Ein Labyrinth unter der Erde

Höhle bei Bauarbeiten in Altenaffeln entdeckt

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Die in rot gekleideten Höhlenforscher Carsten Ebenau und Stefan Voigt (untere Reihe von links) und Detlef Wegener, Axel Klute, Sarah Günther, und Uli Brämer (zweite Reihe von links) haben mehr als hundert Meter der Höhlen-Gänge erforscht.

Altenaffeln - Eigentlich wollten sie nur einen Weg zu ihrer Firma bauen. Doch dann machten Stefan und Tanja Ernst während der Bauarbeiten eine interessante Entdeckung unter der Erde. 

Im August  begannen die Bauarbeiten für den Weg um die Halle. Er sollte für Lastkraftwagen befahrbar sein, damit diese unmittelbar an das Gebäude  gelangen können. Ein Bagger begann also damit Erde, Schutt und Stein abzutragen und blieb plötzlich mit der Meißelspitze im Gestein stecken. Dann stieß die die Spitze immer wieder ins Leere. Die Verwunderung bei den Anwesenden war groß. Schnell wurde deutlich, dass sich im Untergrund etwas verbarg. 

Recherchen zur Entdeckung

Also recherchierten die Verantwortlichen und fanden heraus, dass es vor vielen Jahren ein hohes Kalkvorkommen in der Gegend gegeben habe. So habe in unmittelbarer Nähe zum Gelände beispielsweise auch ein Kalkofen gestanden. Aufgrund dieser Erkenntnisse lag die Vermutung nahe, dass die Löcher in der Erde in Verbindung zum Kalkabbau in der Gegend ständen. 

Durch einen Spalt in der Erde gelangten die Forscher in die Höhle.

Familie Ernst informierte daraufhin das zuständige Bergbauamt. Die beiden Mitarbeiter des Amtes kamen kurze Zeit später, um sich die Höhle anzuschauen. Schnell stellten sie fest, dass es eine geonome Höhle ist. Das bedeute, dass es sich um eine natürliche Auswaschung handele, die vom Grundwasser herführe. Die Zuständigkeit lag damit allerdings nicht mehr beim Bergbauamt. 

Das Ehepaar Ernst kontaktierte deswegen den Hobbygeologen Stefan Voigt. Nachdem dieser am Anfang die Höhle alleine inspiziert hatte, brachte er bei weiteren Erkundungsgängen auch einige Kollegen mit.

Sehr schnell fand die Höhle im Darloh großen Anklang. Immer weiter konnten die Hobbygeologen vordringen und neue Gänge entdecken. „In den von Grauwacke und Tonschiefer beherrschten Honsel-Schichten ist verkarstungsfähiger Kalkstein nur in geringer Ausdehnung zu finden. Doch gerade in diesen Kalklinsen hat die Natur oft zahlreiche Höhlengänge geformt, die in Summe oft mehrere Kilometer lang sind“, erklärte der Hobbygeologe. 

Immer wieder kam die Gruppe des Arbeitskreises Kluterthöhle nach Altenaffeln, um die Gänge und auch ihre tierischen Bewohner genauer zu erforschen. Seit August konnten so mehr als 150 Meter der Höhle freigelegt und gesichert werden. 

Artenvielfalt unter der Erde

Spinnen und Schnecken leben dort – doch die typische Höhlenspinne, die normalerweise am Höhleneingang ihren Kokon spinnt, fehlt. Entweder sei noch ein weiterer Eingang zur Höhle vorhanden, oder es gebe einen anderen Grund, warum die Spinne den Kokon nicht dort abgelegt habe, vermuten die Forscher. 

Die Höhle sei ein Labyrinth mit mehreren Höhlenräumen, die durch enge Wege, auf denen sich die Forscher teils kniend und robbend vorwärts bewegen müssen, verbunden werden. Die Räume weisen teilweise eine Deckenhöhe von bis zu 120 Zentimetern auf. Durch das Abtragen der Erdoberschicht befindet sich der ganze Höhlen-Komplex allerdings nur noch 60 Zentimeter unterhalb der Erde. 

Um nach Belieben Forschen zu können, hat der Verein einen Nutzungsvertrag mit Stefan und Tanja Ernst gemacht. So können die Forscher zu jeder Zeit in die Höhle kommen, die von den Besitzern auch mittlerweile einen Namen bekommen hat. „Höhle im Darläu“ heißt sie, da auf alten Plänen sichtbar ist, dass die Gegend früher so betitelt wurde. Um die Sicherheit auf dem Grundstück zu gewährleisten wurde die Höhle verschlossen. Auch eine Betonplatte soll zeitnah obendrauf gegossen werden. So kann die Höhle zur Freude der Hobbygeologen erhalten bleiben.

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