Kabarett mit Bio-Wurst und Kondomen

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Hedwich vom Himmelsberg präsentiert sich auch modisch vielseitig – sehr zur Freude des Publikums.

Neuenrade – Die städtischen Kulturmacher können aufatmen: Die Saison 2020/21 startete nach Wochen der coronabedingten Verzögerung am Freitag im Saal des Kaisergarten mit dem Kabarett-Abend „Fake-News in der Nudelsuppe“.

Gute 90 Minuten zog Hedwich vom Himmelberg alias Anja Geuecke humorvoll und kritisch vor 250 Besuchern die kabarettistischen Fäden zum alltäglichen Miteinander. Der Start in die Neuenrader Kultursaion war ganz nach dem Geschmack der Kabarettistin, die froh war, „wieder vor Menschen zu stehen.“ 

Die vergangenen Monate haben der Kabarettistin aus dem Sauerland viel Stoff geliefert. Politische Selbstinszenierungen, abgedrehte Verschwörungstheorien, kirchliche Selbstherrlichkeit und fast üblich und normal wirkendes menschliches Handeln wurden ins ironische Visier genommen. 

Aber Hettwich vom Himmelsberg wäre nicht sie selbst, würde sie nicht ständig zwischen Klamauk und Kritik balancieren. Die kleinen menschlichen Schwächen wurden von ihr mit nicht nachlassender Genauigkeit ebenso ins Programm genommen wie das, „was die Leute so auf’m Land denken“. Anja Geuecke ist ohne Zweifel ein Bühnenkünstlerin. 

Die gebürtige Ostwestfalin („Das Elend der Eheschließung hat mich ins Sauerland verschlagen“) verwendet teils auch eine recht derbe Sprache, um mit ihrem Pubikum zu kommunizieren. In ihren Vortrag fließen aber auch Elemente der Lyrik, der Schauspielkunst und der freiem Improvisation ein. Als Hettwich vom Himmesberg spielt Geuecke mit dem äußeren Erscheinungsbild, Mimik und Gestik werden gekonnt eingesetzt. Dazu passt der Vortrag in bestem „sauerländisch-deutsch“. Alltagssituationen werden von ihr ins Lächerliche gezogen, das Stilmittel der Satire erlaubt das Parodieren und Karikieren. 

Die Figur Hedwig vom Himmelsberg wird für das Publikum zu einer alten Bekannten, die für Lachsalven, Spaß und lockere Unterhaltung immer gut ist. Anja Geuecke ist mit ihrer Hettwich vom Himmelsberg identisch, alles andere würde sie – zumindest von der Bühne aus – nicht wahrhaben wollen. Wenn sie von ihrem Ehemann „Siechfried“ spricht, von Grünkohl und dem Amazon-Zusteller, von Apotheken und Kondomen („Die reichten für ein Jahr weil da zwölf Stück in der Packung drin waren“) oder von Bio-Würstchen und selbst gemachtem Kartoffelsalat, spätestens dann ist das Publikum begeistert. 

Als Hedwig vom Himmelberg schafft es die Kabarettistin, sich auf „Augenhöhe“ mit den Zuhörern zu unterhalten, ohne sich anzubiedern. Das Publikum dankte wiederholt mit Szenenbeifall. 

Der Vorsitzende des Neuenrader Kulturausschusses, Josef Brockhagen, sprach in seiner Begrüßung von „bewegten Zeiten, die uns im Vorfeld gezwungen haben, vier Veranstaltungen abzusagen.“ Brockhagen entschuldigte sich beim Publikum und dankte dafür, dass jeder Besucher für die coronabedingten Auflagen Verständnis zeigte.

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