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„Historische Bausubstanz“: Archäologen werden mitten in Neuenrader Altstadt fündig

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Von: Peter von der Beck

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Die Reste eines alten Bruchsteinfundamentes legten die Bauarbeiter und die Archäologen in der Altstadt frei. Sie untersuchten den Fund und dokumentierten alles. Jetzt kann weiter gebaut werden.
Die Reste eines alten Bruchsteinfundamentes legten die Bauarbeiter und die Archäologen in der Altstadt frei. Sie untersuchten den Fund und dokumentierten alles. Jetzt kann weiter gebaut werden. © von der Beck, Peter

In der nordöstlichen Ecke des Bürgermeister-Schmerbeck-Platzes ist das tiefe Loch weiterhin unübersehbar. In knapp 2,50 Metern Tiefe hatten hier die Archäologen aus Olpe tatsächlich Grundmauern eines alten Gebäudekomplexes freigelegt: „Historische Bausubstanz.“

Neuenrade – Die Archäologen des LWL hatten schon mit einem Fund gerechnet und waren daher flott vor Ort. Man erhoffte sich, etwas aus der Gründungszeit des Ortes (Stadtrechte 1355) vorzufinden. Doch schnell erkannten die Wissenschaftler des Mittelalterreferates, dass hier nichts Mittelalterliches vorlag. Die Funde hätten dafür aus der Zeit zwischen 6. Jahrhundert und 15. Jahrhundert stammen müssen. Der LWL-Archäologe Dr. Manuel Zeiler sagte: „Wir haben hier eine Trockensteinmauer vorgefunden, die im oberen Bereich gezogenen Nägel aufwies.“ Gezogene Nägel bedeutet, dass es sich um Drahtstifte handelte und nicht um geschmiedete Nägel. „Vermutlich handelt es sich um Reste eines Kellerfundamentes, das aus dem 19. oder 18. Jahrhundert stammt.“ So habe man alles fein säuberlich dokumentiert. Damit sei „die Maßnahme abgeschlossen“. Wie der Archäologe weiter erläuterte, stoße man bei Bauarbeiten „sehr häufig auf unser kulturelles Erbe“. Zeiler verwies unter anderem auf umfangreiche Grabungen in Attendorn.

Ziemlich tief liegt die Fundstelle, die inzwischen weggebaggert ist.
Ziemlich tief liegt die Fundstelle, die inzwischen weggebaggert ist. © von der Beck, Peter

Zeiler arbeitet bei der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. Dort ist man für die archäologischen und paläontologischen Belange der Denkmalpflege im Regierungsbezirk Arnsberg zuständig. Und die Neuenrader Altstadt ist quasi ein Bodendenkmal. Daher sind die Hüter der Vergangenheit auch zu informieren.

Die Bauarbeiter der Firma Ossenberg jedenfalls berichteten von der professionellen Arbeit der Archäologen, die auch mit Metallsonden die Umgebung der Fundstelle abgesucht hatten, aber wohl außer besagten Nägeln nichts anderes finden konnten. Auch auf Aschenreste verwies einer der Bauarbeiter. Dabei habe es sich aber wohl um Reste von Eierkohle gehandelt. Bei einem gemauerten Schacht im Süden des Schmerbeckplatzes hätten die Archäologen gleich abgewunken und den Abriss genehmigt.

Schon einen Tag später war von Mauerresten und Schacht nichts mehr zu sehen, die Bauarbeiter hatten am Freitag schon alles ‘weggebaggert. Und es geht weiter mit der Sanierung des Schmerbeckplatzes.

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