Halloween-Einsatz eines Türstehers endet vor Gericht

AFFELN - Weniger durch das hohe kulturelle Niveau als durch Schlägereien vor der Schützenhalle in Affeln machten die dortigen Halloween-Partys Schlagzeilen. Nach den Keilereien im Jahr 2012 fand in diesem Jahr dort keine Party am 31. Oktober mehr statt.

Und seit Dienstag ist im Amtsgericht Altena auch in strafrechtlicher Hinsicht der letzte Vorhang über die ultimative Party am Halloween-Tag 2012 gefallen. Wegen Körperverletzung und Bedrohung war ein 33-jähriger Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma angeklagt. Sie hatte an jenem Abend immerhin zehn kräftige Mannsbilder nach Affeln geschickt, um für Ruhe und Ordnung beim Gruseln zu sorgen. 121 Kilo habe er damals auf die Waage gebracht, erinnerte sich der 1,98 Meter große Angeklagte, den Richter Dirk Reckschmidt selbst im Vergleich mit seinen Kollegen als ein ernstzunehmendes Hindernis wahrnahm: „Von den Herren, die hier waren, scheint mir keiner eine ernsthafte Chance zu haben, an Ihnen vorbeizukommen.“ Der 33-Jährige sollte sich auch tatsächlich eher im Bodenkampf gegenüber einem bereits Wehrlosen vergriffen haben: „Er hat meinen linken Arm nach hinten gedreht“, berichtete der von dem Hünen sehr schmerzhaft fixierte Besucher, der zudem unter dem Gewicht des „muskelbepackten“ Türstehers zu leiden hatte. „Ich hatte schon einmal eine Ellbogenfraktur. Ich habe gebettelt, meinen linken Arm loszulassen“, erinnerte sich der 17-Jährige, der Verstauchungen der linken Schulter und eines Daumens erlitt. Zu allem anderen habe ihm der Angeklagte noch mit bösen Worten gedroht: „Wenn du nicht die Fresse hältst, wird dir der Arm gebrochen.“ Relativ glaubwürdig trug der junge Mann vor, dass er sich vor dieser „Festnahme“ lediglich gegen den Angriff eines anderen Besuchers gewehrt hatte. „Deshalb war ich so aufgebracht.“ Bei der Polizei hatte der 17-Jährige den Türsteher in einer Reihe von Auswahlfotos sofort identifiziert.

Der Angeklagte bestritt den Vorwurf, gab aber zu, zum fraglichen Zeitpunkt am Ort des Geschehens gewesen zu sein. Da wirkte es wenig entlastend, dass er angeblich nicht wusste, wer an seiner Statt den 17-Jährigen brutal behandelt hatte. Staatsanwalt Bernd Haldorn und Richter Dirk Reckschmidt verständigten sich dennoch auf eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen, weil die Situation an einem Abend mit vielen Auseinandersetzungen sehr schwierig gewesen sei. Der Angeklagte wurde mit einer Ansage des Richters entlassen: „Im Umgang mit Jugendlichen sollte eine gewisse Sensibilität herrschen. So etwas darf in dieser Form nicht vorkommen.“ - Von Thomas Krumm

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