„Grabsch mich nicht an!“

Der Vorwurf sexueller Belästigung wurde in Altena verhandelt.

Neuenrade - Hat ein 56-Jähriger aus Neuenrade ein elfjähriges Mädchen sexuell belästigt, oder steht der Mann zu Unrecht vor Gericht? Diese Frage blieb am Donnerstag im Amtsgericht Altena noch völlig unbeantwortet. Zur Anhörung eines weiteren Zeugen vertagte sich das Schöffengericht. Auch das Mädchen wurde noch nicht vernommen. Der Beschuldigte wies die Vorwürfe entschieden zurück: „Die Vorwürfe, dass ich die Kleine sexuell belästigt hätte, sind vollständig aus der Luft gegriffen.“

Ab Juni 2011 war der Angeklagte ständiger Gast im Neuenrader Haushalt der Mutter des Kindes – eine „Bratkartoffelbeziehung“ nannte Richter Dirk Reckschmidt das freundschaftliche Verhältnis. In dieser Zeit habe das junge Mädchen, das ohne seinen Vater groß wurde, deutlich Interesse an dem väterlichen Freund im Haushalt ihrer Mutter gezeigt, erklärte der Angeklagte. „Man tobt rum“, beschrieb er die Lage. Er gab zu, dass er „der Kleinen“ auch schon mal den Rücken nach dem Duschen abgetrocknet habe. Das empfand aber auch die Mutter als relativ unproblematisch: „Ich glaube ja.“ Ihre Tochter habe den Freund des Hauses dafür engagiert, weil der „sanfter“ gewesen sei beim Abtrocknen. „Das Verhältnis zu meiner Tochter war zunächst sehr gut – wie ein Freund“, erinnerte sie sich vor Gericht. Wenn die Anklage Recht hat, muss sich in dieses harmonische Zusammenleben ein gefährlicher Misston oder eine tatsächliche Entgleisung des Angeklagten geschlichen haben. Ein „Grabsch mich nicht an!“, des Mädchens nahm die Mutter kaum wahr. Erst nach dem Auszug ihres „sehr guten Freundes“ äußerte das Mädchen massive Vorwürfe, dass sie – oberhalb der Kleidung – vom Angeklagten mehrfach unsittlich berührt worden sei. „Meine Tochter kam zu mir und sagte, sie sei froh, dass der weg ist“, erinnerte sich die Mutter. Und plötzlich bekam die zunächst so unbeschwerte Geschichte einen bösen Ton, der nicht zu einem Angeklagten passen wollte, der allen Beobachtungen zufolge „nicht laut, nicht gewalttätig und überhaupt nicht dem Alkohol zugeneigt“ war.

„Meine Tochter hatte ziemlich Angst. Sie hat sich die Arme aufgeritzt und wollte aus dem Fenster springen“, berichtete die Mutter.

Ins Rollen kam das Verfahren, weil sich der Angeklagte mit einer Unterlassungsklage gegen das angebliche Herumtratschen der Mutter wehrte, dass er ein Kinderschänder sei. Erst daraufhin erstattete sie ebenfalls Anzeige gegen den 56-Jährigen.

Das Schöffengericht vertagte die Verhandlung schließlich. Vor der Vernehmung des Kindes sollen noch weitere Zeugen befragt werden.

Von Thomas Krumm

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