Ermittlungen laufen 

An Hönnequell-Schüler verschickt: Hinrichtungsvideo liegt beim BKA 

+
Per Smartphone bekamen die Schüler das Video geschickt.

Neuenrade -Das Hinrichtungsvideo, das in einer Whatsapp-Gruppe von Hönnequell-Schülern aufgetaucht war, liegt mittlerweile beim BKA und bei der Staatsanwaltschaft. Zudem wird vor psychischen Folgen für die Kinder gewarnt.

Es ist ein übles Video, das vor einiger Zeit an der Hönnequell-Schule in der Whatsapp-Gruppe einer Klasse aufgetaucht ist. „Das ist echt brutal“, sagt Polizeisprecher Christof Hüls. Es zeigt, wie eine Frau irgendwo in Mexiko geköpft wird. Die Szene ist echt. Fast eine Minute dauert der Film. Diese Szenen schauten sich Elf- und Zwölfjährigen Schüler in Neuenrade an. 

Verschickt wurde es per WhatsApp und in der Klassengruppe verbreitet. Whatsapp-Gruppen sind an Schulen gang und gäbe als inoffizielle Informationskanäle. Als eine Mutter von dem Gewaltvideo erfuhr, informierte sie die Schule. Sowohl die Mutter als auch die Schulleitung erstatteten Anzeige. 

Die Polizei ermittelte, auch mit Spezialisten. Zeugen und Betroffene wurden vernommen. Die Ermittlungen begannen bei der letzten Empfangsstelle, um zu ergründen, wer das Video wann und wie verschickt hat. 

Akte geht ans Jugendamt

Inzwischen hat die Polizei den Fall der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hagen, Dr. Gerhard Pauli, sagt, dass die zuständige Staatsanwältin noch keine Entscheidung gefällt habe. Aber: „Wenn die Beteiligten allesamt Kinder sind, wird die Staatsanwaltschaft das Verfahren sicher einstellen müssen“, sagt Pauli. Allerdings gehe die Akte ans Jugendamt, das gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreift. 

Die juristische Seite der Gewaltvideos: Die zu verbreiten, ist laut Strafgesetzbuch verboten. Wer sie unter 18-Jährigen zur Verfügung stellt, wird strafrechtlich belangt. Die Freiheitsstrafe kann bis zu einem Jahr betragen, auch eine Geldstrafe ist möglich. Sogar Eltern können unter gewissen Umständen belangt werden, wenn der Sorgeberechtigte durch das Anbieten, Überlassen oder Zugänglichmachen seine Erziehungspflichten grob verletzt. 

BKA sammelt Videos

Handys, mit denen die Gewaltszenen verbreitet werden, können zur Beweissicherung eingezogen werden. Was den Inhalt des Gewaltvideos und den darin dargestellten Mord angeht, der in Neuenrade verbreitet wurde, sagt Pauli: „Man übersieht es nicht. Das wird ans BKA gemeldet, die Mitarbeiter sammeln das, die entsprechenden Maßnahmen werden ergriffen.“

Auf Nachfrage erläutert Britta Schmitz vom BKA dazu, dass die Behörde jedoch „keine Datenbank hinsichtlich in Deutschland festgestellter gewaltverherrlichender Medien betreibt“. Entsprechende Videos würden immer wieder festgestellt, zum Teil handele es sich augenscheinlich um gestellte Szenen, zum Teil aber auch um tatsächliche Handlungen. Wenn von einer echten Tat auszugehen und erkennbar sei, in welchem Land sie begangen wurde, „können die zuständigen deutschen Polizeidienststellen und Staatsanwaltschaften die ausländischen Strafverfolgungsbehörden informieren“. Zum Beispiel über Interpol. 

Was in dem konkreten Fall nun weiter geschehen ist oder noch geschieht, konnte das BKA nicht sagen. 

Videos können Kinder traumatisieren

Unabhängig von juristischen Konsequenzen des Vorfalls gibt es aber psychische Folgen. Hinrichtungsvideos und weitere Gewaltdarstellung dieser Dimension können Kinder traumatisieren. Darauf weisen Psychologen immer wieder hin. Nicht jedes Kind kann solche Bilder verarbeiten. Die Konsequenzen für die Schüler, die sich dieses Video ansahen, können schlimm sein. 

Die Hönnequell-Schule steuert mit Pädagogik gegen. Der Umgang mit Medien in all seinen Facetten ist ein Thema, für das auch Eltern sensibilisiert werden müssen. Schon lange vor dem Auftauchen des Videos gab es an der Schule das Angebot für Eltern, sich mit der Nutzung der Medien durch ihre Kinder bei Veranstaltungen auseinanderzusetzen. Sozialarbeiter Thorben Schürmann kümmert sich darum. Eine weitere Veranstaltung zur Mediennutzung ist derzeit in Planung. 

Das können Eltern tun

Auch seitens der Polizei gibt es Hilfsangebote. Laura Doßmann vom Bundeskriminalamt (BKA) teilte auf Nachfrage mit, dass sich seit 2006 die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK), die Telekom und die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) gemeinsam für die Förderung der Internetkompetenz von Eltern einsetzen. 

Unter anderem gibt es ein Info-Blatt. Erklärt werden darauf Begriffe wie Snuff-Videos ( to snuff sb out = jmd töten) oder Happy Slapping (deutsch: fröhliches Draufhauen). Auch technische Möglichkeiten der Smartphones werden erläutert sowie Motive von Tätern, die beispielsweise solche Hinrichtungsvideos ins Netz stellen und via Smartphone verbreiten. Es gibt konkrete Empfehlung, wie Eltern mit ihren Kindern beim Thema neue Medien allgemein und in einer solchen Situation, wie sie an der Hönnequell-Schule in Neuenrade passiert ist, umgehen können:

- Gezielt die Kinder fragen, ob sie derartige Videos gesehen haben und was siedabei empfunden haben; auch mit Eltern der Freunde und Lehrern darüber sprechen 

- sich mit den Funktionen des Handys vertraut machen 

- Klare Abmachungen mit dem Kind über erlaubte und nicht erlaubte Funktionen des Handys sprechen. Ein Beispiel: Bluetooth sollte nur bei Bedarf aktiviert sein 

- Mögliche Gefahren thematisieren. Das Kind aufklären, dass die Weitergabe von Gewaltdarstellungen gegebenenfalls strafrechtliche Folgen haben kann und Ermittlungen der Polizei nach sieht zieht. Auch eine Beschlagnahmung des Handys ist möglich.

Das BKA schreibt weiter, dass es für die Prävention jedoch kein Patentrezept gebe. Sprecherin Doßmann betont aber ausdrücklich: „Eine intensive Aufklärung von Eltern und Erziehungsberechtigten, Lehrern und auch Kindern in Bezug auf den verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones, dem Internet, sozialen und weiteren Medien ist in der heutigen Welt unerlässlich.“ 

Eine zielgerichtete Kommunikation mit Bezug auf das Thema Gewaltvideos zwischen Eltern oder Lehrern und Kindern könne helfen, die Empfänger solcher Videos dafür zu sensibilisieren, Gewaltvideos eben nicht weiterzuleiten und sich vertrauenssuchend an ihre Eltern oder Lehrer zu wenden. So könnte die Verbreitung eingedämmt werden.

Anzeige erstatten

Auch sollten Empfänger schlimmer Videos Anzeige erstatten. Die Neuenrader Mutter hat also alles richtig gemacht. Auch bei der Polizeibehörde des Märkischen Kreises gibt es Hilfe – beim. Kriminalkommissariat Kriminalprävention mit Sitz in Hemer. Die Experten informieren in Rahmen von Vorträgen zum Beispiel in Schulen und Vereinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare