Tyrolit-Brand und die Folgen

12000 Badewannen Löschwasser

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Das Lösch-Abwassergemisch wird in das außer Betrieb genommene Becken der Kläranlage Werdohl zur Zwischenspeicherung abgelassen.

Neuenrade - Gut 36 Stunden nach Ablöschen der letzten Glutnester am Sonntagmorgen geht es bei Tyrolit ans Aufräumen und ans Organisieren des weiteren Vorgehens. Behördenvertreter, Fachleute der Versicherung, Statiker und Havariemanagement waren gestern bei Tyrolit. Mehrere große grüne Sattelauflieger parkten auf dem Firmengrundstück – das Ausmaß des Schadens zeichnet sich langsam ab.

So darf das an die Galvanik angrenzende Verwaltungsgebäude nicht betreten werden. Die Brandermittler der Polizei, die ohnehin routinemäßig in solchen Fällen tätig werden, warten ab, bis ein Statiker das o.k. gegeben hat, bevor sie sich auf die Suche nach der Brandursache machen. Derzeit bestehe dort möglicherweise Einsturzgefahr. Wie Polizeisprecher Dietmar Boronowski weiter erläuterte, seien die Ermittler speziell in Spurensuche ausgebildet und stünden in regelmäßigen Austausch mit der Feuerwehr. Sie werden im Laufe der Woche das Gebäude betreten und sich in Absprache mit Geschäftsführung und den Experten der Versicherung auf die Suche nach der Brandursache begeben.

Die Geschäftsleitung von Tyrolit hielt sich gestern mit Veröffentlichungen zurück. Die Datenlage sei noch zu gering, etliche Besprechungen stünden gestern Nachmittag noch an, sagte einer der Geschäftsführer, Bernd Heinrich, auf Nachfrage.

„Das wäre für unsere Bakterien tödlich gewesen“

Glück im Unglück hatte man beim Ruhrverband: Ein Mitarbeiter war in der Nähe und habe schon kurz nach dem Feueralarm reagieren und bei der Kläranlagenbereitschaft Alarm schlagen können. Flott habe man in Abstimmung mit der Feuerwehrleitung ein Konzept entwerfen können, um das verunreinigte Löschwasser aufzufangen und zwischenzulagern. Wie Harro Feckler vom Ruhrverband weiter erläuterte, sei unterhalb von Arens & Hilgert/Michesls ein Auffangbecken einer alten Kläranlage genutzt worden, um das Löschwasser dorthin zu leiten. Wenn das von der Galvanik kontaminierte Löschwasser in die Kläranlage gelangt wäre, hätte sich das negativ auf die Biologie ausgewirkt. Feckler: „Wir haben zwischenzeitlich 500 Milligramm Nickel pro Liter gemessen – das wäre für unsere Bakterien tödlich gewesen.“ Umleiten musste man dann das Abwasser der Stadt Neuenrade.

Im Pendelverkehr über Höllmecke nach Werdohl

„Gottseidank“, so Feckler, habe man dort einen niedrigen Zufluss zu der Zeit gehabt. Gut 2000 Kubikmeter fasst das Becken. „Wir hatten ein paar Stunden Zeit bis das Becken überlaufen würde.“ So habe man Spielraum gewonnen, um das Löschwasser andernorts unterzubringen. Die Tankfahrzeuge der Firma Lobbe wurden am Becken mittels einer abends aufgebauten Hochleistungspumpe befüllt, dann ging es Fahrzeug pro Fahrzeug zur Kläranlage in Werdohl, wo man mindestens ein leeres Becken zur Verfügung stellen konnte und das Löschwasser bis zur endgültigen Entsorgung zwischengelagert wird. Da man knapp mit der Zeit war, so Feckler, habe man dann noch die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen. Denn: Ganz Werdohl ist eine Baustelle, die Höllmecke eine Einbahnstraße. Alternativrouten hätten viel zu viel Zeit in Anspruch genommen.

Amtshilfe leistete die heimische Polizei: Mit Hilfe von Funk und Streifenwagenbegleitung seien die Lkw im Pendelverkehr entgegen der Fahrtrichtung gen Werdohl gelotst worden. Es pressierte auch, weil wieder viel Niederschlag erwartet wurde. Die ganze Nacht zu Sonntag und wurde abgepumpt und gefahren. Im allerschlimmsten Fall wäre nur noch stark verdünntes Wasser in die Hönne gelangen.

Arbeiten rund um die Uhr

Insgesamt 2300 Kubikmeter kontaminiertes Wasser wurden gesichert entsorgt. „Das sind 12 000 Badewannen mit Löschwasser,“ rechnete Feckler aus. Der hatte Lob für etliche Firmen wie Treude, Wirths, Neumann und Lobbe. Die Mitarbeiter des Entsorgers Lobbe hatten alle Hände voll zu tun. Unter der Leitung von Havariemanager Kevin Stork sorgten neun Mitarbeiter von Samstag, 18 Uhr bis Sonntagabend 22 Uhr und zum Teil noch am Montag für das Abpumpen im Gebäude und am Becken. Vier Sattelzüge, von denen jeder 24 Kubikmeter fasse, hätten das Löschwasser nach Werdohl transportiert, ein Rest sei vor Ort noch gelagert. Der Rest – das sind 15 grüne Spezialcontainer, die im Stadtgebiet stehen.

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