550 Sozialstunden zur Förderung der Arbeitsdisziplin

Symbolbild.

Neuenrade - Eine rekordverdächtige Anzahl von Sozialstunden kassierte ein 21-jähriger Neuenrader im Amtsgericht Altena. Er war von der Polizei am Abend des 25. April in Begleitung von 0,9 Gramm Marihuana erwischt worden.

Da der zum Tatzeitpunkt noch 20-Jährige grundsätzlich geständig war und es sich um keine große Sache handelte, hatten die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, der Staatsanwalt und Richter Dirk Reckschmidt ausgiebig Gelegenheit, sich dem Lebenswandel des jungen Mannes zu widmen: Kein Schulabschluss, eine zweite Chance auf Bildung bei der Volkshochschule verschenkt, und Arbeitsaufnahmen als ungelernte Kraft endeten nach einem Tag beziehungsweise drei Wochen.

„Was machst du denn den ganzen Tag?“, wollte Richter Dirk Reckschmidt wissen. „Ich bin zuhause – am Laptop“, lautete die Antwort. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe fand deutliche Worte für ihren Schützling: „Er hat keine realistische Lebensplanung und keine ernsthafte Einstellung gegenüber Schule und Ausbildung.“ Seine Lethargie führe inzwischen schon zu ernsthaften Verstimmungen mit seiner Familie. Sie befürwortete deshalb eine umfassende Maßnahme zur Förderung der Arbeitsdisziplin des 21-Jährigen: Regelmäßiges morgendliches Aufstehen und vier Stunden sozialer Arbeit, bis er im Frühjahr möglicherweise eine letzte Chance zum Erwerb eines Schulabschlusses bei der VHS bekommt.

Vier Stunden pro Tag minus sechs Wochen Jahresurlaub ergaben 550 Stunden sozialer Arbeit, die Richter Dirk Reckschmidt entsprechend verordnete. „Sie kommen nicht aus dem Bett und aus dem Quark“, stellte er fest und zeigte sich verwundert, „dass die Eltern dich noch auf dem Sofa sitzen lassen“. Möglicherweise hatte auch der Angeklagte eine Ahnung davon, dass er seinem Leben endlich Schwung verleihen müsse. Er nahm das Urteil, das wegen offenkundiger Reifeverzögerungen noch nach Jugendrecht gefällt wurde, sofort an.

- Von Thomas Krumm

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