Handel mit Drogen: Bande aus Werdohl und Neuenrade vor Gericht

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Neuenrade/Werdohl – Produktionsstätten in Neuenrade und Werdohl, Lieferanten in Dortmund und Iserlohn sowie ein Gemischtwarenladen, der von den Kunden offenbar gut angenommen wurde und Erträge im fünfstelligen Bereich abwarf: So könnte die Geschichte über ein erfolgreiches Kleinunternehmen beginnen.

Doch laut Anklage bestand die Ware aus Marihuana und Amphetamin, vermutlich auch Kokain, und die Produktionsstätten waren eine Amphetamin-Küche in Neuenrade und eine Hanfplantage in Werdohl. 

Drei Neuenrader müssen sich deshalb seit Donnerstag im Landgericht Hagen wegen unerlaubten Handels mit einer nicht geringfügigen Menge Betäubungsmittel verantworten. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft bildeten sie eine Bande, die sich in unterschiedlicher Besetzung um die verbotenen Geschäfte und Produktionsstätten kümmerte. 

Hanfplantage in Werdohl

Gemeinsam mit dem flüchtigen Kopf der Bande sollen die Angeklagten im Herbst 2018 eine Hanfplantage in Werdohl gepflegt und schließlich abgeerntet haben. Von den produzierten fünf Kilogramm Marihuana fand die Polizei am 8. März 2019 noch vier Kilo vor Ort. Die Beamten ernteten nun ihrerseits weitere 209 Hanfpflanzen, die kurz vor dem Ende ihres Wachstumszyklus standen. Der Absatz an Marihuana war offenbar so gut, dass die Plantagenbetreiber weitere Ware in Letmathe zukauften: Laut Anklage waren es im Februar mindestens 1,4 Kilogramm und im März mindestens 2,6 Kilogramm. 

Die Produktionsstätte in Neuenrade befand sich im Haus einer Mittäterin, die dem Gericht allerdings bereits mitteilte, dass sie sich als geladene Zeugin auf ihr Auskunftsverweigerungsrecht berufen werde. Zwischen September und Oktober 2018 sollen die Angeklagten in ihrer Chemie-Küche aus Amphetamin-Öl verkaufsfertiges Amphetamin hergestellt und für insgesamt 20 000 Euro verkauft haben. Eine zweite Charge sollen die Täter im Februar 2019 hergestellt haben. Davon waren noch zwei Kilogramm übrig, als die Polizei die Örtlichkeit am 8. März durchsuchte. 

Angeklagte schweigen zum Prozessauftakt

Zum Auftakt des Prozesses äußerten sich die Angeklagten (23, 24 und 33 Jahre) noch nicht zu den Vorwürfen. Sie kündigten zum Teil aber Erklärungen für eine der nächsten Sitzungen an. Die 6. große Strafkammer gab einen Hinweis auf vorhandene Beweismittel: Neben den Tatorten und den dort vorgefundenen Drogen, Materialien, Kunden- und Mengenlisten beruht die Anklage offenbar vor allem auf Telefonüberwachungen, die zum Teil noch übersetzt werden müssen. „Die Übersetzungen verursachen Kosten“, mahnte die Vorsitzende Richterin die Angeklagten, noch einmal in sich zu gehen. 

Für den Fall, dass es bei einem reinen Indizienprozess bleiben sollte, hat die Kammer sich extrem viel Zeit gegeben: 25 Verhandlungstage sind bis zum 5. März 2020 eingeplant.

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