Hundetrainerin Katrin Gierse-Schnabel darf wieder arbeiten

Viele Hundehalter warten auf Hilfe

Hundetrainerin Katrin Gierse-Schnabel mit ihren eigenen Hunden.
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Hundetrainerin Katrin Gierse-Schnabel mit ihren eigenen Hunden. Ab sofort darf sie Hundehalter und ihre Vierbeiner wieder einzeln betreuen. Durch den Lockdown seien viele Probleme entstanden, sagt die Fachfrau.

„Meine Warteliste ist jetzt gut gefüllt“, sagt Katrin Gierse-Schnabel von Hundetraining Pfote in Hand. Sie kommt aus Neuenrade und darf ihrer Tätigkeit seit kurzer Zeit wieder eingeschränkt nachgehen.

Zuvor war es ihr aus Coronaschutzgründen untersagt. Dass es für Gierse-Schnabel nun viel zu tun gibt, hat natürlich nicht nur eine Ursache. Aber eine sticht besonders hervor. „Die Leute haben momentan mehr Zeit“, berichtet die Hundetrainerin. Arbeit aus dem Homeoffice ist einer der Gründe. „Deshalb haben sich manche völlig unbedacht einen Hund angeschafft. Oft wäre aber eine Beratung vor der Adoption sinnvoll gewesen.“ Fachliche Unterstützung bei der Erziehung konnte sich lange niemand holen, weil die Hundeschulen geschlossen waren. „Viele haben auf fragwürdige Videoanleitungen aus dem Internet zurückgegriffen“, berichtet die Fachfrau aus Neuenrade. Das Ergebnis in einigen Fällen: Verhaltensauffällige Hunde, die jetzt Hilfe brauchen. In anderen Familien wurden die Tiere dagegen verhätschelt „und sind jetzt hyperaktive Hibbelhunde“.

Noch schlimmer: Hundebesitzer, die schlicht überfordert waren. Denn „oft fängt dort Gewalt an, wo Wissen endet“, sagt Gierse-Schnabel. Hunde, die Gewalt erfahren haben, würden häufig auffällig. „Sie sind hochsoziale Lebewesen und tun nichts ohne Grund.“ Die Tiere wollen sich verteidigen.

„Wo Wissen endet, fängt oft Gewalt an“

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass Gierse-Schnabel eine längere Warteliste abzuarbeiten hat. Es gibt zahlreiche Neukunden, die sich der Hundetrainerin demnächst vorstellen werden. Gerade die Anamnese sei zeitaufwendig und dauere bis zu zweieinhalb Stunden. „Im Anschluss arbeite ich Trainingspläne aus, um dem Tier und seinem Halter zu helfen. Für jeden Fall nehme ich mir viel Zeit, denn ich möchte allen gerecht werden. Bei der Hundeerziehung geht es um viel mehr als um Sitz, Platz und Fuß“, sagt die Trainerin, die sich schon lange mit verhaltensauffälligen Hunden und deren Resozialisierung beschäftigt.

Damit die alltäglichen Probleme wie Angst und Aggressionsverhalten bestmöglich erkannt und angegangen werden können, besucht Katrin Gierse-Schnabel ihre Kunden zu Hause. Dort findet auch die erste Beratung statt. Maximal zwei Termine schafft die Fachfrau so pro Tag. Durch die Corona-Schutzverordnung sind nur eins zu eins Betreuungen möglich. Allerdings betont Gierse-Schnabel, dass sie immer so gearbeitet habe, um sich auf jeden Einzelfall voll konzentrieren zu können.

„Die Tiere sind so individuell wir ihre Menschen“

„Bei den Trainingsstunden zu Hause arbeite ich mit gezielten Übungen und Ratschlägen darauf hin, dass sich die Hundehalter im Alltag schnell selbst helfen können“ erklärt die Trainerin. Insofern unterscheide sich ihre Arbeit von der einer klassischen Vereinshundeschule, bei der man sich für einen längeren Zeitraum anmelde „und meist nur am Grundgehorsam arbeitet“. Gierse-Schnabel müsse schauen, welches Training benötigt und wie es gestaltet wird. „Die Besitzer werden zum Beispiel in der Körpersprache und dem Lernverhalten des Hundes geschult, sodass sie ihm erfolgreich Neues beibringen können. Die Tiere sind so individuell wie ihre Menschen, sodass ich schauen muss, was umsetzbar und sinnvoll für beide ist.“

Für ihre Stammkunden war die Hundetrainerin während des Lockdowns auch auf Alternativwegen erreichbar. Unter anderem verschickte sie Aufgaben für Hund und Herrchen per E-Mail. Fachlich basierte Kurzvideos hat die Neuenraderin ebenfalls aufgenommen. Umgekehrt bekam sie aber auch Nachrichten zugeschickt, sodass sie ein Feedback geben konnte.

Vorbeugen war nicht möglich

Trotz des gehaltenen Kontaktes sagt die Hundetrainerin ganz klar: „Wo man vor dem Lockdown bei Stufe zehn aufgehört hat, macht man jetzt bei Stufe fünf weiter.“ Viel Arbeit kommt auf sie zu. „Das wird eine Herausforderung.“ Außerdem ändere sich zum Teil die Herangehensweise. Normalerweise versuche Gierse-Schnabel, schwierigen Situationen wie jetzt vorzubeugen, statt zu heilen, wenn es bereits dazu gekommen ist.

Trotz allem ist Gierse-Schnabel froh, dass sie nun wieder durchstarten kann. „Per Chat zu helfen ist einfach nicht das gleiche. Hunden, die Angst haben oder Haltern, die sich alleingelassen fühlen, kann man auf diesem Weg nicht helfen.“ So nimmt die Neuenraderin gerne kleinere Einschränkungen in Kauf. Zum Beispiel, dass sie keine außerplanmäßigen Gruppenworkshops wie den „Mantrailer“ anbieten darf, der sonst sehr beliebt war. Dabei werden die Hunde trainiert, Menschen anhand ihres Geruches aufzuspüren.

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