Gertrudenschüler im Praktikum

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Praktikantin Anna Madita Schaefer (links) und ihre Kollegin, Ergotherapeutin Carolin Preiß, basteln ein Sparschwein. - Fotos: Köller

Neuenrade - In einem Industriebetrieb eine Maschine einrichten, im Einzelhandel für gut gefüllte Regale sorgen oder etwa Schlaganfallpatienten mit Ergotherapie-Stunden helfen – die Neunt- und Zehntklässler der Gertrudenhauptschule haben sich im Rahmen ihrer dreiwöchigen Betriebspraktika je nach Interessen Einblicke in ganz verschiedene Berufsbilder verschafft.

Am Freitag, 5. Dezember, ist ihr letzter Arbeitstag, bevor es nach dem Wochenende zurück in die Schule geht. Mit unzähligen Eindrücken und gemischten Gefühlen verlassen sie „ihre“ Unternehmen.

Adriana Dizdar hat ihr Praktikum im Dm-Drogeriemarkt absolviert. „Ich habe Regale eingeräumt und die Haltbarkeitsdaten der Produkte überprüft“, erzählt sie.

Der Kundenkontakt sei anfangs eine Herausforderung gewesen. „Ich wusste zuerst ja nicht, wo alles steht. Manche Kunden hatten dafür kein Verständnis“, erinnert sich die 16-Jährige. Nicht jeder sei da geduldig geblieben, doch mit der Unterstützung ihrer Kollegen habe sie sich in dem Drogeriemarkt schnell orientieren können. Später einen Beruf im Einzelhandel zu ergreifen, kann sich die Schülern vorstellen, denn „das Praktikum hat Spaß gemacht“.

Für Ismail Aksoy, ebenfalls 16 Jahre alt, gehen drei Wochen bei der Firma Helios zu Ende. „Technisch und körperlich zu arbeiten, liegt mir. Am Ofen arbeiten oder etwas montieren fällt mir leicht und es macht mir nichts aus, um 6 Uhr morgens anzufangen“, erzählt der Schüler, der zuvor auch schon mal als Ferienarbeiter bei Helios beschäftigt gewesen ist.

Robin Semp ist während seines Praktikums bei Klinke sozusagen zur „rechten Hand des Maschineneinrichters“ geworden.

Mit den Produkten – elektrische Heizelemente, individuell angepasst an die jeweiligen Projekte der Kunden – kennt sich der Praktikant daher schon etwas aus. Betriebsleiter Ralf Athens sagt: „Während des Praktikums hatte Ismail die Gelegenheit, alle Fertigungsschritte mit zu verfolgen – vom Rohr zum Heizelement.“ Der Schüler freut sich dennoch schon wieder ein wenig auf die Schule: „Da kann ich noch mehr selbst machen.“

Im technischen Bereich war auch der 16-jährige Robin Semp unterwegs. In der Firma Julius Klinke GmbH und Co. KG hat er erklärt bekommen, wie Maschinen eingerichtet werden. „Ich finde es sehr interessant, wie die gesteuert werden. Und ich habe auch selbst an einer Drehmaschine gestanden und Stangen gebohrt.“

Betriebsleiter Udo Nattermüller stellt schmunzelnd fest: „Robin ist inzwischen sozusagen die rechte Hand des Einrichters.“ Acht Stunden lang zu arbeiten, findet der Praktikant, sei anstrengend, aber eine Frage der Gewohnheit – und das Praktikum hat ihn in seinem Berufswunsch bestärkt. Er hat sich bereits um einen Ausbildungsplatz zum Zerspanungmechaniker beworben.

In einem ganz anderen Arbeitsumfeld hat sich unterdessen Anna Madita Schaefer bewegt. Im Neuenrader Standort der Ergotherapie-Praxen Sauerland hat die 15-Jährige die Gelegenheit bekommen, mit Kindern sowie Demenz- und Schlaganfallpatienten zu arbeiten.

Die Begeisterung für den Beruf bringt sie deutlich zum Ausdruck: „Da ich sozial engagiert bin und gerne mit Kindern und auch alten Menschen arbeite, ist das hier genau das richtige Praktikum für mich.“

Eine Therapie-Stunde für ein Kind durfte sie selbst gestalten. „Wir haben in der Stunde Plätzchen gebacken, um zu sehen, wie das Kind mit dem Teig umgeht, die Förmchen aussticht und die Kekse verziert“, berichtet die Schülerin. Die Arbeit mit Schlaganfallpatienten sei ebenfalls schön gewesen, die Therapeuten könnten ihnen helfen, wieder etwas zu spüren, sich wieder zu bewegen – „wieder nach draußen zu gehen, sich der Welt wieder zu zeigen“, so formuliert es die Schülerin.

Berührungsängste habe sie keine, der Körperkontakt gehöre zum Beruf, schließlich helfe er sogar beim Heilen. Nachdem sich die Schülerin das Praktikum im Vorfeld gezielt ausgesucht hatte, ist sie nun sicher, dass sie nach ihrer Schulzeit eine schulische Ausbildung zur Ergotherapeutin machen möchte.

Otmar Hermanns, Klassenlehrer in einer der zehnten Klassen und seit Jahren Praktikantenbetreuer, schaut jedenfalls immer wieder in den Betrieben vorbei, spricht dort mit den Angestellten, hat bei Sorgen und Anliegen ein offenes Ohr für seine Schützlinge und begleitet sie auf den ersten Schritten in der Arbeitswelt. „Wenn aus Praktika später einmal Arbeitsverhältnisse hervorgehen, freut mich das umso mehr.“

Von Kristina Köller

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