Schützenfest: Humane Strafen in der Unterstadt

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Volle Konzentration beim Einparken mit dem Bollerwagen.

Neuenrade - Eins war auch in diesem Schützenfestjahr wieder eine glasklare Angelegenheit: Wer sich daneben benimmt, Befehle ignoriert, durch Dummheiten oder schützenwidriges Verhalten auffällt, muss für dieses Fehlverhalten bestraft und im Idealfall durch angemessene Ahndungen geläutert sowie zur Einsicht gebracht werden.

Das sonntägliche Antreten auf dem Bürgermeister-Schmerbeck-Platz sowie vor dem Philipp-Neri-Haus bietet dazu jeweils den geeigneten Rahmen. Dort mussten sich die Mitglieder der Kompanien Ober- und Unterstadt den von oberster Stelle geforderten Aufgaben stellen. Doch im Vergleich zu vorangegangenen Festjahren fielen die Denkzettel diesmal ziemlich human und weniger peinlich aus.

Bilder vom Schützenfest-Sonntag

Der Schützenfest-Sonntag in Neuenrade

Florian Pollok, den der Spieß der Oberstadt Stefan Janikowski als „hochintelligenten und verantwortungsvollen“ Kameraden beschrieb, genoss beim Kompanieausflug zwar „das vollste Vertrauen“, enttäuschte allerdings auf ganzer Linie. „Seine einzige, ich betone, einzige Aufgabe bestand darin, 70 Dosen Bier und die Verpflegung in einem Bollerwagen zu ziehen“, klärte der Spieß die zahlreichen Zuschauer beim Antreten am Sonntagnachmittag auf. Doch Schütze Pollok scheiterte – wurde von seinem Posten seinerzeit gar abgezogen und bekam die Aufgabe erteilt, in seiner Freizeit Bollerwagenfahren zu üben. Am Sonntag  kontrollierte Janikowski die hinzugewonnenen fahrerischen Künste des Schützen. „Bollerwagen rückwärts einparken“ lautete die Herausforderung, die Pollok jetzt einwandfrei beherrscht, wie er dem Publikum eindrucksvoll bewies.

Bilder vom Schützenfest-Samstag

Der Schützenfest-Samstag in Neuenrade

Negativ zu Ohren gekommen seien ihm aber auch die gesanglichen Leistungen der Kompanie, vor allem die der Jungschützen, teilte Janikowski die nächste Schmach mit. „Früher war alles besser“: Diesen Satz habe man an ihn herangetragen, so bemängelte der Spieß die musikalisch desaströsen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit. „Alle ehemaligen Könige antreten!“, lautete der folgende Befehl und „Griechischer Wein von Udo Jürgens anstimmen!“ Textsicher bewies die alte Garde ihre Stimmgewalt. Doch die Jungschützen konnten dem Generationenwettbewerb standhalten – allerdings mit Textänderungen: „Schenkt Veltins ein. Wir träumen vom Königsein“, schmetterte der Schützennachwuchs aus voller Kehle.

Holger Schlotmann, Spieß der Unterstadt, gab sich überaus großzügig, hielt für die Vergehen meist nur Markierungen parat. So bekam Peter Petzold ein entsprechendes Schild umgehängt, weil er es nicht geschafft hatte, die Hausnummer, die ihm 2013 während des Antretens zur Montage ausgehändigt worden war, anzubringen. Neuer Auftrag: Montage bis zum nächsten Antreten.

Dass Gruppenführer zwar wissen, dass sie eine Gruppe führen, aber nicht welche, war dem Spieß ein Dorn im Auge. Exemplarisch mahnte er Jörg Hengesbach für diesen Fauxpas ab. Im Rahmen des Termins verteilten die Obersten aber auch Lob. Oliver Krönke trägt seit 19 Jahren die Neuenrader Schießscheibe vor dem Zug her, in diesem Jahr aber zum letzten Mal – vielen Dank, sagte ihm die Kompanieführung für diesen Dienst.

Eine Besonderheit in der Unterstadt: Diesmal bekam der Kompaniechef etwas zurück. Udo Brockhagen hatte mal eine Tasche erhalten, weil ihm seine Schachtel Zigaretten zu Boden fiel, die er stets unter seiner Mütze deponierte. Er hat mit dem Rauchen aufgehört und trat das gute Stück an André Jürgens ab. „Bis der nächste seine Kippen im Festzug verliert“, meinte dieser nur und bewahrt die Tasche vorerst auf. - Von Susanne und Markus Jentzsch

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