Aufbau hat begonnen

Großbaustelle Kohlberg: Windräder wachsen in die Höhe

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Der Baukran auf dem Kohlberg wird mit Gegengewichten bestückt (links), um die tonnenschweren Bauteile der Windräder in eine Höhe von bis zu 165 Metern heben zu können.

Neuenrade – Großbaustelle Kohlberg: Seit den Bergwerkszeiten des Mittelalters und des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts hat dieser Berg so viel industrielle Aktivität wohl nicht mehr gesehen.

Nach Eisen wird hier allerdings schon lange nicht mehr geschürft, stattdessen ist nun der Wind, der über die Kohlberger Höhen weht, das begehrte Gut. Denn dieser soll demnächst von sechs gerade im Bau befindlichen Windenergieanlagen zur Stromproduktion eingefangen werden. 

Großes, hochmodernes Gerät kommt ganz aktuell zum Einsatz, um die gewaltigen Anlagen mit einer Gesamthöhe von knapp 200 Metern zu installieren. Der größte Teil der Waldwege wurde und wird mit tausenden Tonnen Schotter befestigt. Der Baustellenverkehr ist nicht ohne: Betonmischer, Lastwagen und geländegängige Fahrzeuge rumpeln über die Schotterpiste, ziehen bei trockenen Wetter lange Staubfahnen hinter sich her. 

Sicherheitsbeauftragte patrouillieren

Auch Sicherheitsbeauftragte patrouillieren von einem Windrad zum anderen. Dazwischen immer mal wieder Spaziergänger oder Schaulustige. Darunter extrem Neugierige, die versuchen auf die Baustelle zu gelangen, um sich die Arbeiten aus der Nähe anzusehen. Kein ungefährliches Unterfangen, wenn tonnenschwere Lasten durch die Luft bewegt werden. 

In dieser Gondel steckt das technische Herz der Windkraftanlagen.

Rein rechnerisch ist dieser Windpark nach Fertigstellung in der Lage, jede Menge Strom zu liefern. „Die Windenergieanlagen in Neuenrade werden zusammen 45 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom pro Jahr produzieren und könnten damit rechnerisch den gesamten privaten Stromverbrauch der Neuenrader und Altenaer klimaneutral decken“, sagt Maureen Nauen, Sprecherin des Investors SL-Naturenergie. Dabei geht sie von dem Jahresdurchschnittsverbrauch eines Drei-Personen-Haushaltes aus. Das sind 3500 Kilowattstunden. Altena und Neuenrade haben zusammen rund 30 000 Einwohner. 

Bürgerinitiative wehrt sich weiter

Doch Wind weht nicht immer und da ist auch noch das Naherholungsgebiet Kohlberg, das zweifellos von vielen Bürgern der Umgebung für ihre Freizeitaktivitäten genutzt wird. Auch gibt es die Naturschützer, welche die Tierwelt durch die sechs XXL-Windräder gefährdet sehen. Nicht von ungefähr existiert die Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“, die mit Hilfe der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) jüngst gegen das Vorhaben geklagt und verloren hat. Vor dem Oberverwaltungsgericht will die LNU allerdings ein weiteres Verfahren, eine Entscheidung hierüber steht noch aus. 

Einstweilen werden die Windenergieanlagen gebaut, an allen sechs wird aktuell gearbeitet – in unterschiedlichen Stadien. Für eine Anlage ist nur die Baugrube bis auf den Fels ausgehoben, bei einer anderen wird noch an dem eisernen Fundamentgerüst gearbeitet, eine weitere ist für die Betonierung bereit, zwei weitere Fundamente sind bereits betoniert. Und an einer Anlage beginnt schon der Aufbau des Windanlagenturms. 

Ein Spanier als Bauleiter

Salvador Villalpando ist Leiter dieser großflächigen und weit auseinandergezogenen Baustelle. Der gebürtige Spanier mit Familie und Lebensmittelpunkt in Deutschland kümmert sich auch noch um andere Projekte von SL-Naturenergie. Zum Beispiel in Niederkrüchten (Kreis Viersen) und in Coesfeld (zusammen 23 Windenergieanlagen), wobei Coesfeld voraussichtlich bis Frühjahr 2021 in Betrieb genommen wird. 

Bau der Windenergieanlagen schreitet voran

In diesen Tagen hat Villalpando in Neuenrade gut zu tun. Schwertransporte zur Baustelle gilt es zu koordinieren, hinzu kommen die Arbeiten der Betonarbeiter, der Mannschaft des Kranbetriebes, der Monteure und Tiefbauer. An der am weitesten fortgeschrittenen Baustelle wird in dieser Woche ein großer Raupenkran aufgebaut. Dieser Kran, etwa so breit wie drei nebeneinander parkende Kleinwagen, steht schon auf einer kleinen Eichenbohlen-Straße und kann sich vor und zurück bewegen. Wenn das gewaltige Gerät mit seinen mannshohen Raupenketten fährt, knirscht und knackt es gewaltig, kleine Steinchen, die im Weg liegen, werden zu Staub zerbröselt. Villalpando: „Jede Kette wiegt schon 42 Tonnen.“ 

Ausleger wächst auf 165 Meter

Derzeit wird der Kran mit gewaltigen Gegengewichten bestückt. Das geschieht mit Hilfe eines anderen Krans, der die tonnenschweren Elemente auf dem Auslegergestell platziert. Wenn der Kran fertig aufgebaut ist, misst der Ausleger knapp 130 Meter. Dann werde zuerst die Kellerdecke aufgebracht, anschließend soll die Montage der Betonelemente des Turms erfolgen, erläutert Villalpando. Wenn schließlich die Stahlkomponenten aufgesetzt werden, muss der Ausleger des Krans noch einmal verlängert werden – auf dann 165 Meter. Denn knapp 200 Meter misst jedes der Windräder nur mit hochstehendem Flügel. Schließlich wird die Gondel aufgesetzt, an der die Rotoren/Flügel hängen. 

Der Spanier Salvador Villalpando leitet die Windkraft-Baustelle auf dem Kohlberg.

„Die Gondel ist das Maschinenhaus“, erläutert der Bauleiter. Es enthält die Technik, eine getriebelose Anlage, mit der Strom erzeugt wird. Eine beeindruckende Zahl hat der Bauleiter noch: „Der Generator wiegt 80 Tonnen.“ Gewartet werden sollen die Windräder nach Inbetriebnahme von innen. Erreichbar ist das technisches Herzstück jeder der sechs Anlagen mit Fahrstuhl und Leiter. Über die Diskussion um die Windräder am Kohlberg wundert sich der Spanier und blickt dabei auf sein Heimatland: „Windenergieanlagen sind dort überhaupt kein Thema, es wird darüber nicht diskutiert. In Deutschland allerdings schon. In meinem Freundeskreis sind einige dagegen. Wir diskutieren häufig und gerne. Am Ende trinken wir trotzdem ein Bier miteinander.“ Der Neuenrader Windpark soll mit Bürgerbeteiligung betrieben werden, derzeit wird an einem Beteiligungskonzept gearbeitet. Geld fließt an die Stadt, wenn die Anlagen ans Stromnetz angeschlossen sind – und vorausgesetzt, die Richter haben abschließend entschieden und das Projekt für rechtens erklärt.

Hinter der SL-Naturenergie steckt der Unternehmer Klaus Schulze Langenhorst. Seit Mitte der 1990er-Jahre macht er Geschäfte mit Windrädern und Photovoltaikanlagen. Seine erste Windenergieanlage nahm er 1996 auf dem elterlichen Hof in Betrieb. Schulze Langenhorst ist auch als Lobbyist und Aktivist unterwegs. Er hat eine Führungsfunktion im Landesverband Erneuerbare Energien (LEE). Der Windpark auf dem Kohlberg würde gut in das Portfolio seiner Unternehmensgruppe passen. So betreiben seine Unternehmungen laut eigener Aussage„85 laufende Anlagen“, verteilt auf 25 Gesellschaften. Das Unternehmen zählt 30 Mitarbeiter.

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