Ministerium soll Fördergelder bereitstellen

Hilferuf der Waldbesitzer: Wege nur noch schlammige Kraterlandschaften

Völlig zerstört und kaum noch passierbar: Manche Wegpassagen im Wald – hier ein Abschnitt zwischen Affeln und Plettenberg – haben ihren Namen nicht mehr verdient. Die Instandsetzung ist dringend erforderlich – aber teuer.
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Völlig zerstört und kaum noch passierbar: Manche Wegpassagen im Wald – hier ein Abschnitt zwischen Affeln und Plettenberg – haben ihren Namen nicht mehr verdient. Die Instandsetzung ist dringend erforderlich – aber teuer.

Tanja Ernst, Eckhard Roß und Gerhard Schumacher stapfen durch den Schlamm, um sich in den tiefen Fahrspuren auf dem einst gepflegten Waldweg für ein Foto zu positionieren.

Die Geschäftsführerin der Forstbetriebsgemeinschaft Affeln, der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Altena-Neuenrade und Neuenrades Kämmerer, der auch für Forstangelegenheiten zuständig ist, wollen deutlich machen: Der Borkenkäfer hat nicht nur die Fichtenbestände zerstört, durch die notwendige Abholzung mit schweren Harvestern und vor allem den Abtransport der Bäume mit Schwertransportern sind auch viele Waldwege in einem katastrophalen Zustand.

Gemeinsam haben sich die Verantwortlichen der Forstbetriebsgemeinschaften und die Stadt Neuenrade in einem offenen Brief an Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in NRW, gewandt. „Dieses Schreiben ist ein Hilferuf. Wir sehen uns nicht in der Lage, die Instandsetzung der Wege alleine zu bewältigen.“

Teils knöchelhoher Schlamm

Dabei sind die Fahrrinnen und der teils knöchelhohe Schlamm – einige Wege sind nicht mehr als solche erkennbar – nicht das einzige Problem. An asphaltierten Wirtschaftswegen sind ebenfalls deutliche Schäden erkennbar: An vielen Stellen sind Risse entstanden, die Deckschicht ist teilweise gebrochen, an den Seiten sackt der Asphalt ab und bröckelt weg. „Ähnlich wie nach dem Sturmschadenereignis Kyrill ist die Reparatur eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten“, heißt es in dem offenen Brief. Waldbesitzer, Kommunen und Forstbetriebsgemeinschaften seien dringend auf unbürokratische und schnelle finanzielle Hilfe angewiesen. Allerdings sei die Förderrichtlinie für den Wegebau zum Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen, eine neue Richtlinie ist nicht in Sicht. Förderanträge können nicht gestellt werden.

Gerhard Schumacher, Eckhard Roß und Tanja Ernst hoffen, dass Fördermittel bereitgestellt werden.

„Nach Kyrill hat es ein Wege-Instandsetzungs-Programm gegeben“, erklärt Schumacher. Mehr als eine Million Euro aus EU-Mitteln seien damals bei den beiden Forstbetriebsgemeinschaften angekommen, berichten Ernst und Roß; sie stellen fest: „Etwas ähnliches brauchen wir jetzt auch.“ Aus welchem Fördertopf das Geld zur Verfügung gestellt werde, spiele keine Rolle. „Hauptsache die Mittel fließen schnell“, unterstreicht Gerhard Schumacher. Denn: Der Sommer ist der ideale Zeitpunkt für solche Vorhaben. „Im Winter sind solche Arbeiten kaum machbar.“

Auch die Wiederaufforstung der Käferflächen kostet viel Geld

Wie viel Geld investiert werden muss, um alle Wege instand zu setzen, könne noch niemand abschätzen, sagt Schumacher. Dass die ohnehin gebeutelten Waldbesitzer diese Summen aber nicht aufbringen können – zumal sie ihr Käferholz teilweise kaum noch kostendeckend verkaufen können – leuchtet ein. „Es gibt zwar einen Topf in den alle einzahlen. Aber der reicht aus, um ein paar Schlaglöcher zu beseitigen. Nicht aber, um viele Wege komplett neu aufzubauen“, erklärt Eckhardt Roß. Hinzu komme, dass die Waldbesitzer in den kommenden Jahren viel Geld für die Wiederaufforstung der Käferflächen in die Hand nehmen müssten.

Die Wiederherstellung der Waldwege sei zudem nicht nur für Waldbesitzer – egal ob Privatpersonen oder Kommunen – wichtig. Auch Spaziergänger, Jogger und Mountainbiker kämpfen mit Wegpassagen, die ihren Namen teilweise nicht mehr verdienen. „Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen können die Wege kaum noch benutzen“, beschreiben die Akteure die Situation in dem offenen Brief an die Ministerin. Und das, so stellt Gerhard Schumacher fest, sei gerade in Pandemie-Zeiten äußerst kontraproduktiv: „Die Bewegungsfreiheit der Menschen ist eingeschränkt. Sie sollen möglichst an ihrem Wohnort bleiben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie in den Wald gehen können, um dort ihre Freizeit zu verbringen.“

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