Getränkemarkt-Überfall: Mittäter belastet eigenen Onkel

Neuenrade - Drei junge Männer überfielen am späten Abend des 7. März 2015 den Kaufpark-Getränkemarkt in Neuenrade. Einer von ihnen richtete eine – vermutlich ungeladene – Luftdruckpistole auf den Kassierer und drohte, ihn zu erschießen.

Im Landgericht Hagen kassierte der damals 22-Jährige am 30. März 2016 wegen schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von vier Jahren. Jener Mittäter, der als Erster den Markt betreten und signalisiert hatte, dass kein Kunde mehr da sei, kassierte eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. 

Ein dritter, 20-jähriger Mittäter, der noch nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, musste für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Er hatte gestanden, dass er der Anstifter zu der Tat gewesen war und im Auto vor dem Getränkemarkt auf seine Mitstreiter gewartet hatte. 

Im Ermittlungsverfahren und auch vor Gericht hatte der 20-Jährige aber noch einen weiteren Anstifter zu der Tat benannt – seinen Onkel. Der war zu jener Zeit als Security-Mann bei dem Getränkemarkt beschäftigt, und er soll seinem Neffen den Tipp gegeben haben.

Der Getränkemarkt mache gute Umsätze und er sei an jenem Abend nicht vor Ort, soll er seinem Neffen mitgeteilt und ihn dadurch zu dem Überfall veranlasst haben. Die Beute von knapp 400 Euro Bargeld blieb allerdings weit hinter den Erwartungen der Täter zurück. 

Onkel muss sich vor dem Landgericht verantworten

Fast zwei Jahre nach dem Überfall sollte sich der Onkel und ehemalige Wachmann nun im Amtsgericht Altena wegen Anstiftung zur schweren räuberischen Erpressung verantworten. Das Schöffengericht überwies die Sache aber ans Landgericht, da die zu erwartende Mindestfreiheitsstrafe bei drei Jahren liegt. Dazu kommt noch ein weiteres Jahr, das der Angeklagte aus einer Bewährungsstrafe des Amtsgerichts Neuss mitbringt. 

Es müsste in eine neue Gesamtstrafe miteinbezogen werden. „Die Strafgewalt des Amtsgerichts ist überschritten“, stellte Richter Dirk Reckschmidt fest. Denn diese liegt bei vier Jahren. Und sollte der Onkel tatsächlich der Anstifter zu der Tat gewesen sein, droht ihm schon dafür eine Haftstrafe, die auf dem Niveau der vier Jahre für den Haupttäter liegen könnte. 

Doch zunächst bleibt der 41-jährige Mendener auf freiem Fuß. Bis zur Eröffnung des Hauptverfahrens im Landgericht dürften noch einige Monate vergehen.

Alle Infos zum Getränkemarkt-Überfall

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare