Gerechtigkeit, Gesetze und Gerichtsshows

+
Ulrich Schorner präsentierte den Schülern die Robe, die er bei Verhandlungen anziehen muss. ▪

NEUENRADE ▪ Der frisierte Roller, die neuesten Kinofilme aus dem Internet oder die Rauferei im Schulbus – Ordnungswidrigkeiten und Straftaten, mit denen viele Jugendliche zu tun haben.

Oft trennt ein Klick in der virtuellen Welt illegal von legal. Grund genug für die Getrudenschule einen Projektunterricht ins Leben zu rufen. Unter dem Motto „Jugend und Recht“ wollen der Konrektor Hans-Jürgen Stracke und Schulsozialarbeiter Thorben Schürmann die Jugendlichen informieren. Dazu wollen sie den Kontakt zu Polizei, Gerichten, Gefängnissen und Anwälten herstellen und ihnen einen Einblick in die Welt der Gesetze und Paragraphen geben.

Den Anfang machte gestern der Neuenrader Rechtsanwalt Ulrich Schorner. Anhand von lebensnahen Beispielen brachte er den Schülern seinen Beruf näher, erklärte, wie sie sich im Fall der Fälle als Angeklagte oder als Zeugen zu verhalten haben – welche Rechte, aber auch welche Pflichten sie haben.

„Dürfen Sie als Anwalt lügen?“, wollte Talunay (14) wissen. „Nein, ich als Anwalt darf nicht lügen, was aber nicht heißt, dass ich immer die Wahrheit sagen muss. Ich kann auch mal schweigen. Denn der Angeklagte darf lügen bis sich die Balken biegen“, führte Ulrich Schorner aus.

Der 14-jährige Luca wollte vom Rechtsanwalt wissen, ob Gerichtsshows echte Prozesse sind und wie oft ein Anwalt vor Gericht steht. „Die Fernsehsendungen sind nicht echt! Die Fälle sind auch meistens nichts so passiert. Ich habe noch nie erlebt, dass es beispielsweise eine Schlägerei vor Gericht gegeben hat“, sagte Schorner. Zwei bis vier Mal sei er in einer „normalen Woche“ vor Gericht. Im Jahr summiere sich die Zahl der Fälle auf rund 300.

Um den Schülern zu zeigen, wie er vor einem Gericht gekleidet ist, hatte der Rechtsanwalt eine Robe dabei. Ulrich Schorner: „Seit circa 300 Jahren ist es Pflicht, vor Gericht eine Robe zu tragen. Der Hintergrund ist, dass alle Leute vor Gericht gleich sind, daher tragen Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwalt eine Robe.“ „Also ist die Robe so etwas wie eine Schuluniform!“, fügte Moritz hinzu. Der 14-Jährige sagte, dass er sich vor allem auf einen Besuch vor Gericht freut: „Da sehen wir dann ein Stück mehr.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare