Herfeld-Instrument

Eine Trompete als besondere Verbindung zu Neuenrade

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Georg Stiller spielt seit 60 Jahren Trompete.

Neuenrade - Mehr als 60 Jahre ist es her, dass Georg Stiller zum ersten Mal Trompete spielte. Durch das Instrument hat er eine besondere Beziehung zu Neuenrade – obwohl er nie dort war.

Ende vergangenen Jahres, berichtet Stadtarchivar Dr. Rolf Dieter Kohl, habe sich ein älterer Herr bei ihm gemeldet. In einer E-Mail an das Neuenrader Bürgermeisterbüro schrieb dieser, seit ziemlich genau 60 Jahren besitze er eine Trompete der Neuenrader Firma Herfeld & Co.

Ulrich Kennepohl (am Akkordeon) brachte Georg Stiller die Tonleiter bei.

Rückblick: Am 3. November 1957 bekommt der 14-jährige Georg Stiller von einem Bekannten eine Trompete überreicht. „Den Tag weiß ich noch ganz genau“, sagt Stiller heute, sechs Jahrzehnte später. Der Junge, der eigentlich aus Schlesien stammt, war mit seinen Eltern als Flüchtling ins Osnabrücker Land gekommen.

Der Vorbesitzer des Instruments bringt ihm als Erster die Tonleiter bei, am Gymnasium nimmt Georg Stiller schließlich Trompetenunterricht bei einem älteren Schüler. „Ich habe geübt, bis die Lippen dick waren“, sagt er.

Einmal im Winter stürzt er auf dem Schulweg mit dem Fahrrad, der Trompetentrichter ist vollkommen platt. „Ein Trompetenbauer musste sie reparieren“, berichtet Stiller heute.

Georg Stiller bei einer Klassenfahrt um das Jahr 1960.

Drei Jahre lang spielt er auf der Trompete, die wahrscheinlich in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg hergestellt wurde. Dann wechselt er von der C- auf eine B-Trompete.

Letztere nämlich ist hierzulande wesentlich weiter verbreitet und für die meisten Stücke daher besser geeignet. Der Unterschied zwischen den beiden Trompeten jedenfalls liegt in der Tonlage.

Das Instrument mit der Gravur „Herfeld & Co Neuenrade“ bleibt für Stiller aber ein ganz besonderes, erzählt er: „Ich finde diese Trompete sehr wichtig, denn auf ihr habe ich ja das Spielen gelernt.“

Eine Gravur weist die Trompete als ein Neuenrader Produkt aus.

Und dem bleibt er noch lange treu. Während der berufliche Weg ihn ins Amt des evangelischen Pfarrers führt, beginnt Stiller in den 70er-Jahren, Jugendliche an der Trompete zu unterrichten. Er baut einen Bläserchor auf, den er 30 Jahre lang leitet. „Es sind sogar noch drei Mitglieder von damals dabei“, erzählt er.

Stiller selbst muss sich nur einmal eine längere Pause von der Trompete nehmen. „Ich habe gemerkt, es ging nicht mehr richtig.“ Stattdessen nimmt er Geigenunterricht, kehrt aber bald wieder zur Trompete zurück – nachdem er gemerkt hat, dass es an seiner Technik zu spielen lag.

Heute spielt er meist auf der B-Trompete. Doch das Herfeld-Instrument aus Neuenrade holt der pensionierte Pfarrer immer mal wieder raus und hält es natürlich in Ehren. „Es hat einen guten Platz bekommen.“ Besonders hochwertig sei die Trompete zwar nicht, aber bis heute gut zu spielen.

Noch immer spielt der pensionierte Rentner gelegentlich auf der Trompete.

„Sie hat mir immer treue Dienste getan“, sagt Georg Stiller. So hat er, der mittlerweile in Seevetal, wenige Kilometer südlich von Hamburg, lebt, eben auch eine besondere Verbindung zur Stadt Neuenrade. Und das, obwohl die Trompete wahrscheinlich gar nicht in der Stadt hergestellt, sondern vermutlich als Kommissionsware von der Firma Herfeld vertrieben wurde.

Die Trompete dem Stadtmuseum überlassen möchte Georg Stiller nicht, zu viele Erinnerungen hängen an ihr. Aber irgendwann möchte er auch mal nach Neuenrade kommen – und dann natürlich auch etwas auf der Herfeld-Trompete spielen.

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