Bayerische Schulpolitiker in der Neuenrader Gem

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Die Schulpolitiker und Pädagoge Fritz Schmid. ▪

NEUENRADE ▪ Auch in Bayern – jenem Bundesland, das gerne einmal als Vorzeigeregion präsentiert wird – gibt es auf dem Land massive strukturelle Probleme. Es gibt offenbar ein Schulsterben auf dem Land. Zumindest sagt das Martin Güll. Der ist SPD-Abgeordneter des Bayerischen Landtages und Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport. Und auch noch bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Und vor diesem Hintergrund und vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahl 2013 in Bayern kümmert sich die bayerische SPD intensiv um Schulpolitik. Dafür reist man durch ganz Deutschland. Gestern waren Güll, Annette Voß, parlamentarische Beraterin der SPD-Landtagsfraktion für Bildung, Jugend und Sport, Margit Wild, SPD-Abgeordnete aus Regensburg, und Karin Pranghofer, Aschaffenburger SPD-Abgeordnete, in Neuenrade und schauten sich dort die Gem – die Gemeinschaftsschule Neuenrade an.

Zuvor hatte Schulamtsleiter Dierk Rademacher den Bayern erst einmal erläutert, warum und wie man die Gemeinschaftsschule quasi aus dem Boden gestampft habe und wie gut sie bei der Bevölkerung ankomme. Die Delegation nahm natürlich auch an einer Unterrichtsstunde teil, um das spezielle Konzept des binnendifferenzierten Unterrichts bei Lehrerin Selma Hentschel einmal live zu erleben. Im Gegensatz zum Frontalunterricht, der noch an vielen Schulen üblich ist, würden durch den kooperativen Unterricht die Schüler zur Selbstständigkeit erzogen, erfuhren die Bayern. Nach dem Unterricht gab es noch eine kleine Präsentation zum Gem-Konzept.

Die Bayern, welche zum Arbeitskreis Bildung gehören, fahren mit ihrer Suche nach Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem eine groß angelegte Kampagne, haben mehrere Leuchtturmprojekte, unter anderem in Denkendorf, initiiert. Und dabei hätten sie durchaus auch die CSU-Bürgermeister auf ihrer Seite, die angesichts des demographisch-strukturellen Wandels eine sachorientierte Politik betreiben würden, sagte Güll. Kleine Schulen könnten durch die neuen pädagogischen Konzepte von Gemeinschaftsschule oder auch Sekundarschule aufgewertet werden. Das käme vielen Eltern gelegen, auch weil die Eltern es leid seien, dass die Schüler mit den Bussen durch die Gegend gekarrt werden müssten. Und weil sie auch längeres gemeinsames Lernen gut finden würden.

Der Kontakt zur Gem Neuenrade kam über Umwege – unter anderem über Schulentwicklungsforscher Prof. Dr. Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund und den Kiersper Fritz Schmid – zustande. Schmid, inzwischen pensioniert, kennt Rösner und hilft in Bayern bei der Entwicklung eines pädagogischen Konzeptes nach Gem-Strickmuster, das er mitentwickelt hatte. ▪ Peter von der Beck

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