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Spray-Aktionen kosten viel Geld

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Von: Peter von der Beck

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Graffiti an der Bahnüberführung Hüttenweg
Die ziemlich neue Straßenüberführung an der K12 / Hüttenweg wird inzwischen als Projektionsfläche für alle möglichen Sprayaktionen und Sprüche genutzt. © Peter von der Beck

Graffiti-Botschaften werden teuer.

Neuenrade – Graffiti an der ziemlich neuen Bahnüberführung K12 / Hüttenweg. Die einstmals kahlen Betonwände, gleich neben dem neuen Willkommensgruß für Neuenrade-Besucher sind nun mannshoch vollgesprüht. Durchaus politische Botschaften wie Peace-Zeichen wechseln ab mit einer Art Königsporträt. Abkürzungen wie OKF ( Open Knowledge Foundation) sind ebenfalls aufgesprüht bis hin zu Statements wie „Hope“ und zumindest für Außenstehende nicht identifizierbare Wörter, Pokemons und Hinweisen auf tatsächliche Graffiti-Kunst wie Blue Elephant.

Nur verfassungsfeindliche Symbole verschwinden sofort

Für die Bahn ist das Ganze durchaus Thema: „Bei den Bauwerken, für die DB Netz verantwortlich ist, werden verfassungsfeindliche Symbole sofort entfernt, ansonsten erfolgt das Entfernen von Graffiti lediglich bei der nächsten Instandhaltung,“ sagte ein Bahnsprecher auf Nachfrage.

Ob nun diese diversen Graffiti möglicherweise einen künstlerischen Bezug haben, spielt dabei keine Rolle. Auf entsprechende Nachfrage heißt es von der Bahn: „Eine künstlerische Begutachtung durch die DB findet nicht statt.“

DB engagiert professionelle Graffiti-Künstler

Aber: In den vergangenen Jahren habe die DB einige Stationen in Nordrhein-Westfalen von professionellen Künstlern gestalten lassen. Die Kunstwerke böten auch einen gewissen Schutz vor Vandalen, denn erfahrungsgemäß respektierten Sprayer die Arbeit der Künstler und beschmierten sie nicht. Daher plane die Deutsche Bahn Graffitikunst auch an weiteren Bahnhöfen.

Zwölf Millionen Euro für Graffiti

Ansonsten hat die Bahn mit den Graffiti eigentlich nur Ärger: „Aufwand, Umweltbelastung und Kosten sind enorm.“ Dabei betrifft es nicht nur frisch gestrichene Wände sondern beispielsweise auch abgestellte Waggons. Die regionalen Schwerpunkte bei Graffitis liegen in den Ballungsräumen. Teuer ist es auf jeden Fall: Die Bahn beziffert 2021 den Schaden durch Graffiti und Vandalismus mit 36 Millionen Euro. Knapp 24 000 Fälle von Beschädigungen sind dabei auf Graffiti zurückzuführen – rund zwölf Millionen Euro musste die Bahn in Sachen Graffiti ausgeben.

Das viele Geld geht nicht nur für die Beseitigung drauf, sondern auch für Graffitischutz für Fahrzeuge und Bahnhöfe (Schutzlack, Schutzfolien, zusätzliche Lackschichten, bessere Beleuchtung, Sicherheitstechnik), sowie spezielle Einsatzteams der Deutschen Bahn. Tatsächlich werden auch Sprayer erwischt. Die Sicherheitskräfte der Bahn ertappen jährlich 800 Sprayer auf frischer Tat. Die Deutsche Bahn bemühe sich, Schäden frühzeitig zu entfernen, um „den Sprayern das Erfolgserlebnis“ zu schmälern.

Stark reizende Chemikalien

Der Aufwand, um die Graffiti zu entfernen ist hoch: Stark reizende Chemikalien sind nötig; langwierige Handarbeit wird fällig, um Schicht für Schicht abzutragen. Schwierig wird es allerdings bei historischen Gebäuden. Sandstein wird vom Sprühlack zerfressen, bei anderen Gesteinsarten wird die Luftdurchlässigkeit beeinträchtigt. Schimmelbildung und Feuchtigkeitsschäden sind die Folge.

Bleibt ein Hinweis der Bahn: Alle Verschmutzungen werden fotografiert und genau dokumentiert, Strafanzeige erstattet. Zudem macht die Bahn darauf aufmerksam, dass sie den materiellen Schaden über zivilrechtliche Forderungen 30 Jahre lang geltend machen kann. Hohe Beträge könnten dann viele Jahre später eingefordert werden, auch wenn die Täter zum Tatzeitpunkt noch Jugendliche gewesen seien.

ie Deutsche Bahn startet aber auch Präventionskampagnen zum Beispiel in Schulen, um Schäden aber auch Todesfälle durch riskante Sprayaktionen in Oberleitungsnähe oder Brücken zu verhindern.

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