Vorstoß von Bundesfinanzminister Scholz

Gemeinnützigkeit bald weg? Schützenbruderschaften sind aufgebracht

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Die Schützenhallen in den Dörfern, hier die Affelner Schützenhalle, wird auch von vielen anderen Vereinen regelmäßig genutzt. Die Schützenbruderschaft hält das Gebäude instand.

Neuenrade/Balve – Als „Schnapsidee, die man im Grunde auch nur nach dem Genuss von reichlich Alkohol ertragen könne“ bezeichnet Wolfram Schmitz, der Geschäftsführer des Sauerländer Schützenbundes, den Vorstoß von Finanzminister Olaf Scholz (SPD).

Der Sozialdemokrat hatte gefordert, reinen Männervereinen, die Frauen die Mitgliedschaft verwehren, die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen würden, seien aus seiner Sicht nicht gemeinnützig, hatte er erklärt. 

Für Schmitz liegt eines klar auf der Hand: „Herr Scholz hat wenig Ahnung von dem, was die Schützenbruderschaften vor Ort leisten. Sonst wäre er nie auf eine solche Idee gekommen.“ Der Vorstoß des Finanzministers sei ein „Schlag ins Gesicht“ der vielen Ehrenamtler in den Schützenbruderschaften, unterstreicht der Balver. 

Vereine engagieren sich auch sozial

„Viele unserer Vereine sind caritativ unterwegs, sie setzen sich für Menschen ein, die sozial benachteiligt sind“, erklärt der Geschäftsführer des Sauerländer Schützenbundes. 

Er verweist zudem auf die Schützenhallen, die oftmals der Mittelpunkt eines Dorfes seien: „Sie stehen natürlich auch anderen Vereinen zur Verfügung und werden von diesen auch gerne genutzt.“ 

Immaterielles Kulturerbe

Wolfram Schmitz verweist auch auf die Unesco, die das Schützenwesen kürzlich im immateriellen Kulturerbe erklärt hat: „Angesichts einer solchen Auszeichnung überrascht die Idee des Ministers natürlich ganz besonders.“ 

Auch Christoph Rapp, der Vorsitzende der Balver Schützenbruderschaft St. Sebastian, hat überhaupt kein Verständnis für die Idee von Olaf Scholz: „Selbstverständlich sind wir gemeinnützig unterwegs. Wir veranstalten Martinszüge, Seniorennachmittage und vieles mehr. Und unsere Königinnen sind – ebenso wie viele andere Frauen – mitten im Geschehen – auch ohne Mitgliedschaft.“ Auch persönlich treffe ihn die Idee: „Das Ehrenamt ist schon mit viel Einsatz und Arbeit verbunden. Wenn man dann so etwas hören muss, ist man schon aufgebracht.“ 

Spende an den Kindergarten

Die Affelner Schützen hätten erst kürzlich für den Kindergarten des Dorfes gespendet, erinnert Detlef Schulte, Vorsitzender der Schützenbruderschaft St. Peter und Paul. „Auch der Förderverein der Grundschule profitiert regelmäßig von unserer Arbeit.“ Frauen seien den Schützen im Rahmen der Feste natürlich jederzeit herzlich willkommen. „Aber es ist eben aus unserer Tradition heraus begründet, dass Frauen nicht selbst die Mitgliedschaft erwerben können.“ 

„Ich kann nicht begreifen, warum immer mehr gegen Vereine geschossen wird“, schimpft Patrick Bexten. Der Geschäftsführer der Küntroper Schützenbruderschaft ist sauer: „Auch die Schützenvereine leisten viel für die Gesellschaft.“ Es sei „einfach und plump“ zu behaupten, Bruderschaften seien nicht gemeinnützig. Bexten stellt fest: „Für uns wäre es fatal, wenn wir die Gemeinnützigkeit verlieren. Wir sind auf die steuerlichen Vorteile angewiesen.“ Als gemeinnützig anerkannter Verein dürfen sie beispielsweise Spendenquittungen ausstellen, die der Spender dann im Rahmen seiner Steuererklärung einreichen kann. Das fördere die Spendenbereitschaft.

KFD 

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, die sowohl in Balve und in vielen der Balver Ortsteile sowie in Affeln, Altenaffeln, Blintrop und Küntrop vertreten ist, hat der Finanzminister übrigens nicht im Visier: Denn dort können laut Satzung auch Männer Mitglied werden.

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