Großviehhandlung in der dritten Generation

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Jürgen Humke führt die Viehgroßhandlung schon in der dritten Generation. ▪

NEUENRADE ▪ Montags ist Kälbchentag bei der Viehhandlung Humke. Ein großer LKW fährt rückwärts an das Stalltor heran und klappt eine Rampe in den Eingang. Die 150 Kälber stehen dicht zusammengedrängt im Stall, während Markus Göddecke die Tiere für die erste Lieferung aussucht.

Mit insgesamt 2000 Kälbern und ausgewachsenen Rindern handelt das Unternehmen von Jürgen Humke jeden Monat. Die Aushilfen mitgezählt sind es zwischen zwölf und 15 Personen, die regelmäßig für die Firma arbeiten, sieben LKWs sind im Einsatz.

Der 45-Jährige Jürgen Humke führt den Betrieb schon in der dritten Generation, 2004 übernahm er das Geschäft von seinem Vater und kooperiert seitdem mit Markus Göddecke. Im Jahr 1933 gründete Humkes Großvater Paul das Viehhandels-Unternehmen, das über die Jahre sein Einzugsgebiet von Dortmund über das Bergische Land, das Siegerland und das Sauerland bis nach Hessen ausgedehnt hat.

Wie alle landwirtschaftlichen Betriebe ist auch das Geschäft der Humkes starken Schwankungen unterworfen. „Die größte Katastrophe war BSE im Jahr 2001“, erklärt Humke. „Da hatten wir Probleme mit dem Absatz.“

Anfang der 90er Jahre, nach der Wende, waren zu viele Tiere auf dem Markt, weil in der ehemaligen DDR riesige Betriebe aufgelöst wurden, um Geld einzunehmen. „Aber da konnte man wenigstens verkaufen“, sagt der Unternehmer heute.

2000 Personen umfasst seine Kundendatei, etwa die Hälfte davon bildet den festen Kundenstamm. Die meisten Kälber, die Jürgen Humke weiterverkauft, bleiben bei deutschen Mästern. Die Supermärkte fragen nach den „drei D’s“: deutsche Geburt, deutsche Mast und deutsche Schlachtung. Mit diesem Qualitätsmerkmal ließe sich das Fleisch später besser bewerben und zu einem höheren Preis verkaufen, erklärt der Unternehmer.

Außerdem sei es ihm wichtig, den heimischen Markt zu unterstützen, sagt Humke. „Und ich habe es lieber, wenn die anderen die gleiche Sprache sprechen wie ich.“

ürgen Humke hat einen langen Arbeitstag: um 7 Uhr fängt er morgens an, abends kommt er zwischen 7 und 8 Uhr nach Hause. Dann verbringt er noch Zeit damit, Tiere vorzusortieren, zwischen 9 und halb 10 macht er Feierabend.

Sein Job mache ihm Spaß, erzählt er: „Ich bin mein eigener Chef und kann mir meine Arbeitszeiten frei einteilen.“ Nur die zunehmende Bürokratie störe ihn. „Früher wurden die Tiere nicht gekennzeichnet, heute hat jedes seinen eigenen Pass.“

Dass die Schreibarbeit inzwischen einen großen Teil seines Arbeitstages ausfüllt, zeigt schon ein Blick in sein Büro: an den Wänden hinter den großen Schreibtischen stehen schwere Schränke, die bis zur Decke mit Aktenordnern gefüllt sind. Diese Entwicklung sieht er als die wichtigste im Vergleich zur Arbeit seines Großvaters.

Auch die Verhandlungen beim Vieheinkauf laufen inzwischen anders ab: heute wissen die Kunden dank Fachzeitungen und Internet bestens über die Preise Bescheid und die Besprechungen gehen schnell über die Bühne. „Früher war das alles ruhiger“, sagt Jürgen Humke und lacht. „Das dauerte einen halben Nachmittag, bis die sich einig waren, vielleicht waren sie dann auch noch betrunken.“

Von Constanze Raidt

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