Genuss-Botschafter

Villa mittendrin: Koch-Kultur im Kindergarten

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Die Kinder haben sichtlich Spaß bei den Vorbereitungen für das Essen.

Neuenrade - Gesunde Ernährung wird groß geschrieben im Kindergarten Villa mittendrin in Neuenrade. Die Kinder begleiten die Zubereitung – und haben dabei viel Spaß.

Das kleine Mädchen kann die große Kartoffel kaum halten. Dennoch gelingt es ihr, die Knolle sauber zu schälen – mit dem Schälmesser. Die anderen Kinder sind ebenfalls fleißig, gehen virtuos mit den Knollen um und flott sind allesamt geschält.

Die Jungen und Mädchen amüsieren sich gut, bei den Vorbereitungen für die Mahlzeit. Sie unterhalten sich bei der Arbeit und freuen sich, dass sie wieder für Kinder und Erzieherinnen der Kita kochen dürfen.

Spitzkohl-Kartoffel-Eintopf gibt es an diesem Donnerstag. Fingerfood gibt es auch jede Menge und die Kinder sorgen mit ihren flinken Fingern für klein geschnittene Apfelstückchen. Schön sauber bleiben die Kleinen dabei auch, denn eine Kollegin hat extra schicke Schürzen für die Kinder genäht.

Mit den Erzieherinnen ging es zum Wochenmarkt

Am Dienstag zuvor waren sie natürlich einkaufen. Unter Begleitung der Erzieherinnen besorgten sich die Kinder frische Lebensmittel auf dem Neuenrader Wochenmarkt, um ausgewogene Hausmannskost kochen zu können.

Janin Neumann und Agnes Rotter präsentieren die Zertifikate der Sarah-Wiener-Stiftung.

Ernährung – das Thema nimmt einen wichtigen Platz bei der Arbeit mit den Kindern in der Villa mittendrin ein. Seit Eröffnung des Kindergartens in dem ehemaligen Aldi-Gebäude an der Bahnhofstraße, wird jede Mahlzeit dort frisch gekocht.

Die Idee, „das Thema Ernährung noch mehr in den Fokus zu rücken“ und die Kinder dabei auch stark mit einzubeziehen, hatten Hauswirtschafterin Janin Neumann und Team-Mitarbeiterin Agnes Rotter.

Dazu nahmen sie sogar an einer Fortbildung der Sarah-Wiener-Stiftung teil – und brachten jede Menge Ideen und Anregungen von dieser Fortbildung mit“, erläuterte Kita-Leiterin Tanja Heidemann.

Dabei sagt der Leitsatz der Sarah-Wiener-Stiftung schon viel aus: „Wir wollen, dass Kinder sich genussvoll und gesund ernähren. Deshalb möchten wir ihnen Lust aufs Kochen machen – und ihnen die nötigen Kompetenzen vermitteln, bevor sie durch falsche Ernährung krank werden.“

Krankheiten sollen vermieden werden

Dazu gibt es sogar noch einen gesetzlichen Hintergrund: Das Präventionsgesetz, das 2016 in Kraft trat. Dabei geht es eben um das Lebensumfeld in Kita, Schule oder Arbeitsplatz. Ziel ist es, Krankheiten zu vermeiden, sie durch gesunde Ernährung erst gar nicht entstehen zu lassen.

Lebensstil-bedingte Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder Fettleibigkeit einzudämmen und Menschen jeder Altersgruppe zu einer gesunden Lebensweise anzuregen.

Da soll der bewussten und gesunden Ernährung von Kindern eine besondere Bedeutung zukommen – damit aus gesunden Kindern auch gesunde Erwachsene werden. „Ich kann kochen“ heißt die Initiative, die dazu beitragen soll. Die Stiftung und die Barmer-Krankenkasse arbeiten hier zusammen.

Erwachsenen gelinge es nur selten, die Ernährung dauerhaft umzustellen, denn in der Kindheit erlerntes Wissen und Essverhalten werde in der Regel auch ein Leben lang beibehalten.

Kita-Leiterin Tanja Heidemann hat Hochbeete mit Gemüse angelegt.

Auch deshalb sei es wichtig, möglichst früh mit praktischer Ernährungsbildung anzufangen. Seit zehn Jahren engagiert sich die Stiftung in dieser Hinsicht bereits. Die Ess- und Kochkultur soll für nachfolgende Generationen erhalten bleiben, Genuss soll vermittelt werden.

Die Kinder sollen über die Zubereitung, Herkunft und Vielfalt von Lebensmitteln aufgeklärt werden und wie sie sich eben gesund ernähren. Um das zu vermitteln, seien Multiplikatoren wichtig und deshalb bildet die Stiftung pädagogische Fachkräfte zu Genuss-Botschaftern aus.

Auch den Pädagoginnen macht ihre Aufgabe Freude

Agnes Rotter und Janin Neumann haben ein Seminar in Münster absolviert und sind nun Genuss-Botschafterinnen in der Villa mittendrin und sie führen ihre Diplomaten-Tätigkeit sichtlich mit Freude aus.

Und es sind nicht nur diese eher abstrakten Werte, die die Genus-Botschafterinnen hier vermitteln. Es geht durchaus auch um knallharte Dinge wie Mathematik, Chemie und Physik, die die Kleinen hier spielerisch aufnehmen.

Der Umgang mit Mengen, mit Hohlmaßen, das Zählen und Kalkulieren sind hier Dinge die die Kleinen spielerisch lernen. Darauf weißt Agnes Rotter hin. Für wie viele Kinder muss was wie lange gekocht werden, wie viele Kartoffeln sind zu schälen, wie lange dauert das. Wer hilft beim Tischdecken, was ist mit Nachtisch und Abwaschen.

Mit Unterstützung der Genuss-Botschafterinnen bekommen die Kinder das am Ende gut hin. Neben dem Lerneffekt und der Erlangung erster Sozialkompetenz („für andere sorgen“) bleibt ein gutes Gefühl und der Stolz: Ich habe für euch gekocht, erläutert Agnes Rotter.

Die Kinder werden zu nichts gezwungen

Zwang wird auf die Kinder nicht ausgeübt. Auch gibt es immer eine Auswahl für die Kinder an diesen Koch-Tagen: Ein Büfett wird angerichtet. Denn nicht jedes Kind mag Suppe, es gibt Alternativen.

Und es sind die Kinder, welche sich gegenseitig animieren, doch auch mal dieses oder jenes zu probieren – auch wenn es nicht immer so aussieht, als ob es schmecken würde. Das funktioniert. „Immer wieder anbieten. Eine breite Angebotspalette wirkt, das entwickelt sich bei Kindern, “ sagt Rotter.

Auf dem Herd steht der Spitzkohl-Kartoffel-Eintopf.

Und Genussmittel wie Schokolade und andere Süßigkeiten sind natürlich nicht tabu für die 39 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. „Das ist in Ordnung – nur die Balance ist dabei wichtig“, heißt es.

Übrigens: Ein kurze Umfrage unter den Kindern ergab: Auch zu Hause helfen sie schon schön beim Essen machen mit. Max zum Beispiel kocht mit Mama Milchreis; Lina kocht mit der Mama Nudeln und Auflauf mit Papa. Und mit Papa schiebt sie auch schon mal die Pizza in den Ofen.

Spaghetti und Pommes sind beliebt

Ihre Leibgerichte haben die Kinder natürlich auch: Laura mag am liebsten Spaghetti und auf Nachfrage bestätigen alle Kinder, dass sie Pommes lieben. Aber sie essen eben auch Spitzkohl-Kartoffel-Eintopf mit Genuss.

Auch ein Teil des Kita-Außengeländes ist dem Thema Lebensmittel gewidmet. Kita-Leiterin Tanja Heidemann hat Hochbeete mit Gemüse angelegt und im Herbst wird geerntet.

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