Hönnetalbahn: Eine Rollkur für die Züge und Schienenersatzverkehr

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Baumaschinen und Container zeugen von der Einrichtung der Baustelle am Neuenrader Kopfbahnhof

Neuenrade - Es läuft irgendwie unrund bei der Bahn: Die neuen Pesa-Link-Züge, unter anderem auf der Strecke der Hönnetalbahn eingesetzt, produzieren offenbar immer noch Ärger.

Insbesondere die Sache mit der elektrischen Kupplung im Zusammenspiel mit der Software nervt. Denn: Wenn die Software nicht funktioniert, kann es passieren, dass die Züge auf freier Strecke stehen bleiben. Von deshalb bereits entnervten Zugführern ist zu hören. 

Aus Meschede wird zudem von einem schrecklichen Heulen beim Bremsen der Züge berichtet. Problematisch sind offenbar auch die lauten Lüftungs- und Klimaanlagen mit langen Nachlaufzeiten. 

Zu laut: Wert von 90 Dezibel wird überschritten

Das Fachmagazin Eurail-Press berichtet und zitiert die DB-Regio, dass inzwischen durchgeführte Messungen einen „Handlungsbedarf bei der Lüfterleistung“ aufgezeigt hätten. Die aufheulenden Dieselaggregate beim Bremsen der Züge sowie die lauten Geräusche der Lüfter hätten einen Wert von 90 Dezibel (dB). Vertraglich vereinbart seien aber nur bis zu 83 dB. Mit den neuen Zügen habe Pesa bislang bei der Deutschen Bahn (DB) keinen großen Erfolg gehabt. Die Auslieferung der bereits 2012 bestellten Züge hatte sich deutlich verzögert und erfolgte erst ab 2018. Zudem seien aus dem Rahmenvertrag über 470 Einheiten bislang nur 73 Züge abgerufen worden. 

Uli Beele, Sprecher bei Nahverkehr-Westfalen-Lippe (NWL), weiß natürlich um den Ärger mit den Pesa-Link-Zügen. Insbesondere sei er irritiert, was die Lärmbeschwerden anbelange, denn die Züge würden „einzeln vom Eisenbahnamt zugelassen“, eben auch in Sachen Immissionen. Demnach müsste sich die Situation der Züge offenbar verschlechtert haben. 

Linie zählt zu den "Musterknaben"

Was mögliche Zugausfälle auf der Hönnetalstrecke anbelangt, so sagte Beele, dass „diese Bahnlinie quasi zu den Musterknaben zähle“, Ausfälle habe es nicht in gravierendem Umfang gegeben. 

Die Pesa-Link-Züge werden einer speziellen Wartung unterzogen.

Die Bahn sieht sich wegen der Probleme mit den Zügen nun aber genötigt zu handeln. Inzwischen wurde sogar von DB Region eine Taskforce eingerichtet, an der der Pesa-Hersteller, die Instandhaltung DB Regio und Zulieferer beteiligt sind. „Alle Pesa-Züge sollen zudem im September eine Rollkur durchlaufen, in der jedes Fahrzeug im Werk von Pesa optimiert, nachgebessert und auf den aktuellen Stand der Technik aufgerüstet wird“, teilt der NWL-Sprecher Beele mit, der natürlich ein gesteigertes Interesse an einem stressfreien Betrieb hat. Dabei weist Beele auch durchaus auf den Verkehrsvertrag hin. 

Ersatzverkehr ab 26. Juli

Unabhängig von nervigen Zugausfällen müssen die Kunden der Hönnetalbahn nun ihre Frustrationstoleranz erweitern. Denn ab Freitag, 26. Juli, bis Montag, 12. August, gibt es Bauarbeiten auf der Strecke. Die ersten Vorboten sind in Neuenrade schon zu sehen. Die bauausführende Firma richtet aktuell die Baustelle ein. So wird unter anderem der Neuenrader Kopfbahnhof auf moderne Maße gebracht. Das heißt: Der Bahnsteig (auch der in Balve) wird um mehr als einen dreiviertel Meter erhöht. Exakt sind es 76 Zentimeter. So können Fahrgäste nach Abschluss der Arbeiten stufenlos von der Straße bis in den Zug gelangen. Die Info-Bereiche erhalten zudem einen Wetterschutz. 

So gibt es in Neuenrade und Balve bald ordentliche Bahnsteige. Im Rahmen der Bauarbeiten wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Eingesetzt wird großes Gerät, die Bahn warnt jetzt schon vor dem Baulärm.

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