Ein gutes Miteinander

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Eine Tafel erinnert heute an die jüdische Gemeinde und deren Friedhof.

NEUENRADE -   Ein Gedenkstein ist heute der einzige Ort, der an die Geschichte der jüdischen Gemeinde der Stadt Neuenrade erinnert. Einige Meter südlich des heutigen Volksbankgebäudes liegt er an einem Ort, an dem sich früher der jüdische Friedhof befunden hat.

Seit wann genau es jüdische Bürger in Neuenrade gab, lässt sich nicht feststellten. Erst für die Zeit nach Ende des 30-jährigen Krieges gibt es schriftliche Zeugnisse. 1655 wird ein Jude Salomon erwähnt, der als Glasmacher arbeitete. Den selben Beruf übte ein jüdischer Bürger im Jahre 1662 aus, der Hertzog oder auch Hertz Markus genannt wurde.

Für das Jahr 1737 sind fünf jüdische Familien in Neuenrade belegt, mit insgesamt 21 Personen. Für Neuenrade sind auch Streitigkeiten bezeugt, die aber – in Betrachtung der Zeitabstände – nicht auf Spannungen zwischen den Glaubensgemeinschaften schließen lassen. 1721 wurden zwei Brüder zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem sie Steine auf die Laubhütte des Juden Joseph geworfen hatten. 1737 wollten die Kaufleute J. G. Scheve und Leopold von der Crone dem jüdischen Kaufmann Marcus Joseph den Gewürzhandel verbieten lassen.

Im Verlauf des 19. Jahrhundert lebten durchschnittlich etwa zwei bis vier jüdische Familien in Neuenrade. Das Miteinander verlief durchgehend gut. An den im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen jüdischen Bürgern nahm die Bevölkerung allgemeinen Anteil.

Der jüdische Friedhof wurde erstmals 1776 erwähnt, der sich an der nördlichen Böschung des „Stadtwalls“ befand. Als das Wallareal 1840 in eine Promenade umgewandelt werden sollte, kam es zu einem langjährigen Rechtsstreit. Erst 1865 wurde entschieden, den Friedhof zu erhalten, aber nicht mehr zu nutzen. Ein neuer Friedhof entstand an der Landwehr gut 700 Meter nordöstlich der Altstadt. Dieser Friedhof wurde von der Familie Lewin im Jahr 1938 an die Stadt verkauft. Ein Jahr später wanderten Lewins, als letzte jüdische Familie Neuenrades, aus Angst vor der stärker werdenen Verfolgung durch die Nationalsozalisten nach Chile aus.

Von Sebastian Berndt

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