Neuenrader Heimatverein gut aufgestellt

Auch Bürgermeister Antonius Wiesemann gehört zu den Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins. - Foto: Koll

Neuenrade - „Wir sind gut gepolstert“, sagte Ulrike Wolfinger. Der Heimatverein, verriet sie bei der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend im Hotel Kaisergarten, habe derzeit „rund 120 Mitglieder“. Außer ihr waren davon 19 weitere erschienen. Wolfinger hielt den Kassenbericht in Vertretung der beruflich verhinderten Kassiererin Melanie Behrens.

Zuvor hatte zu Beginn der 90-minütigen Veranstaltung der 1. Vorsitzende Dr. Rolf Dieter Kohl die Anwesenden begrüßt. Er blickte zunächst zurück auf die Veranstaltungen der zurückliegenden zwölf Monate mit der Einweihung der Neuenrader Motte, Ausstellungsbesuchen, Vorträgen und einer Exkursion nach Köln.

Beim Ausblick auf das kommende Jahr teilte er mit, dass ein Besuch des Heimatmuseums in Herscheid geplant sei. Auch eine Besichtigung von Schloss Wocklum in Balve sei ins Auge gefasst worden. Zudem könne eine Fahrt zur Gransauer Mühle – ebenfalls in Balve gelegen – angeboten werden. Aus der Versammlung kamen dazu noch die beiden Vorschläge, das Stadtmuseum Iserlohn sowie die Burg Altena zu besuchen.

Kohl verriet, es befinde sich ein Vortrag zum Thema Familienforschung bereits in Planung. Fest stünde außerdem der Termin für das vorweihnachtliche Zusammensein der Heimatfreunde am Freitag, 5. Dezember. Dann träfe man sich ab 17 Uhr im Kaisergarten. Letztlich sei am Sonntag, 28. September, ein Tag der offenen Tür im neuen Stadtmuseum an der Ersten Straße 19.

Bei den Wahlen wurde der Schriftführer des Heimatvereins Jürgen Hederich einstimmig im Amt bestätigt. Im Beirat verbleiben neben Wolfinger auch Ex-Bürgermeister Klaus Peter Sasse, Ulrich Tillmann, Uwe Loske, Paul-Heinz Langhammer, Folkert Lührs und Renate Overhues. Neu in den Beirat aufgenommen wurde Irmgard Birk.

Letztere hielt am Mittwoch im Anschluss an die Mitgliederversammlung – trotz einer Kehlkopfentzündung – noch einen Vortrag zum Thema „Heilige Reliquien, Wallfahrten und Prozessionen“. Sie erläuterte, dass bei den seinerzeit verfolgten Christen zu Anfang der heutigen Zeitrechnung das Märtyrertum vorgeherrscht habe. Ab etwa dem 2. Jahrhundert seien Menschen heilig gesprochen worden – und zwar zunächst durch den jeweiligen Ortsbischof. Erst ab dem 10. Jahrhundert sei dem Papst diese Aufgabe zugefallen.

Dann berichtete Birk vom Kaiser Konstantin. Dieser habe sich im 4. Jahrhundert auf dem Totenbett taufen lassen. Allerdings habe er sich zuvor für die Christen eingesetzt. Dafür aber habe er selbst ein Christ sein müssen. Und zum Christen werde man durch die Taufe. Dort sehe sie also einen Widerspruch, den sie aber nicht auflösen könne.

Gebeine und Gegenstände von Heiligen seien Reliquien. Diese birgten unerklärliche, überirdische Kräfte in sich. Darum beförderte ihre Verehrung auch Betrug, gab Birk zu bedenken. Zu den Orten, an denen Reliquien aufbewahrt würden, fänden Pilgerfahrten statt. Bildnisse von Heiligen dagegen lösten Wallfahrten aus. Martin Luther habe das Pilgern abgelehnt. Heute allerdings würde auf seinen Spuren gepilgert.

Auch Prozessionen lehnte Luther „als Gotteslästerung“ ab. Bei einer Prozession, so Birk, handele es sich um ein öffentliches Glaubensbekenntnis. Prozessionen seien nicht nur im christlichen Glauben verbreitet.

Für die Reliquien der Heiligen Drei Könige sei einst der Kölner Dom eigens erbaut worden. Denn im 12. Jahrhundert seien die Gebeine der drei „Magier“, wie Birk sie nannte, von Rom nach Köln geschafft worden.

Speziell ging sie dann noch auf die Heilige Gertrud ein, der Namenspatronin des Neuenrader Volksfestes Gertrüdchen. Gertrud habe im 17. Jahrhundert bereits als Zwölfjährige ihr Leben Gott gewidmet. Die Ordensfrau sei lediglich 33 Jahre alt geworden. Zeitlebens verteilte sie Speisen an Bedürftige und gewährte Wanderern eine Herberge.

Von Michael Koll

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