Gemeinschaft im Vordergrund

Diesmal kochte Presbyterin Lieselotte Ernst mit – ihre deftige Hackfleisch-Suppe mit Pilzen.

NEUENRADE -  „Was darf ich Ihnen auf den Teller tun? Noch etwas von dem Möhren-Kürbis-Eintopf oder möchten Sie lieber die Hackfleischsuppe mit Pilzen probieren“, fragten die freundlichen Frauen, die am Sonntagvormittag im evangelischen Gemeindehaus hinter der „Theke“ standen.

Auf Initiative der Landeskirchlichen Gemeinschaft Neuenrade war im Herbst eine Tischgemeinschaft ins Leben gerufen worden. An jedem letzten Sonntag im Monat heißt es dann im Gemeindehaus an der Ersten Straße: „Herzlich willkommen“. Im Rahmen des Angebots wird aber keinesfalls nur eine kostenlose Verpflegung angeboten. Das Wort Gemeinschaft hat das Organisationsteam um Anke Gehrt (Vorstandsmitglied der Landeskirchlichen Gemeinschaft) ganz bewusst ausgewählt, denn das Miteinander soll an erster Stelle stehen. Deshalb richtet sich die Veranstaltung keineswegs nur an Bedürftige. Einsame Menschen, Verwitwete, jüngere wie ältere Männer und Frauen kommen zusammen, sitzen in lockeren Runden um die Tische herum und tauschen sich aus.

„Jeder ist willkommen. Wirklich jeder“, betonte Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg, der zugab, dass er von der Akzeptanz überrascht worden sei. Beim ersten Termin im Oktober seien rund 30 Personen gekommen, im November dann etwa 50. „Damit konnte man nicht rechnen“, sagte der Gläubige, der gestern zum ersten Mal Teil der Tischgemeinschaft war und hinzufügte, dass das ein „wunderbares Zeichen“ sei.

Selbst zwischen den Feiertagen besuchten rund 20 Personen das Gemeindehaus, ließen sich die beiden Hauptgerichte und die ansprechenden Nachtisch-Variationen schmecken. „Wir achten darauf, dass es immer ein fleischloses Gericht gibt“, erklärte Anke Gehrt, die maßgeblich an der Umsetzung der Idee beteiligt war. Sie gehört zum festen Mitarbeiterstamm, der für die „Tischgemeinschaft“ verantwortlich ist. Gestern half ihr die Gemeinde-Presbyterin Lieselotte Ernst, die etliche Liter einer köstlichen Suppe gekocht hatte und diese spielend „an den Mann und die Frau brachte“.

„Nicht einfach, die Mengen abzuschätzen, weil man ja nie weiß, wie viele kommen“, berichtete Anke Gehrt von den logistischen Herausforderungen und weiß, dass beim zweiten Termin 22 Liter Hühnersuppe „weggegangen“ seien. „Die Idee kommt an“, sagte sie und fand kaum Zeit, sich selbst eine Teller zu füllen, weil immer wieder jemand seinen leeren Teller hinhielt und um einen Nachschlag bat. Eine Idee, die das gemeinschaftliche Leben in Neuenrade bereichert – zweifelsfrei. Und niemand muss die Befürchtung haben, in eine Schublade gesteckt zu werden, weil das Publikum so vielschichtig ist, wie die Bevölkerung an sich. Das Angebot ist kostenlos, an der Tür steht lediglich eine unscheinbare Schüssel: Wer spenden möchte, um die Aktion zu unterstützen, darf das gerne tun – muss aber nicht.

Von Markus Jentzsch

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