, bestätigte Bauamtsleiter Marcus Henninger, vermochte aber Konkretes nicht zu sagen. Und das Gelände sei auch grundsätzlich planungsrechtlich bebaubar, ein Bebaungsplan liege vor, sagt er.

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