Berufsorientierungsmesse

Handwerk ist noch immer ein goldener Boden

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Sie wollen die jungen Leute mit einem besonderen Stand auf die Möglichkeiten aufmerksam machen, welche die Neuenrader Handwerker bieten.

Neuenrade - Die Neuenrader Handwerker machen sich Sorgen um den Nachwuchs. Ein Stand bei der Werdohler Berufsorientierungsmesse soll junge Leute werben. Das ist aber nur ein erster Schritt.

Lehrlinge sind Mangelware, den Betrieben fehlen Fachkräfte. Auch deshalb bemühen sich die Handwerker jetzt aktiv um junge Leute, um potenzielle Lehrlinge anzusprechen. Der besondere Handwerker-Stand bei der Werdohler Berufsorientierungsmesse (BOM) stellt dabei nur einen Teil der Bemühungen dar.

Sechs Handwerksbetriebe aus Neuenrade präsentieren sich dabei auf dem von Horst Hanke gestalteten Messestand unter dem Dach des Neuenrader Stadtmarketings.

 Dominik Degenhardt mit seinem Fachbetrieb für Sanitär-, Heizungs- und Umwelttechnik, Klaus Filter mit seinem Elektroinstallations-Betrieb, der Malerbetrieb Knipps, die Firma Listringhaus mit Heizung-, Lüftung-, Sanitärtechnik und Rohrleitungsbau sowie die Zimmerei Ross und die Baumschulen Wiesemann sind dabei.

Es gibt kaum noch Bewerbungen

Was früher so halbwegs automatisch lief, hat derweil nachgelassen: Bewerbungen um Lehrstellen gibt es kaum. Dabei machen die Neuenrader Chefs der Handwerksbetriebe eine Mischung verschiedener Ursachen für den Mangel an Auszubildenden aus.

So spüren die Handwerker mittlerweile den demografischen Wandel, was sich an zurückgehenden Schülerzahlen und eben Bewerbungen bemerkbar mache. So weist Sandra Horny in ihrer Eigenschaft als Neuenrader BOM-Beauftragte darauf hin, dass man bei der BOM mit 850 Schülern angefangen habe und jetzt bei 750 angelangt sei.

Schulpolitische Versäumnisse machte Klaus Filter aus: „Es können doch nicht alle nur studieren“. Dominik Degenhardt ergänzte: „Und wir ganz Kleinen bekommen gar keinen mehr ab“. Klaus Filter bestätigt, dass das Handwerk ein Imageproblem habe.

Die Neuenrader wollen gegensteuern

Und für Degenhardt ist auch klar, dass das Handwerk die Situation verschlafen habe. Da seien die Verantwortlichen der Industrie fixer. Zudem macht er einen gesellschaftspolitischen Druck hin zum Studieren aus.

Wie auch immer: Die Neuenrader wollen nun gegensteuern – eben auch mit diesem gesonderten Handwerkerstand auf der Berufsorientierungsmesse am kommenden Mittwoch. Da könnten sich Handwerksbetriebe aller Größenordnungen präsentieren.

Zudem wolle man die Schulen verstärkt ins Boot holen, bestätigte Bürgermeister Antonius Wiesemann. So planen sie, häufiger in die Schulen zu gehen. Bei einem der vergangenen Besuche sei der Großteil der heimischen Handwerksbetriebe den Schülern nicht bekannt gewesen.

Dem Handwerk fehlen Fachkräfte

Auch der Fachkräftemarkt ist derzeit wie leer gefegt und das bereitet den Handwerksmeistern Sorge. Das sei ein eine unschöne Entwicklung, die Facharbeiter würden immer älter und der junge Unterbau fehle, skizzierten sie unisono. Dass Flüchtlinge hier die Lücke füllen könnten, glaubt niemand.

Denn die Sprache sei dabei das A und O. Die Kommunikation mit den Kunden sei superwichtig auf der Baustelle, die sich zudem noch häufig in Privathaushalten befinde, betonte Degenhardt. Da könne man niemanden gebrauchen, der die Sprache nicht beherrsche, mal abgesehen von der Wissensvermittlung.

Größere Betriebe mit 50 Beschäftigten könnten das vielleicht kompensieren – ein kleinerer Handwerksbetrieb sicher nicht.

Flüchtlinge müssen Deutsch sprechen

Zudem, so erläuterte Sandra Horny, die auch Flüchtlings-Beauftragte der Stadt Neuenrade ist, dass man die Facharbeiter-Kenntnisse aus den Ursprungsländern der Flüchtlinge nicht immer mit den deutschen Erfordernissen vergleichen könne.

Sie versuche daher auch den jungen Flüchtlingen zu vermitteln, wie wichtig das Erlernen der deutschen Sprache auch vor dem Hintergrund möglicher Arbeitsperspektiven in Handwerksbetrieben sei.

Klaus Filter betonte, dass auch die Verdienstchancen im Handwerk inzwischen viel besser seien. Da spielten die starke Konjunktur und der Fachkräftemangel eine Rolle. Inzwischen werde im technisch-handwerklichen Bereich mehr verdient als in manchen akademischen Berufen, sagt Filter auf Nachfrage.

Praktika und Probearbeiten sind möglich

Wer nun Interesse habe, etwas Handwerkliches zu erlernen, könne bei den ortsansässigen Betrieben gerne Praktika machen. Auch ein Probearbeiten ist bei Elektro Filter möglich.

Klaus Filter ist sich jedenfalls sicher: „Handwerk hat goldenen Boden.“ Wer sich jetzt selbstständig mache, der sei in 20 Jahren der König. Der Bedarf steige.

Von Peter von der Beck

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