Hauptverhandlung wird nicht eröffnet

NEUENRADE ▪ Unter großem Publikumsinteresse hat am Dienstag vor dem Landgericht Hagen der zweite Prozess begonnen, in dem der Mord an einem 55-jährigen Kölner Gastwirt am 6. Oktober 2006 aufgearbeitet werden soll.

Seit November des Jahres 2011 verhandelt die Schwurgerichtskammer bereits gegen zwei Angeklagte, die einen ehemaligen Neuenrader, der sich inzwischen das Leben genommen hat, aus Habgier zu dem Mord angestiftet haben sollen.

Das Verfahren gegen zwei weitere Verdächtige musste abgetrennt werden, weil diese sich zum Auftakt des ersten Verfahrens noch in italienischer Strafhaft in San Remo befanden. Bei den beiden Angeklagten handelt es sich um einen 44-Jährigen, der in Italien wegen diverser schwerer Taten eine 20-jährige Haftstrafe zu verbüßen hat. Sein 24-jähriger Sohn wurde in Italien bereits zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach ihrer Auslieferung kann den beiden Angeklagten nun in Deutschland der Prozess gemacht werden.

Seit dem Selbstmord des Neuenraders, der sich im November 2011 – nur einen Tag vor seiner geplanten Zeugenaussage vor dem Gericht in Hagen – in seiner Gefängniszelle das Leben nahm, fehlt dem Schwurgericht der Hauptbelastungszeuge. Allerdings gibt es eine umfangreiche Videodokumentation mit ihm, die das Gericht im ersten der beiden Verfahren beretis als Informationsquelle nutzte.

Dazu kamen viele weitere Zeugen in einem der größten Prozesse, die das Hagener Landgericht in den vergangenen Jahren erlebt hat. Immer wieder wurden Meinungsverschiedenheiten über die Beweisaufnahme mit dem gesamten Repertoire geführt, das die Strafprozessordnung hergibt.

Im zweiten Prozess kam es gestern nicht einmal zur Verlesung der Anklageschrift: Schon vor der Eröffnung der Hauptverhandlung war der erste Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen eingegangen. Später folgte offenbar ein weiterer gegen ein anderes Mitglied der Kammer.

Stundenlang warteten zahlreiche Pressefotografen im Saal auf das Erscheinen der Schwurgerichtskammer und der Angeklagten, die kurz danach wieder verschwanden, ohne dass die Sitzung auch nur hätte eröffnet werden können.

Der Prozess am Landgericht Hagen soll nun am Freitag, 27. April, ab 9 Uhr fortgesetzt werden.

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