Haruka, eine Japanerin in Neuenrade

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Die Gastfamilie Drüeke mit ihrer Austauschschülerin Haruka.

Neuenrade - Die Drüekes haben den Frühling im Haus. Zumindest wohnt Haruka bei ihnen. So heißt die japanische Austauschschülerin, die schon eine ganze Weile bei der fünfköpfigen Familie in Küntrop wohnt. Und in ihrem Namen steckt eben Haru – das japanische Wort für Frühling.

Die 17-Jährige wohnt für insgesamt zehn Monate bei der Familie, bis Anfang Juli bleibt sie noch. Das ist lang genug, um noch eine ganz spezielle westfälische Feierlichkeit mitzubekommen: ein Schützenfest. Bislang hat Haruka Weihnachtsmärkte als sehr schön und typisch deutsch vermerkt – vielleicht reiht sich ja noch ein grün-weißes Hochfest ein. 

Das Mädchen hat einiges zu verkraften. So kommt sie aus dem Großraum Tokyo und muss in einem kleinen sauerländischen Dorf als Einzelkind plötzlich mit drei „Brüdern“ (Jonas, 20, und Niklas, 17, sowie Elias, 9 Jahre alt), mit Gasteltern und einem Hund zurechtkommen. Und das gelingt: Ganz offensichtlich fühlt sich Haruka sehr wohl bei den Drüekes. 

Von der Feuerwehr aus dem Wald gerettet 

Über ihren Gastbruder Niklas sagt sie: „Er ist mein bester Freund“. Und auch die anderen Familienmitglieder hat sie ganz offensichtlich ins Herz geschlossen. Die junge Japanerin erfreut sich an dem Sauerländer Ambiente: „Viel Natur und der Wald.“ Das sei alles sehr schön. Wobei sich um Haruka und den Küntroper Wald eine besondere Anekdote rankt. Tatsächlich hatte sich das Mädchen bei einem Waldspaziergang verlaufen und musste von der Feuerwehr aus dem Küntroper Forst gerettet werden. Sie war clever, ließ sich über einen Rettungspunkt finden. Haruka lacht leicht verschämt, wenn sie an diese Episode denkt. 

Kontakt zur Familie entstand in Japan 

Rückblick: Der Weg in die Küntroper Gastfamilie hat eine kleine Vorgeschichte. Niklas war vor gut eineinhalb Jahren in Japan – dort entstand der Kontakt zu Haruka. Und als es um das Thema Austausch ging, so erinnert sich Stephan Drüeke, habe man gedacht, warum nicht auch ein japanisches Mädchen. Durchaus Ängste hatte Haruka, bevor es gen Deutschland ging. Ich dachte, das Essen ist ganz anders und ich war gewohnt, jeden Tag Reis zu essen, auch morgens.“ Doch sie vermisst nichts. „Deutsches Essen ist auch lecker“. 

Gut findet sie offensichtlich auch die deutschen Varianten italienischen Essens wie Lasagne, Spaghetti. Eis gehört genauso dazu wie deutscher Kuchen. Was gar nicht geht, das ist Milchreis. Doch auch Würstchen mit Knollensalat mag sie. Zudem liegt der Gastmutter daran, dass sie eben das deutsche Familienleben mitbekommt. Und zur deutschen Realität gehört eben Lasagne und Würstchen mit Kartoffelsalat. 

Sprache ist eine Herausforderung 

Das Essen war zu Beginn aber das kleinste Problem. Durchaus eine Herausforderung bildete zu Beginn die Sprache, berichtet Haruka, die sich inzwischen gut auf Deutsch unterhalten kann. So kannte sie zuvor in Japan nur einzelne deutsche Wörter. Und plötzlich sprechen zu müssen in einer trubeligen Familie war dann zunächst nicht ganz so einfach. 

Am zweiten Tag wird Geburtstag gefeiert 

So gab es gleich am zweiten Tag bei den Drüekes einen Geburtstag zu feiern und Haruka übte ganz feste, um die für japanischen Zungen ungewohnten Laute „Herzlichen Glückwunsch“ im entscheidenden Moment fehlerfrei aussprechen zu können. Haruka hat jedenfalls Ehrgeiz beim Deutschlernen bewiesen und das Leben in einer Familie lässt Austauschschüler offensichtlich schnell die Sprache lernen. Sogar Lieblingswörter hat sie: „Stibitzen und Käsemauken“. Klar, dass sie auch das eine oder ander (harmlose) Schimpfwort kennt. 

Der junge Mensch aus Japan wirkt auch auf die Familie – nicht nur was das Fremdländische anbelangt. So bekamen Stephan und Yvonne „plötzlich eine Tochter“. Zudem betont Stephan Drüeke: „Haruka hat uns noch weltoffener gemacht, als wir ohnehin schon sind“. Auch das Familienleben hat sich verändert. Bevor der Tag so richtig losgeht, besonders am Wochenende, frühstückt die ganze Familie erst zusammen. Und für Sohn Niklas ist klar, dass er die Schule fertig macht, dann das Abitur erlangen will, um dann nach Japan zu gehen. 

Eklatante Unterschiede in der Schule 

Haruka und die Schule – das funktioniert auch ganz gut. Dabei macht die junge Frau eklatante Unterschiede zur Schule in Japan aus. „In Deutschland wird viel diskutiert, es gibt viele Meinungen.“ In Japan sei der Unterricht dagegen autoritärer. Und wenn sie demnächst zurück in Japan ist, will sie ihre Erfahrungen mit dem Diskutieren in der Schule ausprobieren. 

Haruka hat sich in den knapp zehn Monaten bei den Drüekes weiter entwickelt. Davon ist Stephan Drüeke überzeugt. „Anfangs lieb, ruhig und mit der typischen japanischen Zurückhaltung“ sei sie nun selbstbewusst und mittendrin dabei. 

Haruka schmiedet Zukunftspläne und hat durchaus konkrete Ziele: Sie möchte studieren und für einige Zeit als Jugendbotschafterin arbeiten. Sicher spielt das knappe Jahr in Deutschland dabei eine Rolle.

Von Peter von der Beck

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