Eigenmarke für Wassersportler entwickelt

Haiarmbänder, Brillen und Ponchos: Surfer tragen stylische Produkte einer Firma aus dem MK

Carsten Raphael mit seinen Produkten und der Wave-Hawaii-Sonnenbrille.
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Carsten Raphael mit seinen Produkten und der Wave-Hawaii-Sonnenbrille.

Sport lieben, betreiben und damit auch noch Geld verdienen. Das gelingt Carsten Raphael. In 14 Länder – meist innerhalb Europas – verkauft er seine Sport- und Lifestyleprodukte. Demnächst kommen noch Griechenland und Lettland hinzu.

Neuenrade - Zur Zielgruppe gehören überwiegend Wassersportler wie Surfer, doch auch für Bauarbeiter und all jene, die sich häufig im Freien aufhalten (müssen), hat er Produkte im Angebot, die Raphael unter anderem in Japan einkauft.

Unters Volk bringt der Neuenrader Einzelunternehmer Beachponchos, stylisch-praktische Bademäntel („abtrocknen, umziehen, wohlfühlen“), aus nachhaltigem Material produzierte Sonnenbrillen und Uhren mit Holzgehäuse. Zudem vertreibt er Rucksäcke und weitere kleine Accessoires – darunter sogar ein Hai-Abwehrarmband. Ist der Absatzmarkt überwiegend Europa, so ist Raphael was die Beschaffung der Produkte anbelangt dennoch weltweit vernetzt. Seine Eigenmarkenprodukte lässt er in Pakistan und China produzieren.

Bankkaufmann gelernt und fünf Jahre in dem Job gearbeitet

Bei seinem Job als selbstständiger Kaufmann kommt ihm zugute, dass er Bankkaufmann gelernt und fünf Jahre in diesem Job gearbeitet hat. Auch sein Abschluss als Europäischer Handelsassistent und seine mehr als 20-jährige Vertriebsarbeit für international tätiges Unternehmen sind hilfreich, um Ideen und Produkte zu Geld zu machen. Nicht ganz unwichtig ist auch seine Verwurzelung in der Surfer- und Wassersportlerszene, ist er doch als Surfer weltweit herumgekommen. „Surfen war schon immer meins“, sagt Raphael. Das beweist auch das Surfboard an der Wand seines Büros.

Ans Surfen kam er „mit 14 Jahren“ in einem Spanienurlaub. Raphael war gleich fasziniert von diesem Sport: „Ich habe mich den ganzen Tag an den Strand bei den Surfschulen gesetzt.“ Er ist sich sicher: „Da hat es erstmals gefunkt.“ Zurück in Deutschland malochte der junge Mann stets in den Ferien, um sich von dem selbst verdienten Geld die erste Ausrüstung kaufen zu können.

Surfer sind oft auch Trendsetter

Die Surferszene ist eine besondere, es gibt Popmusik über diese Sportler, spektakuläre Foto- und Filmaufnahmen, Fernsehserien. Raphael: „Aber es ist nach wie vor eine Nische, aber zugleich eine Szene mit Leuten, die oft auch Trendsetter sind. Deshalb funktioniert auch das Stand-up-Paddeln, das zurzeit die Leute gerne machen. Es ist ein bestimmtes Feeling, ein Stück Lebenseinstellung: Mit wenig zufrieden sein. Viele Surfer haben einen Bulli, sie haben Spaß in der Natur und mit Freunden.“ Das bedeute aber nicht einfach herumzuhängen: „Die sind alle zielgerichtet, machen ihr Ding.“

Wärmende Ponchos zum Abtrocknen und Umziehen, die Raphael verkauft, gehören dabei durchaus zum Outfit der Surfer. Und „diese DNA“ wird eben auf stylische Frottee-Bademäntel übertragen. Dazu gibt es noch Badetücher. Natürliche Rohstoffe wie Baumwolle, Viskose aus Bambus und Holz sind aus Nachhaltigkeitsgründen Pflicht. „Die Ponchos, Bademäntel und Sonnenbrillen sind dabei eine Eigenmarke von uns!“ Cavida Sports lässt überwiegend in Pakistan produzieren. „Die sind da super. Wir erarbeiten alles zusammen, von Formen über Farben und Material. Das Unternehmen ist sehr professionell.“

Unterstützung durch 450-Euro-Kräfte

Auch als Einzelkämpfer gibt es natürlich reichlich Teamwork bei Cavida Sports. Drei 450-Euro-Kräfte unterstützen Carsten Raphael. Allein, um diese drei Kräfte zu finanzieren, muss Raphael schon etliche Ponchos verkaufen, um das Geld netto zu erwirtschaften. Um die Geschäfte weiter am Laufen zu halten, hat Cavida Sports ein großes Netzwerk: Regelmäßige Treffen gibt es (in diesen Zeiten online) und eine Strategie für die erfolgreiche Vermarktung in der virtuellen Welt. So arbeitet der Neuenrader zum Beispiel mit einer Designerin aus Holland zusammen, „Distributoren sitzen überall“. Die Online-Tagungen sind dabei wichtig. „Da gibt es Rückmeldungen zu den Produkten, was noch geändert oder dazugehören muss“, sagt Raphael.

Ein Aspekt des Marketings sind die sogenannten Teamrider. Das sind eigentlich Influencer, die eben die Cavida-Produkte nutzen. Basis des Cavida-Geschäftes ist das praktisch erworbene Fachwissen, das Feeling für die Kunden, die Szene, welches sich Carsten Raphael in all den Jahren angeeignet hat.

Viel in der Welt herumgekommen

Denn: Viel ist er nicht nur in jungen Jahren, sondern auch später noch herumgekommen. Nach der Bank-Episode war er ein Jahr lang unterwegs. Spanien, Neuseeland (dort lernte er seine Frau kennen – natürlich beim Surfen), die USA. In den Staaten war Raphael Teil des Marlboro Adventure Team Utah, wo man „wahnsinnige Outdoor-Sachen“ gemacht habe. Schließlich ist daraus zunächst die Bikeschule Sauerland erwachsen, welche er in Neuenrade gegründet und lange betrieben hat.

Sharkbanz-Bänder – sie dienen der Hai-Abwehr und gehören ebenfalls zum Cavida-Programm.

Dabei war eine eigene Firma nicht der Kindheitstraum von Carsten Raphael: „Die Selbstständigkeit – das hat sich so ergeben. Das war nicht mein großes Ziel. All das ist nah am Hobby dran, irgendwann habe ich dann die Chance gesehen.“ Den Startschuss für die Cavida-Gründung gab es 2013. „Wir waren auf der ISPO (die größte Sportartikelmesse der Welt, Anm. d. Red.), kamen so an eine Marke aus England, dann ging es eben los mit Cavida Sports“, erinnert sich der Neuenrader. 2014 wurde eine GmbH gegründet. Der gelernte Banker ist mit seiner Firma ohne Fremdkapital ausgekommen. „Wir sind gewachsen, es wurden keine Fremdmittel zur Verfügung gestellt.“ Auch das ist Teil der Philosophie.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema

Auch folgt er in seinem geschäftlichen Handel gewissen Prinzipien: Nachhaltigkeit ist dabei ein großes Thema für ihn. Die Ethik dahinter entstammt einer bestimmten Gruppierung, die in Neuenrade Tradition hat: „Wir sind alles alte Pfandfinder.“ Die Einstellung, die Nähe zur Natur, Teamarbeit und das soziale Miteinander nennt Raphael hier als Ankerpunkte.

So läuft das Geschäft auch in Corona-Zeiten gut. Verkauft wird an Großkunden, an den Fach- und Einzelhandel. Verkauft wird natürlich auch online, jüngst probierten Raphael und Co. den Lagerverkauf. Offenbar ein Erfolg. Denn man will das wiederholen.

75 Prozent Umsatzeinbußen von einem Tag auf den anderen

Dennoch lief nicht immer alles rund: Das mit dem nahenden Brexit einhergehende veränderte Vertriebskonzept des Lieferanten aus England, aber auch dortige Qualitätsprobleme führten zu einer Veränderung der Cavida-Strategie.

Entwickelt wurde die Eigenmarke Wave Hawaii. Der Bruch mit den Engländern bedeutete dabei von einem Tag auf den anderen Umsatzeinbußen von 75 Prozent. Das ist aber dank der forcierten Eigenmarkenstrategie Geschichte. Raphael: „Jetzt läuft es wieder.“ Die Auswirkungen der Hönnestädter spürt aber auch der Hönnestädter mit seiner Firma, denn Cavida vertreibt auch Rucksäcke und Reisegepäck. Die Pandemiebeschränkungen und das eingebrochene Reisebusiness taten diesem Produkt nicht gut.

Firma ist breit aufgestellt

Aber die Firma ist breit aufgestellt. Jenseits der stylischen Produkte gibt es zum Beispiel Sharkbanz – einen patentierten Hai-Vertreiber fürs Handgelenk. Das System basiert darauf, die empfindlichen Rezeptoren der Haie zu stören. Die Wirkung sei wissenschaftlich erwiesen, der Wirkungskreis betrage immerhin ein bis zwei Meter. Einsatzgebiete sind vor allem der Indische Ozean, der Atlantik, der Pazifik und die südafrikanische Küste.

Mit im Programm hat Cavida auch Desinfektionslösungen für Sportler, wasserdichte Hüllen für Handys und Fotoapparate und die Echtholz-Sonnenbrillen, natürlich in nachhaltigen Zelluloseboxen.

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