Hebamme Annabelle Thöne: Viel Praxis und Empathie als Rüstzeug

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Frauen, die schwanger sind, sollten sich frühzeitig um die Betreuung durch eine Hebamme kümmern, denn die Zahl dere Geburten steigt und Hebammen sind knapp.

Neuenrade - Annabelle Thöne hat mit ihren 24 Jahren schon mehr für den Fortbestand der Menschheit getan als so mancher in seinem ganzen Leben. Kein Wunder. Sie ist Hebamme, praktiziert nun in Neuenrade und hat bislang 130 Geburten, darunter etliche Hausgeburten, begleitet.

Am Umlauf bezieht sie gerade ein Haus, dort soll auch eine Praxis eingerichtet werden. Gelernt hat Annabelle Thöne ihr Handwerk an der Universitätsfrauenklinik in Würzburg. 

Drei Jahre lang, bevor sie nach ihrer Ausbildungszeit gleich in der Region Iserlohn/Schwerte (Marienkrankenhaus) als Beleghebamme anfing, dort die Schwangeren betreute und zur Entbindung in Schwerte begleitete. Dass sie sich in Neuenrade niederlässt, dafür hat sie ihre Gründe. Familiäre Bindungen sind es (sie stammt aus Werdohl), zudem sind sie und ihr Lebensgefährte Marius Holub der Heimat verbunden. „Wir lieben das Sauerland“. Das Paar dürfte vielen Neuenradern seit dem vergangenen Sommer nicht unbekannt sein. Es ist das amtierende Schützenkönigspaar. Aber das nur am Rande... 

Besonders die Praxis ist wichtig 

Annabelle Thöne gehört mit ihrem Beruf Hebamme zu einer begehrten Gruppe, denn Hebammen sind rar geworden. „Es gibt definitiv eine Hebammen-Verknappung und wenig Nachwuchs“, skizziert sie die Situation. Wer schwanger ist und Betreuung vor, während und nach der Geburt wünscht, sollte schon „spätestens nach der zwölften Woche“ Kontakt aufnehmen. „Die Plätze sind begrenzt“, sagte Thöne. Zudem stehe im Gesetz, dass nur eine Hebamme eine Geburt durchführen dürfe. „Selbst beim Kaiserschnitt muss eine Hebamme dabei sein“, so Thöne. 

Annabelle Thöne ist Hebamme und praktiziert seit drei Monaten in Neuenrade. 

Die Hebamme verweist darauf, dass sie noch zu den wenigen gehöre, die diesen Beruf nach alter Schule mit sehr viel Praxis erlernt haben. „Für mich ist der Hebammenberuf vor allem Handwerk“. Da zähle viel praktische Erfahrung. „Praxis ist wichtig.“ Dass demnächst statt Ausbildung ein Studium nötig wird, davon hält sie nicht viel. Ihrer Ansicht nach werde das viel zu theoretisch. Männer sind in dem Beruf übrigens äußerst rar. Drei oder vier gebe es da, sagt Thöne. Die Herren würden sich zudem „Entbindungspfleger“ nennen. 

Die Gründe für die Hebammenverknappung sind aus Sicht Thönes vielschichtig: Es gibt viel mehr Geburten und eines der Hindernisse, um Hebamme zu werden, ist bei Selbstständigen die aus Hebammensicht teure Haftpflichtversicherung. Auch arbeiteten sehr viele Hebammen in Teilzeit, weil sie selbst Familie/Kinder haben. Immerhin gibt es inzwischen den Haftpflichtausgleich der Kassen, die einen guten Teil der Kosten erstatten. Allerdings müssen die Hebammen in Vorleistung treten... 

Ein besonderes Vertrauensverhältnis

Hebamme und Schwangere, das ist ganz sicher ein besonderes Vertrauensverhältnis und auch die Familie ist mit im Boot. Was im Rahmen der Schwangerschaftsbetreuung von der Hebamme geleistet wird, ist jede Menge: Das reicht von Vorsorgeuntersuchungen, dem Abhören der Herztöne über Lage des Kindes, Blutdruckmessung, Blutentnahme bis hin zum allgemeinen Wohlbefinden der Schwangeren. Vorbereitungskurse für Paare und Geburtsbegleitung gehören natürlich ebenso dazu wie die Nachsorge mit Rückbildungsgymnastik, Still-Beratung und die Betreuung rund ums Wochenbett. 

Mit zum Programm gehört die Rufbereitschaft von 24 Stunden täglich an sieben Tagen pro Woche, um bei Wehen, Blasensprung oder eben Geburt zur Stelle zu sein. Thöne hat auch ein CTG (Wehenschreiber und Herztöne des Kindes werden aufgezeichnet), zudem sind in ihrem Hebammenkoffer auch Abnabel-Set und Medikamente für Kind oder Mutter vorhanden. Auch der Beatmungsbeutel gehört dazu („den habe ich noch nie gebraucht“). 

Besonderes Angebot für Rückbildungsgymnastik 

Die Geburt eines Kindes bedeutet auch den Neustart der kleinen Familie. Es sei faszinierend, wie sich Familien verändern würden, wenn Mann und Frau plötzlich für einen kleinen Menschen sorgen müssen. Auch manche Männer machten eine Veränderung durch, würden plötzlich ganz viel Feingefühl und Vorsicht an den Tag legen. 

Thöne wird auch beratend tätig, wenn es um Familie geht. Es gebe da durchaus übergriffige Schwiegermutter und Mütter, die überholte Vorstellungen hätten. Das Wichtigeste, was eine junge Familie in der ersten Zeit nach der Geburt eines Kindes benötige, sei Ruhe. Die brauchen Zeit für sich“, sagt Thöne. 

Auch für die Rückbildung der Gebärmutter und den Muskelaufbau hat die Neuenrader Hebamme ein besonderes Programm: Outdoor-Gymnastik mit Kind am Waldstadion. „Gymnastik an frischer Luft ist schöner“, sagt Thöne.

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