Tanks gut gefüllt

Gülle macht den Landwirten zu schaffen

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Tobias Brüser, Tobias Maas und Max Löffler vom Hof Maas mit Ortslandwirt Ulrich Peterschulte (von links) vor dem großen Tank. Die Abdeckung schützt den Inhalt vor Niederschlag, minimiert den Geruch und sorgt dafür, dass die Nährstoffe erhalten bleiben.

Neuenrade - Die Gülletanks der Neuenrader Landwirte sind gut gefüllt. Viele konnten die Gülle aber noch nicht aufs Feld bringen. Schuld sind vor allem die Düngeverordnung und das Wetter.

Erst seit einer knappen Woche dürften Landwirte ihre Gülle überhaupt verteilen: Von Anfang November bis Ende Januar verbietet die Düngeverordnung, „Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff“ – wozu auch Gülle gehört – auszubringen.

Auf Ackerland ist zum Teil schon im September gezwungenermaßen Schluss. Außerdem darf nicht mehr überall Gülle genutzt werden, sondern nur dort, wo es auch erwiesenermaßen sinnvoll ist.

Seit 2017 ist die Verordnung in Kraft, und aus diesem Jahr stammt auch noch ein großer Teil der gelagerten Gülle. Grund ist der vergleichsweise feuchte Herbst, erklärt Ortslandwirt Ulrich Peterschulte, dessen Hof bei Affeln liegt. „Ansonsten hätten wir noch eine ganze Menge rausbringen können.“

Das Wetter ist ein wichtiger Faktor

Sind Äcker und Grünland nämlich zu feucht, dann lassen sie sich mit Traktor und Güllebehälter kaum befahren. Eine Schneedecke verhindert zudem, dass die Gülle in den Boden einsinkt und so überhaupt wirken kann.

Wenn es frostig ist, dann ist der Boden zwar befahrbar. „Der Frost wirkt aber wie Beton“, erklärt Ulrich Peterschulte. Kommt dann noch Niederschlag dazu, wird die Gülle weggeschwemmt. Damit sie ihre Wirkung entfalten kann, müsse der Boden am Tag mindestens einmal auftauen, wie Tobias Maas ergänzt, dessen Hof in der Nähe von Küntrop liegt.

Idealerweise kommt die Gülle vor einem Regenfall aufs Feld. Das trägt nicht nur zu ihrer Wirkung bei, sondern dämmt auch die Ausgasungen ein – es stinkt nicht so stark. „Dafür müssen wir unter Umständen auch mal nachts raus“, sagt Maas. „Das tun wir aber nicht aus Provokation oder um irgendetwas zu vertuschen.“

90 Prozent sind Wasser

Neben der Wetterbeobachtung müssen die Landwirte auch in anderer Hinsicht den richtigen Zeitpunkt treffen, denn die Gülle soll genau dann an die Pflanze, wenn die anfängt zu wachsen. Und das ist für jedes Saatgut unterschiedlich.

„Nichts ist sinnvoller, als die eigenproduzierten Nährstoffe zu nutzen“, betont Tobias Maas. Weil die Gülle zu etwa 90 Prozent aus Wasser besteht, sind große Mengen davon nötig und auch die entsprechenden Lagerkapazitäten müssen vorhanden sein, in seinem Fall fasst der große Tank 3000 Kubikmeter. Dieser ist momentan zu etwa fünf Sechsteln gefüllt.

Der Inhalt soll möglichst in der Region bleiben, sagt Peterschulte. Das wird nicht überall so gesehen, regelmäßig bekomme er Angebote, Gülle etwa aus dem Münsterland zu beziehen. Die Neuenrader Bauern lehnen das ab, wie der Ortslandwirt betont: „Wir wollen keinen Gülle-Tourismus fördern – abgesehen davon, dass wir selbst genug haben.“

Die Güllebörse ist keine Lösung

In vielen Regionen verkaufen Bauern große Mengen auf einer Güllebörse. Das führe aber zu enormen Transportkosten. Vielmehr würden die Neuenrader Landwirte versuchen, ihre Gülle bei benachbarten Berufskollegen unterzubringen, falls die eigenen Tanks voll sind.

Viele Landwirte haben in den vergangenen Tagen die Chance genutzt und ihre Gülletanks etwas geleert. Das ist auch eine wirtschaftliche Abwägung, denn die Gülle hat einen bestimmten Wert und ihre Wirkung beeinflusst die Ernte. Wie die ausfällt, hängt entsprechend wieder maßgeblich von der Wetterentwicklung der nächsten Wochen ab.

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