Hilfe von den Philippinen für Patienten in Neuenrade

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Kerstin Liebeskind wirbt Fachkräfte aus der Republik der Philippinen an.

Neuenrade - Der Pflegedienst Liebeskind macht Nägel mit Köpfen. Um dem Fachkräftemangel und dem damit einhergehenden Pflegenotstand etwas entgegenzusetzen, nutzt Inhaberin Kerstin Liebeskind ihre Kontakte und bietet zunächst vier Pflegekräften von den Philippinen Stellen in ihrem Unternehmen an.

Vermutlich im Frühjahr werden die Frauen und Männer kommen und zunächst in Werdohl eingearbeitet. Derzeit lernen sie in ihrem Heimatland Deutsch, einige haben auch schon das Zertifikat B2 absolviert. Kerstin Liebeskind ist überzeugt: „Ohne Hilfe aus dem Ausland kann es nicht funktionieren“. In der Branche seien alle bis zum Anschlag belastet. 

Warum es in Deutschland an Fachkräften mangelt, dafür macht sie einen ganzen Ursachenkomplex aus: Das fängt bei der demografischen Entwicklung an und hört damit auf, dass viele junge Menschen heutzutage lieber studieren, als eine Ausbildung in einem Pflegeberuf zu machen. Inzwischen komme man nicht umhin, Fachkräfte aus dem europäischen Ausland anzuwerben. 

Doch auch da gelte es genau hinzuschauen. Sie habe gehört, dass es zum Beispiel mit der Anwerbung von Kräften aus Spanien und Portugal nicht so recht funktioniere, weil dort das Pflegekonzept hinsichtlich der Ausbildung anders sei. Dort sei Pflege ein Studiengang. Mitarbeiterinnen aus Polen zu engagieren sei kein Problem, russische Fachkräfte hingegen müssten wiederum ihre Qualifikationen nachweisen. Doch Liebeskind sagte auch: Es könne keine Lösung sein, das Fachpersonal aus Osteuropa abzuziehen. 

Pflegedienst hat 90 Mitarbeiter 

Der Pflegedienst Liebeskind mit Hauptsitz in Plettenberg ist ein mittelständisches Unternehmen, das 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (darunter sieben Auszubildende und knapp 50 Vollzeitkräfte), beschäftigt und rund 350 Patienten betreut. Seit Oktober 2006 ist Kerstin Liebeskind, die in Altenaffeln aufgewachsen ist, mit ihrem Unternehmen auf dem Pflegemarkt. Sie hat es kontinuierlich weiter entwickelt, hat ein Netzwerk aufgebaut und gehört zu den großen privaten ambulanten Pflegediensten in der Region. 

Ein wichtiges Projekt des Liebeskindschen Pflegedienstes ist die Kooperation mit der Wohnungsgesellschaft in Werdohl. Ein Stichwort ist hier betreutes Wohnen. Auch in Neuenrade ist sie nun an Bord, sie hat die Geschäfte des Pflegedienstes Schmitt übernommen und wird in Neuenrade ein Büro eröffnen. Derzeit sucht sie Räume. Und laufend sucht sie Fachkräfte. Nun erhofft sich Liebeskind Hilfe von den Philippinen. 

Das scheint zu funktionieren, erfordert allerdings umfangreiche Logistik und Vorarbeiten. Einiges an Zeit hat sie schon investiert: Sie habe gegenüber den philippinschen Behörden nachweisen müssen, dass sie ein ordentliches Unternehmen führt, musste unter anderem Musterarbeitsverträge präsentieren. 

Viele Philippiner arbeiten im Ausland

 Die Bewohner dieses Landes im Westpazifik würden zudem gerne im sozialen Bereich arbeiten. Der Bedarf an Arbeit sei sehr groß. Auch vor dem Hintergrund, dass sich die Bevölkerung dort seit Mitte der 80er-Jahre nahezu verdoppelt habe. Viele würden schon im Ausland arbeiten. 

In Deutschland würden Landesbehörden die Unterlagen und Bescheinigungen von Arbeitsmigranten von den Philippinen prüfen. Das dauere ein gutes halbes Jahr. In Hessen würden es die Behörden in zwei Monaten schaffen. Die künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Asien würden gut vorbereitet: Ein Kooperationspartner vor Ort soll erläutern, wie das Arbeitsleben in Deutschland funktioniert. Die Frauen und Männer würden auch nicht auf einmal kommen, sondern nacheinander, um im Sauerland mit der neuen Situation besser umgehen zu können, auch aus Patientensicht. „Die Mitarbeiter im Haus sehen die Maßnahme mit gemischten Gefühlen, finden es aber sehr spannend und interessant“, sagt Liebeskind. 

Ein Bewerber mache auf den Philippinen häufig drei Jobs, um zu überleben. „Die Person freut sich deshalb schon, dass sie in Deutschland eine einzige Anstellung bekommt, von der sie leben kann“, erklärt Liebeskind. Zudem gebe es hierzulande bessere Bedingungen. „Auf den Philippinen müssen einige Arbeitskräfte offenbar mit nur fünf Tagen Urlaub im Jahr auskommen“, weiß Liebeskind zu berichten. 

Sind Patienten unterversorgt? 

Die Situation in Neuenrade: Liebeskind weiß von Ambulante Dienste MDA, dass es jede Menge Anfragen gebe, die man nicht habe erfüllen können. Etliche Neuenrader Hilfe- und Pflegebedürftige würden auch bei den Diensten in Plettenberg anfragen. Wie viele Patienten in der Hönnestadt unversorgt bleiben würden, konnte sie nicht sagen. Sie verwies darauf, dass pflegebedürftig nicht unbedingt bettlägerig bedeute. Vielmehr gehe es auch um Hilfe im Alltag, um die Lebensqualität zu erhalten. 

Der Pflegedienst Liebeskind ist vernetzt. Er ist Mitglied im Pflege- und Gesundheitsnetzwerk Plettenberg-Herscheid, daraus habe sich eine Zusammenarbeit der privaten Pflegedienste und jener der freien Wohlfahrtspflege entwickelt, erläuterte Liebeskind. 

Kooperationen mit Vereinen 

Weitere Synergieeffekte würden sich ergeben. Liebeskind verweist auf Kooperationen mit Vereinen, die sich ergeben, weil sie inzwischen so breit aufgestellt sei. Das Gesundheitsnetzwerk Plettenberg-Herscheid lobt sie jedenfalls als „sehr gute Sache.“ –„So etwas wäre auch zwischen Neuenrade und Werdohl wünschenswert“, sagt Kerstin Liebeskind.

Von Peter von der Beck

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