Gründungsurkunde: Ein Dokument der Freiheit

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Dr. Rolf Dieter Kohl (re.) erläutert die Bedeutung der Gründungsurkunde im Beisein von Bürgermeister Antonius Wiesemann und Stadtsoldat Bernd Uerpmann und machen gleichzeitig Werbung für das Gertrüdchen.

Neuenrade - Für historisch Interessierte bietet sich derzeit eine seltene Gelegenheit: Im Foyer des Neuenrader Rathauses ist eine Kostbarkeit ausgestellt: Die Gründungsurkunde der Stadt Neuenrade.

 Neuenrades Stadtarchivar, Dr. Rolf Dieter Kohl, einst Kreisarchivar, hat die Urkunde als Ausstellungsstück zur Verfügung gestellt. „Es ist ein Ausnahmestück, ganz selten“, betonte der einstige Kreisarchivar. Nur wenige Städte könnten eine Gründungsurkunde vorweisen, zumal noch mit genauem Datum. Entsprechend vorsichtig wird die Urkunde in der Vitrine behandelt.

Nicht lange darf sie dem Licht ausgesetzt werden, da das dem Pergament schaden kann. Dr. Kohl ist froh, dass die Originalurkunde, welche er aus unwürdiger Aufbewahrung in Altena für Neuenrade quasi gerettet habe, noch recht gut erhalten sei. Aufbewahrt wird sie sonst im Dunkeln und säurefreien Mappen.

 Verfasst ist der Text der Urkunde nicht – wie damals wohl üblich – in Latein, sondern in Mittelniederdeutscher Sprache. Die habe viele Elemente des Plattdeutschen, erläuterte Dr. Kohl. Der Grund sei eben, dass diese Urkunde damals allgemeinverständlich sein sollte. Historisch interessante Details sind das Reitersiegel des Grafen Engelbert und die Seidenschnüre mit denen das Siegel an der Pergamenturkunde befestigt ist. Das Dokument wurde dem ersten Bürgermeister Neuenrades, dessen Name heute nicht mehr bekannt sei, in die Hand gedrückt.

Frühe Kommunale Selbstverwaltung

Für Dr. Rolf Dieter Kohl ist diese Urkunde, welche auch das Recht der Stadt, drei Märkte auszurichten (darunter eben auch das heutige Gertrüdchen), daher auch „ein Dokument der kommunalen Selbstverwaltung“. Denn die städtischen Bürger hätten damals durch die Stadtrechte auch entsprechende Freiheitsrechte erhalten. Dr. Kohl verwies zur Ausstellungseröffnung auch auf die besondere politische Bedeutung der seinerzeitigen Stadtgründung. Graf Engelbert III habe mit der Gründung der Festungsstadt Neuenrade am 25. Juli 1355 in Richtung der Arnsberger Grafen „ein Zeichen gesetzt“.

Das wertvolle Dokument ist eine gute Woche lang im Rathaus während der Geschäftszeiten zu besichtigen.

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