Goethe und die Frauen

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In einer Mischung aus Lesung und Erzählung boten Ruth Schimanski und Rudolf Sparing ihrem Publikum unterhaltsame Einblicke in das Liebesleben Goethes.

NEUENRADE - Goethe und die Frauen – das war schon immer ein beliebtes Thema und einer der Schlüssel zu seinem Werk. In einer Mischung aus Erzählung und der Lesung von Originaldokumenten präsentierten Rudolf Sparing, ehemaliger Kulturhausleiter aus Lüdenscheid, und die Schauspielerin Ruth Schimanski am Samstagabend in der Villa am Wall ein unterhaltsames Programm, das sich den Amouren des Dichterfürsten widmete.

Von Thomas Krumm

„Sieben aus zwölf“ lautete die Restriktion, denn die imposante Zahl von Goethes Liebschaften musste für ein Abendprogramm auf ein verträgliches Maß gestutzt werden. Und so ging es los mit Goethes Jugendlieben Friederike Brion, Pfarrerstochter aus dem Elsaß, der Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann, Charlotte Sophie Henriette Buff, Vorbild für Werthers Lotte, die Goethe als Rechtspraktikant in Wetzlar kennenlernte, und Anna Katharina Schönkopf, Tochter des Zinngießers und Weinhändlers Christian Gottlieb Schönkopf. Er war der Wirt des Gasthofes, in dem Goethe während seiner Leipziger Studentenzeit seinen Mittagstisch einnahm. Schon diese Geschichten machten deutlich, dass Goethe immer sehr aufmerksam die Anmut junger Frauen in seiner Umgebung registrierte. Das sollte so bleiben, bis er 72 war. Immer wieder berichtete Rudolf Sparing von plötzlichen Fluchtgelüsten des jungen Mannes, der die vorangegangenen Erfahrungen in spätere Weltliteratur goss. Ein wenig Psychologie erklärte das zuweilen rätselhafte Verhalten des Dichters: „Die Zeitgenossen waren unfähig, die tiefe pathologische Bindungsangst des Dichterfürsten zu erkennen.“

Im Zentrum von Goethes Frauengeschichten und auch des Programms standen jedoch die Frauengestalten Weimars, die Goehtes Leben über lange Zeiträume hinweg begleiteten: Charlotte von Stein, Herzogin Anna Amalia und jene „sehr lebenspraktische Liebe zu einer ehemaligen Blumenverkäuferin, die Goethes „willkommener Haus- und Küchenschatz“ war: Christiane Vulpius. Nach ihrem Tod war der Dichterfürst erneut umschwärmt von jungen Frauen, die aber nicht alle sein Wohlgefallen erregten. Rüde wies er Bettine von Arnim ab. Doch 72-Jährig verliebte er sich noch einmal in eine 17-Jährige und brachte es fertig, ihr einen Heiratsantrag zu machen: Ulrike von Levetzow aber hatte „noch überhaupt keine Lust zu heiraten“. Und Goethe machte aus der Abfuhr erneut Literatur, die Marienbader Elegien.

26 Besucherinnen und vier Besucher hatten Freude an dem unterhaltsamen Einblick in das Liebesleben des Dichterfürsten und hörten nach der Pause noch einen erotischen Text Goethes, der diesem mittlerweile zuverlässig zugeschrieben werden kann. Er bewies, dass der Eros in Goethes Leben nicht nur auf sittlicher Grundlage, sondern auch auf einem Kanapee vorstellbar war.

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