„Haben Fehler gemacht“

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Dr. Peter Liese spricht engagiert gegen Atomstrom. ▪

NEUENRADE ▪ Ein Umdenken habe ihm die Atomkatastrophe von Fukushima beschert: „Wir müssen einsehen, dass wir einen Fehler gemacht haben“, gestand der CDU-Europa-Abgeordnete Dr.

Peter Liese am Montagabend im Restaurant Kaisergarten: „Japan war eine Zäsur und es wäre arrogant, einen Unfall in Deutschland definitiv auszuschließen.“Weiter erklärte der Politiker: „Wir hätten natürlich sofort die zwei ältesten Meiler abstellen müssen.“ Warum die Bundesregierung anders entschieden habe, begründete Liese so: „Dann hätte der Wähler so kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg gesagt: ‚Ihr verarscht uns nur‘. Deshalb war das Atom-Moratorium politisch das einzig Mögliche.“ Dass nun die Energieerzeuger Entlassungen mit dem Atomausstieg begründeten, nannte der CDU‘ler schlicht „unglaubwürdig“.So kämpft nun Liese für den Ausbau regenerativer Energien: „Auch fossile Brennstoffe müssen auf Dauer einen viel geringeren Anteil haben, da sie mit einer Reihe von gravierenden Problemen verbunden sind“, ergänzte der Christdemokrat. Denn etwa durch Kohlekraftwerke würde Kohlendioxid erzeugt und CO2 habe einen großen Anteil am Klimawandel: „Und dieser führt zu dramatischen Überschwemmungen, der Ausbreitung von Wüsten, der Zunahme von Erkrankungen sowie Millionen von Flüchtlingen.“Außerdem folgten Klimaveränderungen „wirtschaftlich jedes Jahr Einbußen – vergleichbar mit der Finanzmarktkrise rund um den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers.“Schließlich „führt unsere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen dazu, dass wir uns nicht ausreichend für Menschenrechte, Demokratie und Frieden einsetzen“, räumte Liese ein.Zwar sei es ein Problem, dass es gar keinen europäischen Strom-Binnenmarkt gebe, doch importiere Deutschland auch Atomstrom aus Tschechien. Aus diesem Grunde schrieb Bürgermeister Klaus-Peter Sasse dem Europa-Abgeordneten ins Stammbuch, es müsse dafür gesorgt werden, dass „zumindest in Europa“ alle Länder – „auch Frankreich“ – aus der Kernenergie aussteigen. Dem stimmte Liese zu, denn das für Deutschland gefährlichste Atomkraftwerk stünde im Elsass – „nur 30 Kilometer von Freiburg entfernt“.Und nicht nur umweltpolitisch sei ein Ausstieg von Vorteil: „Dänemark und Österreich kommen komplett ohne Kernenergie aus. Und die haben eine niedrigere Arbeitslosenrate und ein höheres Wirtschaftswachstum als wir.“Denn in weniger als zehn Jahren seien regenerative Energien günstiger als konventionelle. Zudem schafften sie viele Tausend Arbeitsplätze. Ebensolche Folgen zeigten Bemühungen um Energieeffizienz: „Das europaweite – unverbindliche – Ziel, 20 Prozent Strom einzusparen, entspricht einer Leistung von 213 Atomkraftwerken. In Europa gibt es aber nur 143.“ ▪ Michael Koll

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