Griesenbruch bemängelt geringe Sportförderung

Heinz Griesenbruch.

NEUENRADE ▪ Mit einem Appell an Bundes- und Landespolitik, mehr Fördermittel zur Verfügung zu stellen, wies Heinz Griesenbruch, Hauptvorstand des TuS Neuenrade, beim 150-jährigen Jubiläum der Turnabteilung am Samstag auf die für Sportvereine immer schwieriger werdenden Bedingungen hin: „Warme Worte zum Ehrenamt haben wir genug gehört. Was wir konkret brauchen sind Fördergelder, damit wir Kinder und Jugendliche von der Straße holen können.“

Anhand von zwei Beispielen veranschaulichte Griesenbruch die einschneidenden Veränderungen innerhalb der vergangenen zehn Jahre. So sah es 2002 in Sachen Zuschuss Grundsportgeräte noch recht gut aus: Die Turnabteilung stellt einen Antrag auf einen Zuschuss für Grundsportgeräte. Von den Anschaffungskosten von 3000 Euro übernehmen der Landessportbund (LSB) und die Stadt Neuenrade 50 Prozent bzw. 25 Prozent – der Verein muss selbst 750 Euro beisteuern. Etwas anders ist die Situation 2012: Das Land NRW stellt keine öffentlichen Mittel mehr für dieses Programm zur Verfügung, der LSB muss die Förderung aussetzen, der Verein für sein Material komplett selbst aufkommen.

Feierakt 150 Jahre TuS Neuenrade

Zum Video

Als weiteres Beispiel nannte Griesenbruch die Übungsleiter Situation 2002: Der Landessportbund gewährte damals pro Jahr und Übungsleiter einen Zuschuss von 149 Euro. Und aktuell? Der TuS bekommt noch 64 Euro. Ein Betrag, der die anfallenden Kosten für die Ausbildung nicht ansatzweise decken würde: Diese belaufen sich für eine zweitägige Assistenztrainerausbildung auf 120 Euro, den fünftägigen C-Trainer-Aufbaukurs / C-Trainer-Fortbildung auf jeweils 300 Euro. „Unsere Übungsleiter sind schon wahrlich Idealisten, die sich bei geringen Aufwandsentschädigungen zur Verfügung stellten. Mit den bereit stehenden Mitteln ist es schwierig, ein attraktives Sportprogramm zu erhalten“, sagte Griesenbruch. Nur durch den Einsatz über den Sport hinaus können die TuS-Mitglieder ein ansprechendes Angebot aufrecht erhalten: Spenden und Aktionstage gehörten längst zum Vereinsalltag. Von Beitragserhöhungen, die zusätzliches Geld in die Clubkassen spülen könnten, hält der TuS-Vorstand mit dem Verweis auf die Sozialverträglichkeit nichts: „Beitragserhöhungen sind nicht das Allheilmittel, weil sich das viele Familien nicht erlauben können.“

Turner feiern Jubiläum

Von der Kritik Griesenbruchs ausgenommen blieb ausdrücklich die Stadt Neuenrade, deren Unterstützung er „als Besonderheit“ bezeichnete: Die Verwaltung stellt den heimischen Sportvereinen seit 2004 auf freiwilliger Basis jährlich rund 40 000 Euro zur Verfügung, wie Kämmerer Gerhard Schumacher mitteilte. Der TuS hat für das laufende Jahr exakt 9376,30 Euro kassiert. Zu dieser Summe kommen noch Sonderaufwendungen, die sich nach dem sportlichen Erfolg der Vereine richten. „Je erfolgreicher ein Verein ist, desto mehr Unterstützung bekommt er“, sagte Schumacher.

In den Sportförderungslinien der Stadt Neuenrade wird dem Sport seine kulturelle, integrative und gesundheitsfördernde Funktion direkt zu Beginn attestiert: „Durch die freiwillige Förderung soll einerseits die Vereins- und Verbandsarbeit anerkannt und unterstützt werden, andererseits soll die Förderung Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Bevölkerung Gelegenheit zur aktiven Betätigung gegeben wird. Jede sportliche Betätigung soll der Gesundheit und der Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit dienen und gleichzeitig Lebensfreude wecken und steigern.“ Das angelegte Geld komme für die Stadt durch die Steigerung des sozialen Kapitals als Mehrwert zurück. ▪ Nico Schwarze

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare