Windkraftgegner verhalten sich aggressiv

Hass eskaliert: Bauarbeiter im MK beschimpft und behindert - weil sie ihre Arbeit machen

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Auf dem Kohlberg in Sachen Windenergieanlagen  zu arbeiten, scheint nicht immer ein Vergnügen zu sein.

Neuenrade – „Nee, lass mal. Ich will nicht aufs Foto. Auch hinter der Kabinenscheibe könnte man mich erkennen.“ Normalerweise sind Bauarbeiter auskunftsfreudig, freuen sich über das Interesse an ihrer Arbeit, schließlich erschaffen sie etwas.

Dass aber Bauarbeiter Angst haben, fotografiert zu werden, weil sie Repressalien befürchten, dass erwartet man üblicherweise von Menschen, die in totalitären Staaten leben. Dass ein Unternehmer sein Großgerät überwachen lässt, weil er Sabotage fürchtet – das gibt es hierzulande auch nicht all zu häufig. So ist die Begegnung mit offensichtlichen Windkraftgegnern für die Mitarbeiter des Unternehmens, das mit den vorbereitenden Arbeiten für die Windenergieanlagen (Rodung, Wegebau, Gründung, Standfestigkeit) auf dem Kohlberg befasst ist, ganz offensichtlich kein Vergnügen.

Verwunderung über Hass

Der Firmenchef spricht von „Beleidigungen, Gesten, negativer Ansprache“, von „Fußgängern, die den Baumaschinen und Lastwagen keinen Platz machen“ würden. Sie behandelten die Mitarbeiter als seien sie Kriminelle, das alles ist für den Chef des Unternehmens unerfreulich und unangenehm. „Wir machen einfach unsere Arbeit,“ sagt er und ärgert sich über die Ignoranz. Er könne nicht verstehen, dass der Ärger auf Mitarbeiter und Firma übertragen werde. Er wundert sich gar über Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken und über den Hass, der daraus spreche. Natürlich weiß er um die Konflikte rund um die Windenergieanlagen – aber wenn eine politische Entscheidung gefallen sei, müsse man die Konsequenzen auch ertragen. „Wir müssen uns alle bewegen,“ sagt er als offensichtlicher Verfechter eines demokratischen Entscheidungsprozesses. Andere wiederum, die in Sachen Windenergie auf dem Kohlberg direkt involviert sind, sind nicht persönlich angefeindet worden.

Marcus Henninger, Neuenrader Bauamtsleiter, sagte, dass er keine bösen E-Mails bekommen habe, auch in jüngeren Vergangenheit nicht. Er verwies aber darauf, dass sich in den vergangenen Jahren generell der Umgang gewandelt habe. Es gebe mehr Konflikte. Unabhängig von den Konflikten rund um den Kohlberg oder andere Projekte, haben es gerade Verwaltungsmitarbeiter wohl nicht immer leicht: Inzwischen gibt es schon Unternehmen, die Rathausmannschaften oder auch Jobcenter-Mitarbeiter im Umgang mit Gewalt beraten.

Seminare für Gewaltprävention

 Das Diba-Institut für Gewaltprävention gibt zum Beispiel das Rathaus Meschede und das Bürgerhaus Bestwig als Referenz an. Auch Wirtschaftsbetriebe von Sparkasse bis Pflegebetrieb zählen zur Kundschaft, aber auch drei Dutzend Schulen in Nordrhein-Westfalen, diverse Jobcenter, sei es in Flensburg oder das im Hochsauerlandkreis. Dass es mit verärgerten Betroffenen nicht immer einfach ist, zeigt schon der Hinweis auf die Überwachungskamera an der Tür der inzwischen geschlossenen Jobcenter-Zentrale im Neuenrader Rathaus.

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