Großtiere in völlig verdreckten Boxen

NEUENRADE ▪ Das Foto spricht für sich: Kot und Urin haben zusammen mit den Resten von Einstreu ein schwärzliche Masse gebildet. Der Esel muss in seinen eigenen Exkrementen stehen, das Tier ist total verdreckt. Sollten die Fotos authentisch sein, dann wird hier gegen den Tierschutz verstoßen. Betroffen ist nicht nur der Esel auch Pferde müssen offenbar unter diesen Bedingungen leben.

Schon seit Monaten gibt es Gerüchte um unhaltbare Zustände auf jenem Altenaffelner Anwesen. Nachfragen beim zuständigen Amtstierarzt des Märkischen Kreises, Dr. Sinn, ergaben im Sommer, dass die Besitzerin der Tiere Probleme habe. Die Situation sei bekannt, werde sich bald durch einen Wegzug erledigen. Aktuell auf die Fotos angesprochen, bestätigte der Amtstierarzt, die schlechten hygienischen Zustände, sagte aber gleichwohl, dass die Tiere gut genährt seien und ein akuter Handlungsbedarf nicht bestehe. Es bestehe zudem Konsens, dass die Tiere weg müssten. Zudem betonte er, dass dort das Miteinander gestört sei. Sinn sprach von „einem massiven Krieg“, wollte sich nicht weiter äußern und verwies an die Polizei. Die Polizei war bei der jüngsten Begehung am Samstagvormittag dabei.

So berichtete Polizeisprecher Dietmar Boronowski, dass die Kollegen mehrfach vor Ort gewesen seien, die Angelegenheit notiert hätten. Doch es sei nicht derartig schlimm gewesen, dass man akut hätte reagieren müssen. Zudem sei die zuständige Stelle über die Missstände offiziell informiert. Der Tierarzt müsse jetzt sicher von Amts wegen reagieren und gegebenenfalls Anzeige wegen Tierquälerei und möglicher anderer Vorwürfe erstatten.

Bärbel Keiderling, Grünen-Politikerin in Plettenberg, offenbar von Bürgern um Hilfe gebeten worden, kümmert sich nun massiv um diese Sache. Sie ist erschüttert angesichts der Zustände, sie ist auch erschüttert angesichts der Behörden, die hier nicht vernünftig reagiert und die schlimmen Zustände ignoriert hätten. „Seit geraumer Zeit hat das Veterinäramt Kenntnis von dieser würdelosen Tierhaltung in Kot, Urin und Dunkelhaft.“ Ihr Vorwurf: Der Amtstierarzt habe die Sache ausgesessen.

Nun werden Tierschützer massiv aktiv: Als die Besitzerin jüngst nicht zu Hause gewesen sei, blieb offenbar eine Stalltür auf, jemand ergriff die Gelegenheit, so Keiderling, die Situation mit der Kamera zu dokumentieren: „(...) Nach anfänglichen Atemproblemen aufgrund des bestialischen Gestanks und nach dem Ausrutschen in Urinbächen, die aus den Boxen rinnen, fasste sich diese tapfere Person ein Herz und machte Fotos. Diese liegen nun dem Tierschutzbund, dessen Anwalt, der Kreistagsfraktion der Grünen (...) vor.“ Die prompte Anfrage der Grünen beim Landrat habe mit einer „Aneinanderreihung von Unsäglichkeiten“ geendet. Zudem habe man informiert, dass die Frau einen therapeutischen Reiterhof betreiben wolle – das könne nicht sein, schreibt Bärbel Keiderling erschüttert. ▪ vdB

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare