"DIY" im Juz

Neue Graffitis fürs Jugendzentrum

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Graffiti-Workshop im Jugendzentrum

Neuenrade - Viele Jugendliche gestalten ihr Jugendzentrum selbst. Auch in Neuenrade gehen die Besucher diesen Weg. Ein Teil beteiligte sich an einem Kurz-Workshop mit Yves Thomé, um einen Innenraum zu verschönern. Doch: Sprühen will gelernt sein.

Wer je in seinem Leben versucht hat, etwas mit der Sprayflasche zu lackieren, der weiß das. Und so gilt auch für die Graffiti-Kurse von Yves Thomé: Bevor man sein Kunstwerk an die Wand bringt, sollte der Sprayer ein paar wichtige Handgriffe und Techniken für diese Kunstform einigermaßen anwenden können. Im Jugendzentrum Neuenrade können sich die Teilnehmer dabei glücklich schätzen, dass direkt neben dem Gebäude eine lange Mauer existiert, auf der sie unbedarft wichtige Handgriffe und Spraytechniken üben können, ohne ein Bild zu verhunzen. Dabei amüsierten sich die Teilnehmer, meist im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, bestens. Zumindest wurde viel gelacht – auch wenn der eine oder andere Turnschuh plötzlich ein neues Farbdesign bekam. Ansonsten waren die Teilnehmer aber gegen versehentlichen Farbauftrag ganz gut geschützt: Gummihandschuhe, Masken sowieso, Mülltütenhemden und Kopfschutz – dann konnten die angehenden Sprayer gut loslegen. Es galt Flächen und Linien unterschiedlicher Breite und Dichte ohne Tränen und Farbverläufe zu sprayen. 

"Mädchen sind die talentierteren Sprüher" 

Die Bistro-Wand hat nun ein neues Out-Fit.

Dabei zeichnete sich durchaus ab, dass hier Fingerfertigkeit für Variationen des Sprühstoßes und ein ruhiger Arm besonders wichtig sind. Thomé gab immer mal wieder Tipps: „Aus dem Arm sprühen, nicht aus dem Handgelenk. Flächen sollten immer mit parallelen Sprüh-Strichen mit Farbe gefüllt werden, um ein Verlaufen zu vermeiden. Linien sollten mit Gefühl und schnellen Bewegungen gesprayt werden, dann werden sie auch dünn.“ Einige haben schon Spaß an der Sprayerei gefunden. Die 16-Jährige Chiara war schon bei einem anderen Workshop dabei und findet eben Gefallen an dieser Kunstform. Es ist schon ein Hobby für sie. Yves Thomé jedenfalls hat für die jungen Frauen viel Lob übrig. „Nach 25 Jahren Workshop kann ich sagen: Mädchen sind die talentierteren Sprüher. Zumindest in dem Alter sind Mädchen einfach kreativer. Aber es gibt natürlich auch kreative Jungs.“ Timothy, 18 Jahre alt, war auch Workshop-Teilnehmer und mit Freude und dem gebotenen Ernst bei der Sache. Er sprayt „auch privat ein bisschen.“ Im Jugendzentrum Jedenfalls gestalteten die Workshop-Teilnehmer nach dem Übungsintermezzo an der Außenmauer dann die Wand im Café- und Bistro-Bereich. Ein insgesamt knappes Unterfangen, dauerte der Kurzworkshop doch nur rund vier Stunden. Unter der professionellen Anleitung von Thomé gelang die Gestaltung.

"Partizipation"

 Für Sozialarbeiterin Sinja Marie Gräf hat die eigenständige Gestaltung des Jugendzentrums durch Jugendliche natürlich auch einen pädagogischen Hintergrund. „Das ist Partizipation. Es ist wichtig, dass sich die Jugendlichen einbringen können.“ Partizipation heißt gemeinsames Planen, Handeln und Entscheiden. Eine Option die gelegentlich auch in der Politik Anwendung findet. Partizipation von Jugendlichen müsse gefördert werden, um ihren Bedürfnissen, Interessen und Ideen besser Rechnung tragen zu können, heißt es bei Erziehungswissenschaftlern. In Ansätzen gibt es das Thema Partizipation auch in der Neuenrader Gesellschaftspolitik. Zum Beispiel die Aktion „Wir sind Bürgermeister“. Kinder marschierten los, benannten Missstände, formulierten Bedürfnisse, dokumentierten und entwickelten Konzepte und Forderungen, besuchten den Bürgermeister und gewinnen Einblick in die Mechanismen der Politik. PETER VON DER BECK

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