Trotz warmer Worte zum Abschied

Gut 20 Jahre Kulturbeauftragter: Am Ende bleibt bei Josef Brockhagen auch Enttäuschung

Josef Brockhagen muss sich keine Gedanken um Karten für städtische Kulturveranstaltungen machen: Bürgermeister Antonius Wiesemann und Kulturfachfrau Monika Arens überreichten ihm einen Gutschein auf Lebenszeit.
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Josef Brockhagen muss sich keine Gedanken um Karten für städtische Kulturveranstaltungen machen: Bürgermeister Antonius Wiesemann und Kulturfachfrau Monika Arens überreichten ihm einen Gutschein auf Lebenszeit.

Obwohl er sich über die lobenden Worte von Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) und Kulturfachfrau Monika Arens sichtlich freut – die Enttäuschung kann Josef Brockhagen nicht verbergen.

Seit 1999 war der Neuenrader Christdemokrat Vorsitzender des Kulturausschusses. Das hat sich nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr geändert – beziehungsweise nach dem Ringen der Parteien um die Vorsitze der einzelnen Ausschüsse.

„Vor der Wahl bin ich davon ausgegangen, dass ich erneut den Vorsitz des Kulturausschusses für fünf Jahre übernehme, wenn ich noch einmal für die CDU antrete“, erzählt der 66-Jährige. Er gibt unumwunden zu: „Ich hätte gerne noch weitergemacht.“

Dank für „überragendes Engagement“

Dass der Neuenrader „für die Kultur brennt“, das bezeugt Monika Arens ohne mit der Wimper zu zucken. Für das „überragendes Engagement“ des ehemaligen Vorsitzenden bedankte sie sich jetzt gemeinsam mit Bürgermeister Antonius Wiesemann bei Josef Brockhagen. In der offiziellen Verlautbarung der Stadt heißt es dementsprechend: „Wie kein anderer vor ihm setzte er sich leidenschaftlich dafür ein, dass die Kulturveranstaltungen in Neuenrade zu einem Aushängeschild für die Stadt wurden.“ Arens, die mehr als 21 Jahre mit dem Kulturauschuss-Vorsitzenden Brockhagen zusammengearbeitet hat, berichtet von vielen gemeinsamen Erlebnissen und spart nicht mit Lob.

So habe sich der ehemalige Vorsitzende auch um Dinge außerhalb seiner Kern-Zuständigkeit gekümmert; unter anderem, um das Finanzielle. „Im Spendensammeln war Josef Brockhagen einfach unschlagbar.“ Seinem Engagement sei es zu verdanken, dass auf der Kleinstadtbühne viele bekannte Sänger, Schauspieler und Shows zu bewundern waren, die man allein aus dem städtischen Kulturbudget nicht hätte finanzieren können. „Das Klinkenputzen war mir nicht peinlich“, stellt Brockhagen fest. Augenzwinkernd erinnert er sich an Besuche bei möglichen Sponsoren: „Ich habe gesagt: ,Wenn Du jetzt spendest, dann hast Du sieben Jahre Ruhe vor mir.“ Er sei nie von einem Sponsor abgewiesen worden, und habe im Laufe der Jahre etwa 260 000 Euro an Spendengeldern sammeln können.

Auch für organisatorische Angelegenheiten verantwortlich

Und nicht nur das. Brockhagen kümmerte sich auch mit um organisatorische Angelegenheiten. Als Beispiel führt Monika Arens die Kinderveranstaltung mit dem beliebten Feuerwehrmann Sam an: Eigentlich hätte ein Feuerwehrauto auf der Bühne zur Show gehört. Das sei aber aufgrund der Größe des Kaisergartens einfach nicht möglich gewesen. Josef Brockhagen leistete Überzeugungsarbeit – und es gelang ihm, die Sam-Show auch ohne Feuerwehrauto in die Hönnestadt zu holen.

Bürgermeister Antonius Wiesemann spricht von absoluter Verlässlichkeit – und Monika Arens bestätigt: „Josef Brockhagen war immer da, wenn man ihn gebraucht hat.“ Ein Anruf habe genügt, und eine halbe Stunde später sei der Ausschussvorsitzende vor Ort gewesen. Keine Arbeit habe er gescheut, erinnert sich die Kulturfachfrau. So habe er beispielsweise mit seiner Ehefrau Maria Schnittchen geschmiert, um die Aktiven des Musikvereins Gerlingen zu beköstigen – und gleichzeitig die Kosten für die Stadt Neuenrade niedrig zuhalten.

Unterstützung weiterhin erwünscht

„Wir haben Josef Brockhagen gebeten, uns im Kulturbereich weiterhin zu unterstützen“, unterstreicht Bürgermeister Antonius Wiesemann. Der CDU-Politiker habe dafür gesorgt, dass die Kulturveranstaltungen in Neuenrade zu einem Aushängeschild für die Stadt wurden.

Die Frage nach seiner Lieblings-Kulturveranstaltung in Neuenrade kann Josef Brockhagen übrigens ohne Zögern beantworten: „Die kommt noch“, kündigt er schmunzelnd an. Er sei ein großer Fan von Dieter Nuhr. „Eigentlich sollte der immer mal nach Neuenrade kommen. Aber bisher hat es nicht geklappt“, erzählt Brockhagen. Doch Aufgeben, das komme – wieder mal – nicht in Frage: Er habe Karten für einen Auftritt des Kabarettisten in der Hagener Stadthalle im Mai. „Falls die Veranstaltung trotzder Corona-Pandemie stattfindet, werde ich im Vorfeld versuchen, einen Gesprächstermin mit Dieter Nuhr hinter den Kulissen zu vereinbaren. Vielleicht kann ich ihn überzeugen, dass er demnächst nach Neuenrade kommt.“

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