Islamist El-Zayat finanziert Moschee in Neuenrade

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Ibrahim El-Zayat (zweiter von links) hat in Neuenrade Partner gefunden: Bürgermeister Antonius Wiesemann, Verwaltungsmitarbeiter und Ratsmitglieder stellten sich vergangenen Dezember demonstrativ mit einem Mann auf, der als Schlüsselfigur des politischen Islams in Deutschland und Sympathisant der Muslimbruderschaft gilt. Kritische Fragen dazu stellte Claudia Kaluza von der FDP, die sich hier nicht mit El-Zayat ablichten lassen wollte

Neuenrade - Ende 2021 soll die neue Moschee in Neuenrade am Schöntaler Weg stehen. Der 1,5 Millionen Euro teure Neubau wird von Ibrahim El-Zayat und seiner europäischen Moscheebau und -unterstützungsgemeinschaft Emug finanziert.

Der komplette Neuenrader Rat samt Bürgermeister hat sich demonstrativ hinter El-Zayat gestellt. In Finnentrop wollte man 2013 lieber keine Geschäfte mit der Emug machen. El-Zayat gehört zu einem Netzwerk, das den Islam in Deutschland noch weiter verbreiten will. 

Kritische Fragen zur Rolle von Ibrahim El-Zayat stellte jetzt FDP-Ratsmitglied Claudia Kaluza in ihrer Haushaltsrede. Der Mann gelte als „Schlüsselfigur des politischen Islam in Deutschland“ und sie frage sich, wer in Zukunft die religiöse Richtung in der Milli-Görüs-Gemeinde vorgebe. Bestimmt acht Mal war El-Zayat in Neuenrade, um über Grundstückserwerb und Neubau zu verhandeln. Noch 2017 hatte die Organisation von El-Zayat gegen einen Ablehnungsbescheid des Kreises wegen eines früheren geplanten Grundstückskaufes geklagt. 

Herr über 600 Moscheen in ganz Europa 

Ibrahim El-Zayat gilt als diskreter Geschäftsmann, sein Spitzname ist „Herr der Moscheen“, weil er europaweit mehr als 600 Moscheen verwaltet. Er wuchs in Marburg als Sohn einer zum Islam übergetretenen Deutschen und eines Ägypters auf und studierte Wirtschaftsingenieurwesen, Jura und Volkswirtschaft in Darmstadt, Marburg und Köln. Seine Diplomarbeit befasste sich mit der „kritischen Würdigung von Konzepten einer islamischen Wirtschaftsordnung“. Seine Frau, eine Ärztin, ist die Schwester des IGMG-Funktionärs (Islamische Gemeinschaft Milli Görüs) Mehmet Sabri Erbakan. 

Mittlerweile ist er in eine kaum zu überschauende Zahl an muslimischen Organisationen weltweit eingeflochten. Vor gut zwei Jahren wurde El-Zayat Geschäftsführer von EDU-Invest in Dortmund, laut jüngsten Recherchen der Zeitung Die Welt fördert die Dachgesellschaft „Religion, Jugend- und Altenhilfe“ sowie das „Halten und Verwalten eigenen Vermögens zur Erzielung von Einnahmen.“ 

Nähe zur islamistischen Muslimbruderschaft 

Weiter hatte die Die Welt erst vor einigen Tagen herausgefunden, dass die Hauptgesellschafterin der EDU-Invest die Deutsche Muslimische Gemeinschaft DMG ist. Dieser Verein steht beim Verfassungsschutz unter Verdacht, die zentrale Organisation der radikalen Muslimbruderschaft zu sein. Die DMG bestreitet diesen Zusammenhang, auch El-Zayat hat sich schon gerichtlich gegen den häufig erhobenen Vorwurf gewehrt, er sei ein Mitglied der Bruderschaft. 

Ibrahim El-Zayat wurde erst vor Tagen von der Zeitung Die Welt als ein „Netzwerker für den deutschen Gottesstaat“ bezeichnet. Für die Wohltätigkeitsorganisation Islamic Relief Worldwide engagiert er sich ebenfalls, das Bild zeigt ihn mit Dr. Nkosazana Dlamini Zuma von der afrikanischen Union bei einem Treffen in Addis Abeba in Äthiopien.

Im Februar 2007 wurde von ARD und Die Welt berichtet, dass der in Kairo wohnhafte damalige oberste Führer der islamistischen Muslimbruderschaft, Mohammed Mahdi Akef, in einem Interview El-Zayat als „Chef der Muslimbrüder in Deutschland“ bezeichnete. Auf der Homepage der Muslimbruderschaft wurde er ebenfalls als Mitglied geführt. El-Zayat ließ beiden Meldungen seine Gegendarstellungen folgen.

Bis 2010 Vorsitzender Islamischen Gemeinschaft Deutschlands

Unbestritten ist allerdings, das El-Zayat von 2002 bis 2010 Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Deutschlands war, die 2018 zum dritten Mal ihren Namen änderte in Deutsche Muslimische Gemeinschaft DMG – die Organisation, die heute wiederum von El-Zayats EDU-Invest unterstützt wird. 

Einem Journalisten des Kölner Stadt-Anzeigers gegenüber sagte El-Zayat 2010 in seinem Büro in Köln: „Meine Geschäftstätigkeit hat rein gar nichts mit einer Parallelgesellschaft zu tun.“ Etwas anders sah das der damalige Präsident des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Hartwig Möller: El-Zayat sitze wie „eine Spinne im Netz“ zahlreicher Organisationen. Für deutsche Sicherheitsbehörden sei das deshalb so brisant, weil in seinem Firmengeflecht „islamistische Bestrebungen mit massiven Wirtschaftstätigkeiten verbunden werden.“ 

Auch Milli Görüs von der Türkei abhängig?

El-Zayat gehörte erst vor wenigen Wochen zu den Gästen einer Ditib-Konferenz europäischer Muslime, die von der Türkei als Gegenentwurf zur deutschen Islamkonferenz installiert wurde. Die Ditib wird über die türkische Religionsbehörde Diyanet gesteuert und untersteht direktem Einfluss von Staatspräsident Erdogan. 

Aber auch der IGMG, zu der der Neuenrader Moscheeverein gehört, wird eine zunehmende Abhängigkeit vom türkischen Staat nachgesagt. Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der jetzt Lehrbeauftragter am „Centrum für Religionswissenschaftliche Studien“ in Bochum ist, spricht ganz aktuell von einer „fortschreitenden nationalistischen Politisierung der türkisch-islamischen Verbände in Deutschland“. Diyanet-Präsident Ali Erbas hatte vor Weihnachten die IGMG-Führung in Köln besucht. Beck sagte dazu: „Die Diyanetisierung von Milli Görüs schreitet voran.“ Bei der geheim gehaltenen Konferenz in Köln waren neben El-Zayat auch andere führende Köpfe eingeladen, die der Bewegung der Muslimbrüder zugerechnet werden. Die Konferenz in der Zentralmoschee in Ehrenfeldrief rief auch eine Reaktion von NRW-Innenminister Reul hervor: „Dass die Ditib sich offensichtlich nicht klar von der islamistischen Muslimbruderschaft abgrenzt, ist mindestens bedenklich.“ 

Reaktion des NRW-Innenministers

Bei der öffentlichen Präsentation der Neubaupläne in Neuenrade sagte El-Zayat auf Nachfrage, dass es bei der Emug keine „extremen Positionen“ gebe. Mit einer genauen Beschreibung der religiösen und politischen Ausrichtung tat sich der redegewandte islamische Netzwerker eher schwer. 

Dem Neuenrader Rat mit Bürgermeister Antonius Wiesemann schienen diese Antworten El-Zayat jedenfalls zu reichen.

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