Jugendarbeit

Potenziale der Jugendlichen fördern

+
Daniel Schwebe leistet mobile aufsuchende Jugendsozialarbeit, er wurde von Hauptamtsleiter Dierk Rademacher (rechts) und Juristin Ira Valsamidou im Jugendzentrum vorgestellt.

Neuenrade – Seine Arbeitszeiten gehören nicht zum Standard. Daniel Schwebe hat auch keinen nine-to-five-Job, denn er sitzt eher selten im Büro und kümmert sich zu einem guten Teil um junge Menschen:

 Der 43-Jährige arbeitet seit dem 1. Juli im Bereich „mobile aufsuchende Jugendarbeit“ bei der Stadt Neuenrade. Den Begriff Streetworker mag er nicht, der sei zu negativ besetzt. Wie auch immer: Nun hat die Stadt diesen lange vakanten Job besetzt. Schwebe hat zuletzt in der Großstadt Hagen gearbeitet, war dort unter anderem für ein Jugendzentrum zuständig: Ein durchweg anderes Kaliber als die Kleinstadt Neuenrade. „In Hagen wird gerne mal mit der Schreckschuss-Pistole aus dem fahrenden Auto heraus geballert,“ erzählt Schwebe. Da seien Beschwerden über Klingelmännchen hier sicher eine andere Kategorie. Konflikte will er dabei keineswegs verharmlosen.

Kein Pardon bei Sachbeschädigung

 Kein Pardon gibt es daher von ihm bei Straftaten wie Sachbeschädigung. Da gehe er mit harter Hand vor, da gelte es, so etwas konsequent zu ahnden. Generell hat er mit den Jugendlichen hier bislang positive Erfahrung gemacht. Er dreht seine Runde, kennt die Treffpunkte und findet die Jugendlichen hier in der Regel total „kommunikativ und zugänglich“. Er merke schon, ob sie mit ihm reden wollten oder nicht, Fehlverhalten sei sicher die Ausnahme. Es geht dem Erziehungswissenschaftler vor allem darum, Präsenz zu zeigen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und deren Potenzial zu fördern. Ansonsten zeige er eine klare Line, eine klare Kante. Die Neuenrader Jugendszene scheint relativ überschaubar. Es gibt welche, die das Jugendzentrum besuchen, welche, die nur draußen anzutreffen sind und welche, die sich sowohl im Juz und auch außerhalb aufhalten. Es gibt wechselnde Treffpunkte. Der Stadtpark werde gut angenommen, da gebe es bei gutem Wetter „richtig viel Leben“, sagt Schwebe.

Jugend ist politisch interessiert 

Doch auch das Jugendzentrum ist in der Regel gut besucht – freitags zum Beispiel. Schwebe spricht von 30 Personen. Das Publikum ist dabei im Alter von zehn bis 23 Jahren. Auch diverse Angebote würden gut angenommen. Das Adventsplätzchenbacken sei bestens besucht gewesen. Die Jugendlichen würden sich zuweilen zu Wort melden und Kritik üben. Die sei aber diffus und eher den kleinstädtischen Strukturen geschuldet. „Es ist nichts los, es geht nichts ab“, zitiert Schwebe die Beschwerden. Der Pädagogen hört den jungen Leuten zu und demnach kreisen die Themen vor allem um ihr Lebensumfeld, dazu gehörten „Schule, Familie, Ausbildung“. Hinzu kämen aktuelle Themen wie Musik und Sport. Politisch interessiert seien die Jugendlichen auch – das spiele sich alles innerhalb des demokratischen Spektrums ab. Schwebe habe durchaus auch schon bei einer Veranstaltung in Neuenrade Linksextremisten beobachten können, die zum Teil aber nicht aus Neuenrade stammen würden. Rechtsextreme Jugendliche habe er bislang nicht wahrgenommen. Die Schmierereien, die jüngst im Stadtpark vorgekommen seien, würde er nicht dem rechten Spektrum zuordnen. „Das war nicht politisch motiviert“. Auch Islamisten konnte er nicht beobachten, höchstens würden Jugendliche mal islamisch-türkisch-nationalistische Seiten über den Internetzugang im Juz besuchen. „Da muss man halt mal ein Auge drauf haben“.

Neuenrader Pokémon-Szene

Eine große Gruppe hat Daniel Schwebe in Neuenrade doch ausgemacht: „Es gibt eine große Pokémon-Szene“. Da seien allerdings auch Erwachsene bei. Daniel Schwebe ist inzwischen gut vernetzt – mit den Schulen, mit Agnes Tramberend vom Jugendnetzwerk – sie residiert ohnehin im Juz – und mit der Bücherei. Und die Zusammenarbeit mit den beiden Kolleginnen Sinja Gräf und Mandy David funktioniere sehr gut. Auch der jüngst ausgeschiedene Hauptamtsleiter Dierk Rademacher und die Juristin Ira Valsamidou (in deren Verantwortungsbereich künftig Schule, Kultur, Jugend und Soziales fällt) sind zufrieden. Rademacher: „Das Warten hat sich gelohnt.“ Schwebes vorheriger Arbeitgeber habe eben die lange Kündigungsfrist voll ausgenutzt. Schwebe gefällt es in Neuenrade ebenfalls gut: „Ich habe es bisher in keiner Weise bereut, hierhin gekommen zu sein.“ Die nächsten Projekte hat er im Visier. Er möchte sich auch peu à peu um die Dörfer kümmern. Küntrop sei hier an der Reihe. Da sei man auf einem guten Wege, viele zögen an einem Strang, wollten etwas bewegen, sagte Schwebe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare