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„Ich will Hausarzt werden“: Medizinstudent fühlt sich wohl in Neuenrade

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Von: Carla Witt

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Medizinstudent Alrik Neff fühlt sich im MVZ in Neuenrade sichtlich wohl. Michael Beringhoff ist schon jetzt vom Projekt Localhero überzeugt. Er freut sich, angehenden Ärzten die Arbeit in einer Hausarztpraxis näher bringen zu können.
Medizinstudent Alrik Neff fühlt sich im MVZ in Neuenrade sichtlich wohl. Michael Beringhoff ist schon jetzt vom Projekt Localhero überzeugt. Er freut sich, angehenden Ärzten die Arbeit in einer Hausarztpraxis näher bringen zu können. © Witt, Carla

„Ich will Hausarzt werden“, sagt Medizinstudent Alrik Neff. Eine Woche lang hat er sich jetzt als „Localhero“ im MVZ Neuenrade umgesehen. Das sind seine Eindrücke.

Neuenrade – „Das Arbeitsklima hier in der Praxis ist sehr viel angenehmer als in einem Krankenhaus. Es macht richtig Laune hier zu arbeiten“, sagt Alrik Neff lächelnd – und stellt MVZ-Leiter Michael Beringhoff, seinem Team und den Neuenradern ein sehr gutes Zeugnis aus. Neff ist ein sogenannter Localhero. Der 21-Jährige studiert im zweiten Semester Medizin an der Universität Witten-Herdecke und beteiligt sich am Landarztprojekt Localhero. In der vergangenen Woche sammelte er Eindrücke von der Arbeit eines Hausarztes.

Dabei steht für den jungen Mann schon jetzt fest: „Ich will Allgemeinmediziner und Hausarzt werden. Deshalb habe ich mich für die Teilnahme an diesem Projekt beworben.“ Alrik Neff kommt aus dem rheinland-pfälzischen Alzey, einer ländlichen Region in der Nähe der Stadt Mainz, berichtet er. Und der 21-Jährige bekennt sich ganz offen zum Landleben: „Ich bin kein Stadtfreund. In ländlichen Gegenden fühle ich mich viel wohler.“ Auch Neuenrade kommt bei dem Medizinstudenten an: „Ich wohne hier in einer Ferienwohnung und es gefällt mir sehr gut hier. Rund um Mainz ist es ja eher hügelig.“

Doch nicht nur die Region, sondern auch die Menschen haben es dem 21-Jährigen angetan. Von der Sturheit, die manch einer den Sauerländern nachsagt, hat Alrik Neff nichts bemerkt: „Die Neuenrader sind einfach sympathisch“, sagt er und lacht so herzlich, dass keine Zweifel aufkommen: An Offenheit und Empathie mangelt es diesem Medizinstudenten nicht.

Das MVZN ist jetzt eine „Lehrarztpraxis der Universität Witten-Herdecke“. Sobald das entsprechende Hinweisschild eingetroffen ist, soll es angebracht werden.
Das MVZN ist jetzt eine „Lehrarztpraxis der Universität Witten-Herdecke“. Sobald das entsprechende Hinweisschild eingetroffen ist, soll es angebracht werden. © Witt, Carla

Dafür spricht auch der zweite Beweggrund, der ihn beruflich in Richtung Hausarztpraxis treibt: „In einer solchen Praxis kann ich den ganzen Menschen einbeziehen. Ich möchte heilen und nicht nur Symptome behandeln“, unterstreicht Alrik Neff, der bereits eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert hat. Im Medizinischen Versorgungszentrum Neuenrade darf er nicht nur zuschauen, sondern die Patienten auch selbst untersuchen.

Michael Beringhoff ist mit seinem Localhero sehr zufrieden. Die Entscheidung, am Projekt teilzunehmen, sei auf jeden Fall richtig: „Das Wissen um die Tätigkeit von Landärzten muss unter Medizinstudenten mehr vor allem deutlich früher bekannt gemacht werden. Viele kennen die Arbeit in einer Hausarztpraxis gar nicht, das muss sich ändern.“ So räumt der MVZ-Leiter, der vor einigen Jahren selbst in Affeln eine Landarztpraxis betrieben hat, mit einem alten Vorurteil auf: „Es stimmt nicht, dass Hausärzte weniger Freizeit haben als andere Mediziner. Es ist nur eine Frage der Organisation.“

Viele Medizinstudenten kennen die Arbeit in einer Hausarztpraxis gar nicht, das muss sich ändern.

Michael Beringhoff, Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums Neuenrade (MVZN)

Für Michael Beringhoff steht fest: „Die Teilnahme an dem Projekt ist zwar mit Arbeit verbunden, aber dem Ärztemangel auf Dauer etwas entgegen zu setzen, das ist ganz wichtig.“ Dass an der Eingangstür zum MVZ demnächst ein Schild mit der Aufschrift „Lehrarztpraxis der Universität Witten-Herdecke“ zu finden ist, erfüllt ihn mit Stolz.

Alrik Neff freut sich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit dem MVZ und den Neuenradern im kommenden Jahr; ebenso wie Michael Beringhoff, der demnächst noch weitere „Lokalmatadore“ der Uni Witten-Herdecke in Neunerade begrüßen möchte.

Ärztlichen Nachwuchs langfristig in der Region halten

Insgesamt absolvierten 25 Studierende der Universität Witten/Herdecke ihr einwöchiges Praktikum im Rahmen des Projektes Localhero. Dabei ist das Projekt langfristig ausgerichtet: Im kommenden Sommer sollen die gleichen Famulanten zwei Wochen im Märkischen Kreis Praxiserfahrungen sammeln und 2024 wieder eine Woche. Für 2023 und 2024 werden dann noch weitere Studierende aus dem Localhero-Projekt erwartet.

Anders als bei anderen Landarzt-Projekten habe sich Localhero zum Ziel gesetzt, angehende Mediziner bereits während ihres Studiums für das Thema zu interessieren und Faktoren zu identifizieren, die den ärztlichen Nachwuchs langfristig in der Region halten können.

Das Projekt werde vom Bundesministerium für Gesundheit mit 1,7 Millionen Euro gefördert und als Verbundprojekt mit den Unis Duisburg-Essen, Bochum, Düsseldorf und Witten/Herdecke durchgeführt.

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