Herr über 70000 Weihnachtsbäume

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Die Familie Müller.

ALTENAFFELN ▪ Der schneebedeckte Tannenbaum, der mitten im Wald steht und von der gut gelaunten Familie an einem der Adventswochenenden gesichtet und geschlagen wird, ist wunderbarer Bestandteil zahlreicher Kindergeschichten in der Vorweihnachtszeit. Ein Stück Romantik in hektischen Tagen vor dem Fest.

Dieses Familienerlebnis bietet alljährlich der Weihnachtsbaumhof Müller in Altenaffeln-Hespe, wo Matthias und Barbara Müller ihre weitläufigen Kulturen öffnen und zum Hof-Verkauf einladen.

Ein buntes Treiben herrscht zwischen den Nadelbäumchen, verbunden mit Schneeballschlachten oder Rodelpartien. Ist dann der Baum geschlagen und eingenetzt, werden in der alten Scheune Kakao, Plätzchen, Waffeln und Glühwein zwischen adventlicher Deko und Kunstgewerblichem serviert – da kommt bereits Weihnachtsstimmung auf. Bis hin ins Ruhrgebiet oder gar nach Holland hat sich die tolle Atmosphäre herumgesprochen und gern nehmen die Städter die weite Fahrt ins märkische Sauerland hin zu den Müllers in Kauf.

Bei denen herrscht jedoch, aber das sind sie ja gewohnt, Dauerstress bis einschließlich heute. Denn seit über 50 Jahren gehören die Weihnachtsbaumkulturen neben Land- und Forstwirtschaft zum Betriebsprogramm auf dem idyllisch gelegen Hof. Mitte November beginnt die Hochsaison. Die Tannen und Fichten werden geschlagen und zunächst die Großhändler versorgt. Ab dem dritten Adventswochenende dann wird es ein wenig beschaulicher, wenn nämlich die „Kleinkunden“ wie insbesondere die Familien auf den Hof kommen, und sich ihren Baum zum Feste abholen.

1997 übernahm der heute 39-jährige Matthias Müller, nachdem er an der höheren Landbauschule in Meschede zum staatlich geprüften Landwirt ausgebildet worden war, die Leitung des Hofes von seinem Eltern Wilhelm und Anni. Unterstützt von Gattin Barbara (37) ist er Herr über rund 70000 Weihnachtsbäume, die auf elf Hektar Kulturfläche verteilt sind.

Und die Bäume machen natürlich nicht nur im Winter Arbeit. Denn ein Weihnachtsbaum benötigt, damit er nach acht bis zehn Jahren zu einem schönen Exemplar gewachsen ist, viel Pflege.

Rund 7000 Setzlinge bringt der Weihnachtsbaumhof alljährlich in die Erde. Im Einkauf kostet der rund 20 bis 30 Zentimeter Sprössling 60 Cent, erzählt der Waldbauer. In seinem Bestand finden sich die tief grüne Nordmanntanne mit ihren weichen Nadeln, die rund 70 Prozent der Kulturen einnimmt sowie Blau- und Rotfichte, die mit dem klassischen „Tannenbaumgeruch“ punkten. Im Hofverkauf kosten die Bäume per laufenden Meter 15 Euro pro Nordmanntanne sowie elf bis sechs Euro pro Blau- oder Rotfichte. Und da es nur rund zwei Drittel der Setzlinge bis in den Verkauf hin schaffen, wirft so ein Baum bei all der vielen Arbeit über die Jahre gerechnet nur einen geringen Erlös ab.

„Das beginnt schon beim Pflanzen“, berichtet Matthias Müller. „Die Wurzel ist der Motor des Baumes und wer beim Pflanzen die Wurzeln einklemmt, muss sich nicht wundern, wenn die Bäume im Wachstum kümmern und keine schöne Form ausbilden“. In den jungen Kulturen konkurriere die Grasdecke mit den Jungpflanzen um Wasser und Pflanzennährstoffe, erklärt Müller. Frei mähen oder frei Schneiden ist angesagt und wenn es überhaupt nicht zu vermeiden ist, wird auch mal gespritzt. „Mit einer abgeschirmten Düse, sodass“, und darauf legt Matthias Müller Wert, „gewährleistet ist, dass auch nicht eine Nadel am Baum benetzt wird“.

Entwickelt sich das Pflänzchen dann so langsam zum kleinen Baum, geht es ans „Snippen“. „Unerwünschte Knospen oder Seitentriebe werden entfernt. Der Kunde soll ja ein schönes Exemplar zu Weihnachten in seinem Wohnzimmer stehen haben, gerade gewachsen und im Bewuchs am besten wie ein Kegel“, so der Fachmann. Und wenn die Spitze zu schnell oder nicht akkurat wächst, wird diese mit einer Spezialzange bearbeitet und mit Hilfe eines angebundenen Stockes wieder in Form geführt. Ende September, so der Hesper, erfolgt schließlich die Etikettierung der Bäume. Dabei hilft auch schon die achtjährige Tochter Anna mit und später sicher auch die Geschwister Marieke (5), Pia (4) und Nesthäkchen Christoph (1 ½). Die wohnzimmertauglichen Fichten oder Tannen werden im Frühherbst mit rotem, grünem, blauem oder pinkem Band versehen. „So erkennen wir, wie viele Bäume wir in welcher Größe und Qualität für den Weihnachtsverkauf haben“, erklärt Matthias Müller.

Und noch einen Tipp vom Fachmann, damit die Freude am vollgrünen Baum in der warmen Stube auch lange anhält: Den Stamm vor dem Aufstellen ein bis drei 3 Zentimeter kürzen, dann nimmt er besser Wasser auf, wenn er dann im gewässerten Christbaumständer seinen Platz gefunden hat. ▪ Ullrich Töpel

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