Hinter den Kulissen des Kulturbetriebes

Monika Arens

NEUENRADE ▪ Katastrophen, die hat es nur beinahe gegeben. Das Glück ist eben mit den Tüchtigen. Zudem hat sich Monika Arens starke Nerven zugelegt. Sicher, das eine oder andere Fettnäpfchen hat sie in der Anfangszeit nicht ausgelassen.

Doch jetzt, nach gut 30 Jahren im Kulturbeauftragtenbusiness können Promis noch so zickig sein, Künstler noch so weltfremd, die Umstände noch so widrig – Monika Arens wird das bewältigen. „Irgendwie lässt sich alles organisieren, sagt sie. Doch manchmal muss sie auch „Nerven lassen“. Und es gibt durchaus eine interne Ranking-Liste mit den ganz nervigen Künstlern. Wer dort nun ganz oben steht – das bleibt offiziell natürlich ein Geheimnis.

Wenn eine Kulturveranstaltung ansteht, dann gilt es einen 23 Punkte umfassenden Ablaufplan abzuarbeiten. Da geht es um Gema und Eintrittskarten, um Plakate, Blumensträuße, die Verpflichtung von Platzanweisern, ums Putzen, die Bezahlung der Künstler, um Klavierstimmer und noch mehr... . Nichts darf vergessen werden, nichts darf schief gehen. Die Katastrophe ist immer nah. Und manchmal wacht Monika Arens nachts auf, und fragt sich, ob sie denn nicht doch etwas vergessen hat. Die Kulturbeauftragte der Stadt muss Managerin, Sachbearbeiterin oder Pressesprecherin sein. – Ein umfassender Job. So wird für eine Kulturveranstaltung im Kaisergarten eine gehörige Maschinerie in Gang gesetzt: Wichtige Bauteile sind hier der Baubetriebshof für das Bühnenbild, die Hausmeister Dirk Kossen und Dirk Ahrens, auch der IT-Techniker der Verwaltung, Sebastian Schneider, wird eingesetzt und zum ehrenamtlichen Bühnentechniker umfunktioniert. Ist alles besorgt, geregelt, organisiert, dann geht alles seinen Lauf und die Künstler sind am Zug. Doch sind es gerade jene, welche die großen Unbekannten in der Gleichung sind. Zum Beispiel musste Monika Arens auch schon mal einen Top-Pianisten kurz vorm Auftritt noch besorgen, weil der eingeplante Begleitpianist wegen eines Unwetters nicht rechtzeitig zur Aufführung kommen konnte. Einmal platzte am Tourbus der Reifen, die Künstler kamen sehr zu spät.

Trickreich ist im übrigens auch die Vertragsgestaltung: Ein spezieller Künstler präsentierte ein elfseitiges Vertragswerk das detailliert den Auftritt und vor allen Dingen das Drumherum regelt. Jener benötigte wasserdichte Mülleimer und acht einfarbige vorgewaschen Handtücher mit Mindestgröße, einheitliche Anzüge der Platzanweiser, Liste mit Pressefotografen und natürlich muss spätesten eine Stunde vor Showbeginn eine langstielige rote Rose hinter der Bühne sein. Und was das Catering anbelangt, da war bei diesem Künstler Fastfood tabu, dafür eine Kiste Bier („gerne ein regionales“) gefordert und für die sechsköpfige Crew zehn halbe belegte Brötchen nach dem Auftritt. Da bleiben keine Fragen offen.

Und es gibt durchaus auch die juristischen, die wirtschaftlichen Fallstricke. Auch hier ist Monika Arens durch ihre Erfahrung gewappnet. Das ist wichtig - denn Fehler können das 63000-Euro-Jahresbudget sprengen. Finanzamt, Künstlersozialkasse, Gema und alle möglichen Paragraphen lassen grüßen.Doch die Kulturbeauftragte ficht das nicht an: Trotz des anstrengenden, fordernden Jobs sagt sich Monika Arens nicht nur manchmal: „Was ist das für eine wunderschöne Arbeit“. ▪ Peter von der Beck

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