Ein halbes Jahr im Amt: Antonius Wiesemann

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Antonius Wiesemann hat viele Pläne für die Zukunft der Stadt – unter anderem möchte er Neuenrades Erscheinungsbild weiter verbessern.

Neuenrade - Noch erinnert Neuenrade an die Insel der Glückseligen – zumindest wenn man aufs Lennetal blickt. Die Strukturen, die ein Bürger benötigt, die sind vorhanden: Frei- und Hallenbad, eine lebendige Kulturlandschaft, gepflegte Sportstätten und inzwischen gibt es sogar freies W-Lan in der Innenstadt. Ein kleines nettes neues Zentrum ist vorhanden, Lidl, Familiy, DM, Fleischer und Bäcker, ein Café-Restaurant und ein Blumengeschäft, dazu einige Einzelhändler auf der renovierten Ersten Straße, prosperierende Industriebetriebe: Bürgermeister Antonius Wiesemann hat zumindest auf den ersten Blick gute Startbedingungen.

Und der einst erfolgreiche Unternehmer und jetzige Bürgermeister hat sein Ziel im Visier, den Neuenradern diese Strukturen nicht nur zu erhalten, sondern insgesamt den Status zu verbessern. Seit 23. Dezember ist Wiesemann exakt ein halbes Jahr im Amt.

Indes – hat Neuenrade auch eine Substanz, um die ihn andere Bürgermeister sicher beneiden, so haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen nun verschlechtert.

Die Höhe der Kassenkredite steigt immer weiter. Der Haushalt ist defizitär und der Nothaushalt lässt sich wohl nur vermeiden, weil die Gewerbesteuer nun doch dank eines Einzelfalles wie geplant sprudelt. Finanzen hin oder her – für Toni Wiesemann, der 33 Jahre lang selbstständiger Unternehmer war, ist klar: Gestaltet wird nicht nur mit Geld. Da gebe es viele andere Möglichkeiten. Für Wiesemann bedeutet dabei gestalten auch mehr im Sinne von „etwas bewegen“, sagt er im Gespräch. Und so bleibt er recht entspannt.

Das geräumige Amtszimmer, in dem Vorgänger Klaus Peter Sasse immerhin gut 15 Jahre residiert hatte, trägt die Handschrift Wiesemanns. Nicht, dass das Mobiliar verändert wurde, oder deren Anordnung. Das Büro wirkt insgesamt nüchterner, aufgeräumter und die „Hitte“, jenes Modell der Neuenrader Ziege, das schon länger das Amtszimmer zierte, hat nun einen Fensterplatz mit Blick auf den Kaisergarten.

Zieht Wiesemann nun Bilanz, vergleicht sein bisheriges Bürgermeisterleben mit dem des Gartenbauunternehmers, so gibt er offen zu, dass er erstaunt war über die Menge an Verwaltungsarbeit. „Es ist ein mächtiges Arbeitspensum. Das wird in der Bevölkerung oft falsch gesehen. Auch ich habe das vorher nicht so eingeschätzt. Ich ziehe daher den Hut vor den Mitarbeitern“. Wiesemann betont, dass sich außerhalb einer Verwaltung kaum einer eine Vorstellung mache, was da alles so ans Amt herangetragen werde. Da könne man nicht immer helfen, häufig handele es sich dabei um Privatrechtliches.

Konflikte musste der Bürgermeister schon lösen. Die Sache mit dem Kauf des Mehrfamilienhauses für Flüchtlinge bescherte ihm Besuch von einer Reihe von Bürgern, die denn auch ihre Ängste und Bedenken formulierten. Und offenbar wirkte das Gespräch mit dem Bürgermeister deeskalierend, Ängste wurden genommen, lässt Wiesemann durchblicken.

Sein Auftreten in den Ratssitzungen wirkt inzwischen souverän und gefestigt. Etliche offizielle Termine hat er bewältigen müssen, dazu zählte jüngst auch der Antrittsbesuch in der Partnerstadt Klingenthal, wo Wiesemann bekräftigte, dass man die Partnerschaft gerne weiterführe.

So kommt eins ins andere: Das zeitliche Pensum, das der Bürgermeister absolvieren muss, kann sich durchaus sehen lassen: Gegen 8.15 Uhr ist er meist im Büro, dann gibt es die Post zu sichten, die Termine für den Tag werden festgelegt. Das reicht von diversen Besprechungen bis hin zu Gratulationsbesuchen. „Gegen 19/20 Uhr bin ich zu Hause“, sagt Wiesemann und fügt fast entschuldigend hinzu, dass er versuche, eine Mittagspause zu machen.

Wichtiges Element seiner Führungsarbeit als Bürgermeister sind die regelmäßigen Amtsleiterbesprechungen. Und da versäumt der Bürgermeister nicht, seine Amtsleiter und deren Engagement für die Stadt zu loben. Viel Information erhält er dabei, um in die jeweilige Materie hineinzukommen. Dabei ist er nicht derjenige, der schnell entscheiden möchte. Bevor ich etwas bewerte, informiere ich mich länger.“

Und sein Führungsstil? Den beschreibt Wiesemann als ruhig und sachlich. Er suche das Gespräch, welches er zu seinen wichtigsten Instrumenten und Arbeitsmitteln zählt. „Ich bin dann ganz ruhig, gehe sachlich an die Angelegenheit heran“.

Von außen höre er bislang nicht all zu viel Kritik. Lob und Zuspruch würden überwiegen, sagt er selbst. Und gibt es doch einmal Ärger? „Das Schöne an diesem Beruf ist die Vielfalt. Nach zehn Minuten gibt es was Neues, das einen den Ärger vergessen lässt“.

Übrigens stehen die Bürgermeister-Neulinge im Märkischen Kreis in Kontakt. „Wir drei Greenhorns (Antonius Wiesemann, Jan Nesselrath aus Meinerzhagen und die Werdohler Bürgermeisterin Silvia Voßloh) tauschen uns schon aus“, sagt Wiesemann.

Indes – die Einarbeitungszeit ist vorbei und Antonius Wiesemann blickt – optimistisch – nach vorn. Da gibt es einige Projekte.

So will er weiter das Erscheinungsbild der Stadt verbessern, überlegt ein Fassadenprogramm aufzulegen, er will sich die Baulücken/Baumöglichkeiten in der Stadt anschauen, schließlich müsse man Möglichkeiten schaffen, auf dass die Einwohnerzahl stabil bleibe. Und bleiben angesichts der Finanzen die Strukturen der Stadt erhalten? Da lässt sich Wiesemann nicht festlegen. „Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann“. Da wirkt es fast ein wenig kryptisch wenn er sagt, dass er die „Handlungsfähigkeit der Stadt auf jeden Fall erhalten will“.

Von Peter von der Beck

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