Wegen Lockerungen

Gemischte Gefühle in Altenheimen an Lenne, Verse und Hönne

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Mit „ein bisschen Angst“ blickt Susanne Thöne im Seniorenzentrum Haus Versetal der nächsten Lockerung der Vorsichtsmaßnahmen entgegen. Sie ist aber optimistisch, dass sich alles gut einspielen wird. Personell sei die Einrichtung gut aufgestellt.

Neuenrade/Werdohl/Balve - In den Seniorenheimen sind die Corona-Regelungen für Besucher inzwischen wieder gelockert worden. Die Einrichtungen in Neuenrade, Werdohl und Balve gehen aber unterschiedlich damit um. Eine Umfrage in verschiedenen Häusern hat ergeben: Ganz ohne Bedenken öffnen die Verantwortlichen nicht ihre Türen.

„Wir sind optimistisch, dass die Besucher mit den neuen Lockerungen gut umgehen werden“, sagt Andrea Fischer, Pflegedienstleiterin des Evangelischen Seniorenzentrums Neuenrade. „Die bisherigen Erfahrungen waren positiv und gerade das Angebot im Außenbereich wurde gut angenommen.“ Ab Mittwoch, 1. Juli werde die Einrichtung die neuen Vorgaben umsetzen, die sie von der Gesundheitsbehörde erhalten hat.

Konkret bedeutet das, dass einige Einschränkungen in Bezug auf die Besuche wieder gelockert werden. „Vorbereitungen haben wir gemäß der behördlichen Vorgaben schon getroffen“, betont Fischer.

Nicht ohne Bedenken

„Ganz bedenkenlos sind wir ob der Erlasse nicht, die wir ab nächster Woche umsetzen sollen“, berichtet dagegen Franz-Josef Rademacher, Leiter des St. Johannes-Seniorenzentrums in Balve. Die neuen Lockerungen bedeuteten gerade in der Startphase für alle Beteiligten zunächst einmal viel Ungewissheit und Unruhe. Ein intensiver Austausch werde notwendig sein und vor allem müsse man ein Gespür für die neue Situation bekommen. Das koste vor allem Zeit.

Nicht jedes Detail planbar

Denn nicht jede Kleinigkeit könne im Voraus geplant werden. Trotz der Bedenken werde auch das Balver Altenheim die Allgemeinverfügung des Ministeriums für Gesundheit und Soziales „eins zu eins umsetzen“, betont Rademacher. „Es schlägt ein zweites Herz in unserer Brust, denn wir alle wollen ja zurück zur Normalität. Dass dieser Schritt irgendwann kommen würde, war klar – nur Zeitpunkt und Umfang der Lockerungen sind diskutabel.“ In einem Informationsschreiben hat Rademacher die Angehörigen bereits über die wichtigsten Neuerungen ab dem 1. Juli informiert.

Kurzes Screening vor Betreten

Auch in Werdohl, im Seniorenzentrum Haus Versetal „setzen wir alles um, was uns auferlegt wurde“, sagt Leiterin Susanne Thöne. „Wir wollen mal sehen, wie es wird.“ Unter anderem ist vorgesehen, bei jedem Besucher vor dem Betreten des Seniorenzentrums ein Kurzscreening durchzuführen. Das bedeutet, dass der allgemeine Gesundheitszustand – mitunter anhand der Körpertemperatur – überprüft wird. Eigentlich für keine der Pflegeeinrichtungen etwas Neues. Allerdings werden dafür Mitarbeiter benötigt, die eingeplant werden müssen.

Besucher werden abgeholt

Und man muss sich Gedanken machen, wie man den Zustrom der Besucher im Optimalfall zentral durch einen Eingang lenken kann. „Wir sind personalmäßig sehr gut aufgestellt, daher wird das für uns kein großes Problem sein“, betont Susanne Thöne.

Im Haus Versetal müssen die Besucher künftig schellen und sollen nur noch den Haupteingang benutzen. Dort werden sie abgeholt, gecheckt, gebrieft und zu den Bewohnern geführt. Eine telefonische Anmeldung sei ab Mittwoch nicht mehr nötig, erklärt Thöne.

In Balve langsam angefangen

In der vergangenen Woche hat das Personal in St. Johannes schon „niederschwellig mit den Tests begonnen“, um ein Gefühl für den Aufwand das Prozedere zu bekommen. Ab Mittwoch wird die Frequenz dann erhöht. Franz-Josef Rademacher ist „relativ optimistisch“, dass das neue System in St. Johannes funktionieren wird. Allerdings sei dafür die Mithilfe aller gefragt.

Bei Besuchen auf den Zimmern kann die Einhaltung der Regeln kaum kontrolliert werden. Hier ist die Vernunft der Bewohner und Angehörigen gefragt. „Das Vertrauen bringen wir entgegen“, sagt Rademacher.

Vertrauensbasis muss da sein

Das betont auch Suanne Thöne: „Für die neuen Lockerungen muss eine Vertrauensbasis da sein. Aber wir haben gute Angehörige“, ist auch sie zuversichtlich, dass man vorsichtig sein wird. Natürlich dürften Besucher auch Fragen stellen und und das Personal werde immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, falls erwünscht, betont Thöne.

Verstärkt unterstützt werden müssten bei der Einhaltung der Vorschriften demente Patienten, für die die Situation eine besondere Herausforderung ist, macht Franz-Josef Rademacher aufmerksam.

Keine Veranstaltungen

Bei aller Ungewissheit, die ab Mittwoch kommt, ist Rademacher erst einmal froh und stolz, dass die vergangenen Wochen und Monate im Seniorenzentrum ohne einen Coronafall verlaufen sind. „Mit all dem Hurra, das wir gemacht haben, konnten wir letztlich beweisen, dass wir mit einer solchen Situation so umgehen können, dass nichts passiert – wenn natürlich immer auch etwas Glück dazugehört.“

Öffentliche Veranstaltungen in den Seniorenheimen – wie zum Beispiel das Sommerfest im Haus Versetal – sind im Gegensatz zu den Besuchen weiter nicht möglich.

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